Kulturfabrik Berching als Übergangslösung: Stadträte streben neue Lösung für Jugendtreff an

Von Rainer Plank · 4. Dezember 2023 um 11:45

Wie Seifenblasen sind bei Berchinger Jugendlichen die Hoffnungen zerplatzt, sich in ein bis zwei Jahren in einem neuen Jugendzentrum zu treffen. Es wurde aus Spargründen auf Eis gelegt. So bleibt ihnen wohl nichts anderes übrig, als sich weiterhin in der Kulturfabrik zu treffen. Oder gibt es vielleicht doch noch eine Alternative?

Nachdem die Pläne für das Jugendzentrum auf unbestimmte Zeit verschoben worden sind, geht Hans Rosenbeck, der sich bei der Stadt Berching für die Jugend verantwortlich zeichnet, davon aus, dass der Jugendtreff auch erst mal in der Kulturfabrik bleibt.

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Dagegen spricht auch vonseiten des Neumarkter Landratsamts nichts, wie Bauamtsleiterin Helga Huber sagt. Das Landratsamt sei vor einigen Jahren mit der Stadt Berching übereingekommen, dass sie die Kulturfabrik weiter nutzen könne – unter bestimmten Auflagen. Da sei es um bauliche Veränderungen hinsichtlich des Brandschutzes gegangen sowie um den Lärmschutz, erklärt Huber.

Kein Problem mit Lärmschutz in der Kulturfabrik

Nachdem die Stadt die neue Kulturhalle in Betrieb genommen hat und die großen Veranstaltungen nun dort stattfinden, gebe es keine Probleme mehr mit dem Lärmschutz. Und auch die Auflagen beim Brandschutz seien erfüllt worden, so dass es keinen sicherheitsrelevanten Punkt mehr gebe, die Kulturfabrik weiter zu nutzen. Rein rechtlich spreche laut Huber nichts dagegen, wenn Musiker in der Kulturfabrik weiter probten oder sich Jugendliche dort träfen.

Es seien zwischen 20 und 30 Jugendliche, die regelmäßig zum Jugendtreff kämen, weil sie sich dort „ganz zwanglos“ austauschen könnten, beschreibt Rosenbeck die Situation in Berching. „Die Jugendlichen fühlen sich da wohl.“ Das sehe man auch daran, dass der Berchinger Jugendtreff „sehr gut besucht“ sei.

Ihnen sei es einfach wichtig, dass sie einen Platz hätten, wo sie mit Gleichgesinnten etwas unternehmen könnten. Und der Stadt sei es wichtig, dass sie positiv auf sie einwirken könnte. So gebe es in Berching wenig Schmierereien an Wänden oder Vandalismus, ergänzt Rosenbeck.

Weicht die Kulturfabrik bald einem Wohnbauprojekt?

Auch mit den derzeitigen Bedingungen in der Kulturfabrik kämen die Jugendlichen ganz gut zurecht. Nichtsdestotrotz ging Rosenbeck davon aus, dass die Zeit des Jugendtreffs in der Kulturfabrik nur noch von kurzer Dauer sei, da die Stadt das Grundstück, auf dem die Kulturfabrik steht, für eine Wohnbebauung verwenden wolle.

„Es wäre sicher schön“ gewesen, bald ein neues Jugendzentrum zu bekommen, aber Rosenbeck kann auch verstehen, dass man in der derzeitigen Situation der Stadt Prioritäten setzen müsse. Wie es jetzt weitergehen soll, sei eine Frage, die politisch gelöst werden müsste, ergänzt er.

Das sieht auch die Vorsitzende des Symphonischen Blasorchesters Berching, Carolin Luber, so. Für sie ist die augenblickliche Situation in der Kulturfabrik „untragbar“. Damit spielt sie vor allem auf die sanitären Anlagen an.

Kein Probenraum fürs Symphonische Blasorchester

„Als wir von der Entscheidung gehört haben, dass es mit dem neuen Jugendzentrum so bald nichts wird, waren wir sehr enttäuscht“, sagt sie. „Wir hatten große Hoffnungen in die Stadt gesetzt, dass wir einen neuen Probenraum im neuen Jugendzentrum bekommen sowie einen zusätzlichen Raum, in dem wir unsere Notenständer und dergleichen mehr unterbringen können. Aber jetzt wissen wir ja gar nicht, woran wir sind.“

Luber wolle nun mit den Verantwortlichen der Stadt reden, ob man die Situation in der Kulturfabrik nicht verbessern könne. „Wir sehen sie da schon in der Verantwortung“, betont die Vorsitzende des Symphonischen Blasorchesters.

Verschiedene Lösungen als Alternative möglich

Bürgermeister Ludwig Eisenreich gesteht zu, dass nach der Entscheidung im Stadtrat etwas unternommen werden müsse: „Ich schaue mir mit dem Bauamt die Toiletten in der Kulturfabrik an, und dann werden wir das Nötigste ersetzen, damit der Jugendtreff und das Blasorchester weiter da bleiben können. Wir werden aber keine 100000 Euro mehr investieren“, so Eisenreich.

Abgesehen davon schwebt dem Bürgermeister vor, den Jugendtreff anderswo unterzubringen, bis das Jugendzentrum fertig ist. Genaueres könne er aber wegen laufenden Grundstücksverhandlungen dazu nicht sagen. Nur so viel sei klar, so Eisenreich: Die Rechtsaufsicht habe der Stadt gesagt, dass sie nicht alles auf einmal machen könne, und deshalb müssten jetzt Prioritäten gesetzt werden – und die Schulfrage habe Vorrang.

Hybridlösung: Ganztagesbetreuung und Jugendtreff

Achim Christl (CSU), Jugendbeauftragter der Stadt, geht das Thema jetzt ganz pragmatisch an. Für ihn ist die Situation, in der sich die Jugendlichen derzeit befinden, auch nicht zufriedenstellend.

Christl könnte sich gut eine Hybridlösung vorstellen, womit er aber nicht sagen wolle, dass das Jugendzentrum für ihn schon „gestorben“ sei. Da die Stadt ab 2026 ein Gebäude für die Ganztagsbetreuung brauche, hält er es für eine „geeignete Lösung“, das neu zu errichtende Gebäude, das neben dem Schulgebäude auf dem Schulareal gebaut werden könnte, für die Ganztagsbetreuung und den Jugendtreff zu verwenden.

So könnten bis 16 Uhr die Schulkinder das Gebäude nutzen und danach dann die Jugendlichen vom Jugendtreff. Das würde zeitlich gut passen und man spare sich den Bau eines Gebäudes. Zudem könnten die Jugendlichen den Hans-Kuffer-Park nutzen, der direkt an das Schulareal angrenzt.

Ganztagsbetreuung und Jugendtreff in einem Gebäude unterzubringen, hält Christls Stadtratskollege und Jugendbeauftrager Lothar Bierschneider (FW) aus organisatorischen Gründen hingegen für schwierig. Er geht aber ebenfalls davon aus, dass die Kulturfabrik keine Dauerlösung ist.

Lothar Bierschneider: Investitionen ins alte Gebäude nötig

Zunächst müsse man noch mal Geld in das alte Gebäude investieren, um es noch für eine Übergangszeit nutzbar zu erhalten. Aber in der Zwischenzeit müsse man sich nach einem anderen Gebäude, in das man vorübergehend Jugend und Blasorchester unterbringen könne, umsehen. Das hätte seiner Meinung nach den Vorteil, dass die Stadt „nur Miete“ bezahlen müsse und nicht auf einmal einen Millionenbetrag wie bei einem Neubau.

Am Ende, glaubt Bierschneider, komme die Stadt aber nicht darum herum, die Kosten für einen neuen Jugendtreff zu reduzieren. Er hält einen „Zweckbau“, der deutlich günstiger ist als das jetzt auf Eis gelegte Jugendzentrum, nur für die Jugend für vorstellbar. Die Proberäume für die Musiker müssten seiner Meinung anderswo untergebracht werden.

Eines jedoch müsse klar sein, so Bierschneider: „Die Jugend hat große Opfer gebracht. Die dadurch freiwerdenden Haushaltsmittel müssen jetzt auch für Schule und Kindergarten verwendet werden.“