Theater um Nutzung der Kulturhalle: Schauspieler sind unzufrieden mit der Spielstätte in Berching

Von Bernhard Neumayer · 8. November 2024 um 05:00

Ob bei dem Stück „Der nackte Wahnsinn“ oder dem „Dschungelbuch“: Aufwändige und detailverliebte Bühnenbilder beeindrucken Zuschauer bei den Theaterstücken des Berchinger Kulturförderkreises. Heuer wird es im Winter keine Aufführungen geben. Der Grund ist ein Streit mit der Stadt, in den nun aber Bewegung kommt.

Der Kulturförderkreis führt mit seinen Laien-Schauspieler in der Regel im Frühjahr und Winter ein Theaterstück auf. Dafür ist es dem Verein für den Zeitraum von jeweils fünf Wochen (Aufbau des Bühnenbilds, Proben und Aufführungen) wichtig, das Bühnenbild aufgebaut zu lassen. Dieses während dieser Zeit einmal oder mehrfach ab- und aufzubauen, bedeutet für die Ehrenamtlichen einen immensen Aufwand.

Es gab schon Produktionen, da konnte der Verein das Bühnenbild in der Kulturhalle für fünf Wochen stehen lassen. Im Dezember vergangenen Jahres allerdings pochte ein Zwischenmieter der Multifunktionshalle auf eine leere Bühne.

Kulturhalle Berching: Kulturförderkreis sagt Theater ab

„Es hat sich gezeigt, dass ein Nebeneinander eines Theaterbetriebs und eines kommerziellen Betriebs nicht umsetzbar sind“, schreibt Armin Edbauer, der Vorsitzende des Kulturförderkreises. Für diesen Winter sei den Ehrenamtlichen zu unsicher gewesen, ob sie das Bühnenbild stehen lassen können oder nicht.

In einem Antrag forderte Edbauer deshalb, die Satzung der Kulturhalle dahingehend zu ändern, dass der Theatergruppe das Recht eingeräumt wird, die Bühne während dieser jeweils fünf Wochen im Frühjahr und Winter uneingeschränkt zu nutzen. Dem Verein geht es vor allem darum, das Bühnenbild stehen zu lassen.

Der Haken: Die Stadt ist laut Satzung dazu verpflichtet, die Kulturhalle möglichst wirtschaftlich zu betreiben. Gerade im Dezember konkurrieren Weihnachtsfeiern von Firmen mit den Laien-Schauspielern. Der Kulturförderkreis hat bei der Belegung zwar eine Art „Vorkaufsrecht“ und kann die Halle über ein Jahr im Voraus buchen. Andere Veranstalter wie etwa Hochzeitspaare erhalten dagegen maximal ein Jahr im Voraus den Nutzungsvertrag.

Kulturhalle Berching wird an Nutzer vermietet

Aktuell ist es aber möglich, dass zwischen zwei Theateraufführungen die Halle an andere Nutzer vermietet wird. Und wenn diese auf eine vollständige Bühne pochen, ist die Stadt in der Zwickmühle.

„Wir wollen möglichst allen gerecht werden“, sagte Veronica Platzek am Dienstagabend, als im Haupt- und Finanzausschuss der Antrag des Vereins behandelt wurde. Als Verantwortliche für die Kulturhalle steckt sie im Dilemma: „Ich will Kultur fördern, aber ich muss die Halle auch wirtschaftlich betreiben.“ Deshalb rief sie das Gremium auf, ein Meinungsbild abzugeben, wie in Zukunft verfahren werden soll.

Berchinger loben Schauspieler des Kulturförderkreises

Zahlreiche Stadträte zollten den Ehrenamtlichen, von denen ein Teil die Sitzung verfolgte, Respekt. Kulturreferentin Melanie Altrichter hält die Theaterproduktionen für „wahnsinnig“ wichtig. Das Bühnenbild ab- und wieder aufzubauen, sei ein „Mega-Aufwand“. Achim Christl sprach sich dafür aus, dem Verein Vorrang zu gewähren. „Firmen haben da für mich Nachrang.“

Nachdem sich weitere Stadträte anerkennend über den Kultur-Verein geäußert hatten, kristallisierte sich heraus, dass zwei der drei vorgeschlagenen Beschlüsse von der Verwaltung außer Frage stehen.

Das Gremium wollte nicht, dass der Betrieb so wie bisher fortgesetzt wird. Es wollte aber auch nicht, dass während der Theaterproduktionen keine anderen Mieter die Bühne nutzen dürfen. Stattdessen einigte man sich auf einen Kompromiss. Dieser sieht vor, dass andere Mieter den vorderen Teil der Bühne nutzen dürfen, während der Kulturförderkreis sein Bühnenbild im hinteren Bereich (abgetrennt von einem Vorhang) zwischen den Spieltagen stehen lassen darf.

Platzek hatte versucht, festzulegen, wer wie viele Quadratmeter der Bühne bekommt. Der Verein sollte 37 Quadratmeter zum Verstauen des Bühnenbilds erhalten, die vorderen 28 Quadratmeter stünden den Zwischenmietern zur Verfügung. Doch darauf wollte sich Edbauer nicht festlegen. Denn manchmal brauche der Verein für das Bühnenbild in der Tiefe mehr Platz.

Und so beschloss das Gremium einstimmig den Kompromiss mit der geteilten Bühne – allerdings ohne festzulegen, wer wie viele Meter bekommt. „Das handelt ihr dann individuell aus“, sagte der Bürgermeister zu Edbauer und Platzek. „Wir können mit diesem Kompromiss leben“, sagte Edbauer. Wie die Aufteilung im Detail in Zukunft aussieht, wird sich zeigen.