Iris-Galerie floppt in Regensburg – Einheimische stehen aber als Nachmieter schon bereit

In nahezu jeder europäischen Stadt von Rang gibt es eine Niederlassung der Iris-Galerie. Die Regensburger Filiale aber hat nach etwas mehr als einem Jahr schon wieder geschlossen.
Die vier Geschäfte im Gumprecht’schen Haus zwischen Hofbrauhaus und Haidplatz sind erstmals seit Jahren wieder voll vermietet. Mit dieser positiven Nachricht aus der Neue-Waag-Gasse überrascht Immobilienmakler Gerald Loers. Zunächst hatte es nämlich so ausgesehen, als sei ein neuer Leerstand in der Ladenzeile beim Alten Rathaus zu beklagen.
Die Iris-Galerie hat es nur ein gutes Jahr an diesem Standort ausgehalten. Das Konzept des französischen Unternehmens, hochauflösende Fotografien des menschlichen Auges als Kunstwerk zu verkaufen, ist zumindest hier kein Erfolgsmodell geworden.
Platz für Kunst-Bestseller
„Die können sich das selbst nicht erklären. Ob Verona, Rom, Amsterdam oder Barcelona – die sind überall in Europa in 1-A-Lagen. Hier hat es überhaupt nicht funktioniert“, rätselt Loers über die ausgebliebene Akzeptanz, fügt aber gleich hinzu: „Das passiert immer wieder mal in Regensburg.“
Gleich ums Eck in der Unteren Bachgasse ist dem Makler im Vorjahr etwas Ähnliches passiert. Da musste schon nach kurzer Zeit ein Sneaker-Laden aufgeben, den Loers dorthin vermittelt hatte. „Die hatten all die angesagten Schuhe, die von US-Stars getragen werden. Aber das Geschäft ist nicht gelaufen.“ Beim Nachfolger „Aus dem Hinterland“ mit seinem Schöne-Sachen-Sortiment aus regionalen Manufakturen brummt es hingegen.
Womit der Kreis zurück in die Neue-Waag-Gasse geschlossen wäre. Denn „Aus dem Hinterland“ hatte seine Erfolgsgeschichte genau in den Räumlichkeiten begonnen, wo die Iris-Galerie jetzt gescheitert ist. Als nächstes probiert es dort nun ein einheimischer Mieter. Die Galerie Art Affair von direkt gegenüber eröffnet am Samstag ein zweites Standbein.
Christopher Lüttgens leitet den Kunstsalon zusammen mit seinem Vater Karl Friedrich Krause und erklärt die Expansion wie folgt: „Wir bieten in unserer Galerie ein wechselndes Ausstellungsprogramm an, brauchen aber ganzjährig Platz für Künstler wie Markus Lüpertz oder Willi Siber, die für beständige Verkäufe sorgen.“ Dank der zusätzlichen Fläche auf der anderen Seite der Gasse gehört dieses Problem nun der Vergangenheit an.
Lüttgens bezeichnet die ehemalige Iris-Galerie als „White Cube“, also weißen Würfel. Was er damit meint: Der Laden ist rechteckig, hat eine hohe Decke und ist dank seiner Fensterfront bestens belichtet. „Ideal für eine eigene Präsentation unserer hochkarätigen Künstler“, freut sich der Art Affair-Macher. Die eigentliche Galerie mit ihrem Kreuzgewölbe sei zwar an sich der spannendere Raum – „doch das lenkt die Besucher manchmal zu sehr ab“.
Nebenan gibt’s Schmuck
„Art Affair mit einem zweiten Standort passt super in diese Lage“, lautet auch die Überzeugung von Loers. Nicht zuletzt beruht diese auf der Erfahrung, dass einheimische Geschäfte in der Regensburger Altstadt noch immer am besten laufen.
Die Neuvermietung der vierten und letzten noch leeren Ladeneinheit im Gumprecht’ schen Haus passt ebenfalls in dieses Schema: Hier eröffnet in Kürze Morphilia, eine Schmuckmanufaktur aus Neutraubling.