„Nicht wirtschaftlich“: Absage an unterirdisches Auto-Regal am Regensburger Emmeramsplatz

Von Rainer Wendl · 12. November 2024 um 17:00

Seit Jahren gibt es Überlegungen zu einer besonderen Tiefgarage am Emmeramsplatz. Jetzt hat sich das Projekt offenbar erledigt.

Es war nur eine Randbemerkung, doch die hatte es in sich. In der ansonsten ausufernden Stadtratsdebatte übers Investitionsprogramm kam Planungsreferent Florian Plajer vergangene Woche auch kurz auf den Emmeramsplatz zu sprechen: „Es wird nicht wirtschaftlich sein, dort mit der Parkgarage weiterzuarbeiten“, sagte er und verkündete damit quasi nebenbei das Ende eines ebenso ungewöhnlichen wie ambitionierten Projekts.

Vor mehr als vier Jahren war dieses erstmals im Planungsausschuss vorgestellt worden, zunächst als Anregung für eine Machbarkeitsstudie. Die Idee dahinter: Da sich mittig unter dem Emmeramsplatz ein aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs stammendes Löschwasserbecken mit 30 Meter Durchmesser befindet, könnte man an dieser Stelle bis zu 15 Meter in die Tiefe gehen, ohne auf die im Altstadtbereich obligatorischen archäologischen Funde zu treffen.

Unter der Oberfläche wäre somit Raum für eine automatisierte Parkierungsanlage, also so etwas wie ein unterirdisches Regal für Autos.

„Eine positive Überraschung“

Laut der ursprünglichen Planung hätten auf sieben Ebenen mit jeweils zwölf Stellplätzen gut 80 Fahrzeuge unter der Erde verschwinden können. Auf dem Platz selbst, wo heute maximal 50 Autos parken, wäre nur noch die Übergabekabine, sprich die Einfahrt zum Aufzug, sichtbar gewesen.

Da die seinerzeit in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie positiv ausgefallen war, startete die Stadt Ende 2022 ein Interessenbekundungsverfahren. Mittels dieses Instruments sollte ausgelotet werden, ob es Investoren für Planung, Bau und Betrieb einer solchen Tiefgarage gibt. Trotz europaweiter Ausschreibung gab es bis Mitte 2023 keine Rückmeldung. Mittlerweile scheint klar zu sein, dass auch ein zweiter Anlauf nicht erfolgreich war. Das Projekt wird daher wohl mit der Begründung „Marktversagen“ beerdigt.

„Ich habe vorher nichts davon gewusst, daher war die Aussage des Planungsreferenten durchaus eine Überraschung. Eine positive Überraschung natürlich“, sagt Maria Simon, die Co-Vorsitzende der Grünen-Stadtratsfraktion. Plajer hatte seine Wortmeldung mit der Ankündigung ergänzt, in Kürze mit Details vorstellig zu werden.

Aus diesem Grund will die städtische Pressestelle derzeit auch keine zusätzlichen Angaben zum Thema machen. „Über den aktuellen Stand und den weiteren Ablauf werden die Stadträte voraussichtlich in der kommenden Woche im Planungsausschuss informiert“, lautet die Auskunft.

„Ich hoffe, dass das Thema nun endgültig vom Tisch ist“, sagt Simon vor dieser Sitzung. Sie hatte sich seit jeher gegen das Vorhaben positioniert und ihre Ablehnung vor allem damit begründet, dass es heute schon genug Parkmöglichkeiten im Altstadtbereich gebe – selbst dann, wenn man die Stellplätze am Emmeramsplatz zugunsten einer völligen Neugestaltung des Areals aufgibt.

Doch wo sollen die auf dem Platz abgestellten Autos hin? Simon glaubt, dass mit einer Bereitstellung von Bewohner-Plätzen im nahen Petersweg-Parkhaus schon viel gewonnen wäre.

Vorfreude auf Neugestaltung

„In Gesprächen mit Anliegern stelle ich auch immer wieder fest, dass viele ihr Auto nur sehr selten bewegen. Die müssen daher nicht zwingend über lange Zeiträume zentrale Plätze belegen, sondern können auch etwas weiter draußen parken“, so die Grünen-Stadträtin. Das sei heutzutage keine Zumutung mehr, sondern könne den Leuten durchaus schmackhaft gemacht werden.

„Wir müssen dazu bestehende Angebote wie das Carsharing-System Earl oder die flächendeckende Möglichkeit zum Ausleihen von Lastenfahrrädern noch besser bewerben“, fordert Simon und spricht von einer Grundsatzentscheidung unter dem Motto „Wo wollen wir hin?“. Die Antwort glaubt sie bereits zu kennen: „Am Ende freuen sich doch alle darüber, wenn ein Platz schön ist. Es kann sich ja auch längst keiner mehr vorstellen, auf dem Haidplatz zu parken.“

Was den Emmeramsplatz angeht, ist die Vorfreude auf die Neugestaltung groß. Als das entsprechende Konzept im Sommer 2023 im Stadtrat vorgestellt wurde, zog sich die Begeisterung durch annähernd alle Fraktionen und Gruppierungen. Geplant ist, die versiegelte Fläche des heutigen Großparkplatzes mit Rasenflächen, Stauden und hitzeresilienten Bäumen zu begrünen, Sitz-, Liege- und Spielmöglichkeiten zu schaffen sowie eine kunstvolle Wasserinstallation als i-Tüpfelchen herzustellen.

Für die Umsetzung wurde das Jahr 2030 als frühestmögliche Option genannt, unabhängig vom Schicksal des Auto-Regals. Ob dieser Zeitplan noch gilt, wird kommende Woche im Ausschuss zu erfahren sein.