Nach Schüssen in Neutraubling: Flucht eines 31-Jährigen endet in Bosnien

Rund 900 Kilometer vom Tatort in Neutraubling entfernt, orten Zielfahnder den Mann. Als er über die Grenze will, wird er verhaftet. Ein weiterer Mann hat sich nach der Schießerei selbst gestellt – der 32-Jährige kam in U-Haft.
Am 17. September fallen spätabends eine Vielzahl von Schüssen mitten in Neutraubling. Ein 45-Jähriger kommt schwer verletzt in eine Regensburger Klinik. Zur wilden Schießerei gibt es neue Entwicklungen: Zwei weitere Verdächtige sitzen aktuell in Haft, darunter wohl auch der mutmaßliche Schütze. Ein Mann stellte sich am Freitagvormittag selbst den Behörden, ein 31-Jähriger wurde auf seiner Flucht in Bosnien gefasst. Das bestätigte Oberstaatsanwalt Thomas Rauscher der Mediengruppe Bayern.
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Es war kurz vor 22 Uhr, als der Polizei per Notruf Schüsse auf offener Straße in Neutraubling gemeldet wurden. Sofort rückte ein Großaufgebot in die Schlesische Straße aus, nur wenig später kreiste über Stunden ein Polizeihubschrauber über den Dächern der Stadt. Die Einsatzkräfte fahndeten da bereits nach den mutmaßlichen Tätern. Den Zugriff in Neustadt an der Donau übernahm dann ein Spezialeinsatzkommando der Polizei: Das stürmte am Morgen danach ein Haus und nahm zwei 21-Jährige fest. Beide mussten in U-Haft, ein dritter Mann kam wieder frei.
Wie MZ-Recherchen zeigten, sollen sich der verletzte Mann und mindestens einer der Kontrahenten wohl gekannt haben. Es soll zuvor wohl Streit gegeben haben – die Männer sollen sich dann an jenem Dienstagabend verabredet haben, um das zu klären. Doch dabei eskalierte alles: Mindestens sechsmal wurde scharf geschossen. Das zeigen die Einschusslöcher an Haustür, Rahmen sowie der Wand neben dem Eingang zu dem Mehrfamilienhaus.
Verdächtiger wurde längst international gesucht
Was bislang nicht bekannt war: Schon seit 18. September wurde auch nach dem nun verhafteten 31-Jährigen gesucht. Gegen den Georgier hatte die Staatsanwaltschaft nämlich schon damals Haftbefehl wegen heimtückischen, versuchten Mordes beantragt. Der Mann war deshalb mit einer sogenannten „Red Notice“ international zur Fahndung ausgeschrieben. Dass er sich nach der Tat ins Ausland abgesetzt hatte, galt als sehr wahrscheinlich.
Zielfahnder des LKA hatten den Mann dann offenbar in Bosnien-Herzegowina ausgemacht. Als er am 4. Oktober bei Orasje, rund 900 Kilometer von Neutraubling entfernt, offenbar nach Kroatien ausreisen wollte, wurde der 31-Jährige festgenommen. Wie Oberstaatsanwalt Thomas Rauscher erklärte, ist seine Auslieferung nach Deutschland bereits auf den Weg gebracht worden.
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Ein vierter Verdächtiger hat sich zudem am Freitagvormittag den Behörden gestellt – er kam mit seinem Verteidiger selbst auf die Ermittler zu. Das bestätigte der Sprecher der Regensburger Staatsanwaltschaft auf MZ-Anfrage. Der 32-Jährige wurde demnach der Ermittlungsrichterin am Amtsgericht vorgeführt, die Haftbefehl erließ. Der Mann ist, wie die beiden in Neustadt an der Donau verhafteten 21-Jährigen, deutscher Staatsbürger. Ob sich die Männer zur Sache eingelassen haben oder schweigen, blieb vorerst offen.
LKA-Ermittler sicherten in Neutraubling Spuren
Ob – wie vermutet – in jener Nacht einer der Beteiligten tatsächlich in einem alten Streit eine Waffe sprechen ließ, versucht die Kriminalpolizei aufzuklären. Fakt ist: Auch der schwer verletzte 45-Jährige hat geschossen, mit einer Schreckschusspistole. Wer die scharfe Waffe dabei hatte und abdrückte, ist nicht klar – sehr wahrscheinlich einer der beiden jetzt gefassten Männer, hieß es.
Noch offen ist zudem, was in der Feuerpause geschah, als die Waffen laut Zeugen für einige Zeit schwiegen. Dafür machten sich auch zwei Ballistikexperten des Bayerischen Landeskriminalamts am Tatort selbst ein Bild. Die Ermittlungen zum Fall laufen weiterhin auf Hochtouren.


