Dealte ein Pärchen aus Regenstauf im großen Stil mit fast 50 Kilo Rauschgift?

Chats in einem sichergestellten Handy bringen einem 38-Jährigen und seiner Verlobten aus Regenstauf (Landkreis Regensburg) eine saftige Anklage ein. Vor dem Landgericht in Regensburg geht es um Waffen, 50 Kilo Rauschgift, Hunderttausende Euro und womöglich ganz viel Prahlerei.
Wenn sich bestätigen sollte, was in der Anklage steht, wären sie wahre Glückspilze. Fast 50 Kilo Marihuana, Crystal Meth und MDMA soll ein Pärchen vor vier Jahren im Haus gehabt haben – in Haft waren beide aber keinen einzigen Tag. Das hat einen Grund: Den größten Teil des Rauschgifts, darunter allein sieben Kilo Methamphetamin im Straßenwert von weit über einer halben Million Euro, brachten erst ausgewertete Chats zutage. Der 38-jährige Mann will damit nur geprahlt haben, seine ein Jahr jüngere Verlobte soll nicht beteiligt gewesen sein. Ein Teilgeständnis gab es dennoch.
Als Drogenfahnder im Dezember 2020 zu einer Durchsuchung der Wohnung des Paares in Regenstauf anrückten, wurden sie im Keller fündig. Drei Aufzuchtanlagen mit 32 Cannabispflanzen stellte die Kripo sicher, dazu Teile der Ernte in einer Trocknungsanlage – und fast 60.000 Euro Bargeld aus den Geschäften. So räumte es der Angeklagte gestern im Prozess vor dem Landgericht ein. Eine gefundene Schreckschusspistole und ein Samuraischwert hätten nichts mit dem Drogenverkauf zu tun, den er ebenfalls über seine Anwältin Sarah Metz gestand. Angelika Brenn, die Verteidigerin der 37-Jährigen neben ihm auf der Anklagebank, schloss sich an. Ihre Mandantin sei nicht an Geschäften beteiligt gewesen, habe aber davon gewusst.
60.000 Euro seien „hängengeblieben“
Der 38-Jährige führte schwere gesundheitlichen Probleme, er sitzt wegen der Handycaps im Rollstuhl (nicht nach Bandscheibenvorfällen, wie zunächst an dieser Stelle berichtet), als Gründe für den Drogenanbau und -verkauf an. Nur Marihuana helfe ihm, mit den Schmerzen umzugehen. „Aber es war auf Dauer zu teuer“, erklärte er. So sei eins zum anderen gekommen. Teilweise hätte er das Gras sogar verschenkt, „wenn jemand grad mal kein Geld hatte“. Aber freilich sei auch „etwas hängengeblieben“ – genau gesagt, stolze 60.000 Euro, die die Kripo fand und ebenfalls beschlagnahmte. Wann wem wie viel verkauft wurde, und wo, wusste er nicht mehr.
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Die Chats, nach denen über 280.000 Euro daheim lägen oder er Zuchtanlagen in ganz Europa besitze, seien Prahlerei gewesen. Er habe mit „Connections“ auftrumpfen wollen. Genau sowenig habe es den angeklagten Verkauf von einem Kilogramm MDMA gegeben, betonte der Mann weiter. Dazu strengt die fünfte Strafkammer am Regensburger Landgericht weitere Aufklärung an und hat ein Urteil aus Oldenburg im Norden der Republik angefordert. Der vermeintliche Käufer des MDMA ist nämlich als Zeuge vorgeladen. Gegen ihn soll es offenbar eine Anklage und womöglich auch ein Urteil in genauer dieser Sache geben.
Für den Prozess gegen das Pärchen sind vier weitere Prozesstage geplant. Ein Urteil soll demnach frühestens Anfang Dezember gefällt werden.