Fast vergessenes Projekt: Tiefgarage am Emmeramsplatz in Regensburg bleibt Thema

Von Rainer Wendl · 22. Mai 2024 um 19:00

Es ist wieder einmal sehr still geworden um das spektakuläre Tiefgaragen-Projekt am Emmeramsplatz. Für einen Abgesang aber ist es noch zu früh.

Seit Jahren kursiert die Idee eines unterirdischen Park-Regals für Anwohner, mit dem die in großer Zahl auf dem Emmeramsplatz abgestellten Autos unter die Erde verfrachtet werden könnten. In regelmäßigen Abständen wird kurz über das spektakuläre Projekt diskutiert, bis es dann wieder – wie dereinst vielleicht die Fahrzeuge – in der Versenkung verschwindet.

Die aktuelle Funkstille dauert bereits seit elf Monaten an. So lange, dass die auf das Vorhaben angesprochene Grünen-Fraktionsvorsitzende Maria Simon sagt: „Das ist doch vom Tisch, oder?“ Nein, ist es nicht. Demnächst stehen weitere Untersuchungen an, ob sich die Tiefgarage realisieren lässt.

Simons Abgesang mag voreilig sein, nachvollziehbar ist er aber allemal. Denn als die Stadträte im Juni zum bislang letzten Mal über das Thema informiert wurden, ging es um das Ergebnis eines Interessenbekundungsverfahrens.

Wo ist der Eibrunner Mergel?

Mit diesem Instrument wollte die Stadt herausfinden, ob es Investoren für den Bau der Parkierungsanlage unter dem Emmeramsplatz gibt. Gemeldet hat sich kein einziger.

Dennoch schlug die Verwaltung vor, es ein zweites Mal zu versuchen. Mittels eines zweistufigen europaweiten Vergabeverfahrens mit Teilnahmewettbewerb sollten Interessenten für das Projekt gesucht werden. Elf Monate nach dem entsprechenden Beschluss hat nicht nur Simon keine Kenntnis vom weiteren Fortgang.

Auch CSB-Stadtrat Christian Janele, als Mitglied der Rathaus-Koalition an Entscheidungsprozessen oft näher dran als die Kollegin aus der Opposition, sagt: „Davon habe ich seither nichts mehr gehört, da werde ich demnächst mal nachfragen.“

Tatsächlich haben weder Janele noch Simon etwas Wesentliches versäumt. Denn wie die städtische Pressestelle aufklärt, läuft im Stadtplanungsamt aktuell noch die Vorbereitung des Vergabeverfahrens. Da dessen Ergebnis für die Stadt bindend sein wird, ist Rechtssicherheit das oberste Gebot. Um keinerlei Risiko einzugehen, muss als Zwischenschritt zunächst eine detaillierte Untersuchung ausgeschrieben werden, die den Baugrund im tieferen Bereich erkundet.

Im Rahmen dieser geologischen Untersuchung soll in Absprache mit dem Wasserwirtschaftsamt festgestellt werden, in welcher Tiefe der sogenannte Eibrunner Mergel ansteht. Diese Tonschicht hat als Grundwasser-Stauer eine wichtige Funktion im Aufbau des Bodens.

„Zum Schutz des tiefanstehenden Grundwassers darf der Eibrunner Mergel durch eine etwaige Baumaßnahme nicht durchteuft werden“, führt die Pressestelle aus. Einfacher ausgedrückt: Weil sich ein Durchbohren dieser Bodenschicht verbietet, gibt sie vor, wie weit runter die Tiefgarage gehen könnte. Eine entsprechende Bohrung soll nun Erkenntnisse dazu liefern.

Platz wird sowieso autofrei

Sobald diese vorliegen, will die Stadt das Vergabeverfahren veröffentlichen. „Mit einem Ergebnis wird voraussichtlich im dritten bis vierten Quartal dieses Jahres gerechnet“, lautet die Prognose. Sollte dann erneut kein Investor sein Interesse an der Errichtung des unterirdischen Park-Regals anmelden, wird das Projekt beerdigt. Die Stadt beschreibt diesen Fall mit dem Fachbegriff „Marktversagen“.

CSB-Stadtrat Janele ist überzeugt, dass es dazu nicht kommen muss: „Ich habe den Eindruck, dass das Vorhaben von der Stadt nicht genügend beworben wird. Wenn man das richtig forciert, findet sich bestimmt eine Firma, die das gern bauen würde. Das ist ja schließlich ein Vorzeige-Auftrag.“ Insgesamt findet er die Idee, bis zu 100 Fahrzeuge einfach in der Erde verschwinden zu lassen, nach wie vor attraktiv. „Irgendwo müssen die Autos der Anwohner ja hin. Den Platz würde das definitiv aufwerten.“

Dafür ist allerdings kein unterirdisches Park-Regal notwendig, wendet Maria Simon ein. „Anwohner können auch im Parkhaus am Petersweg parken. Da steht ein Extra-Kontingent zur Verfügung, das meines Wissens nicht ausgebucht ist“, sagt die Grünen-Stadträtin und meint mit Blick auf die vor der Umsetzung stehende Mobilitätsdrehscheibe am Unteren Wöhrd: „Wir bauen eh zu viele Parkhäuser, die unnötigen zusätzlichen Autoverkehr in die Altstadt ziehen.“

Der Emmeramsplatz wird derweil auf jeden Fall autofrei. Die Umgestaltung von der grauen Asphaltwüste zur grünen Oase wurde im Vorjahr vom Stadtrat beschlossen, die Umsetzung wird jedoch erst ab 2030 erfolgen. Da bleibt theoretisch noch viel Zeit, um immer wieder mal über ein Park-Regal im Untergrund nachzudenken.

Unter dem Platz gibt es schon ein Bauwerk

Relikt: Unter der Parkplatz-Fläche am Emmeramsplatz befindet sich ein fünf Meter tiefes Löschwasserbecken mit einem Durchmesser von knapp 30 Metern. Es handelt sich um ein Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg.

Chance: Dieser Vorgänger-Bau eröffnet in den Augen der Stadtplaner eine Möglichkeit, die es an anderen Stellen in der Altstadt nicht gibt: Man kann in die Tiefe gehen, ohne auf die sonst obligatorischen archäologische Funde zu treffen.

Idee: Es besteht der Plan, einen runden Schacht bis zu 26 Meter in die Erde zu setzen und mit zehn Parkebenen zu versehen. In dieser automatisierten Anlage, einer Art Auto-Regal, soll Platz für 120 Fahrzeuge sein. An der Oberfläche wäre nur ein Übergabebereich zu sehen, in dem die Autos zum Aufzug gefahren werden.

Kosten: In einer Schätzung aus dem Jahr 2021 ging die Stadt von einem relativ günstigen Preis für die Umsetzung aus: 6,8 Millionen Euro.