Nach 120 Jahren ist Schluss: Wirt schließt Traditionsgaststätte in der Berchinger Altstadt

Von Bernhard Neumayer · 1. November 2024 um 11:00

Die Gerüchteküche in Berching (Landkreis Neumarkt) brodelt seit Wochen. Jetzt äußert sich Wirt Richard Buchberger zu dem Getuschel über seinen Hotel-Gasthof. Der 45-Jährige schließt zwar sein Wirtshaus. Dennoch hat die Blaue Traube eine Zukunft.

Buchberger sperrt kurz vor Weihnachten seine Gaststätte in Berching zum letzten Mal auf. „Es geht nicht mehr“, sagt der Wirt. Die Personalprobleme seien der ausschlaggebende Grund. Eine Herausforderung, die die meisten Gastronomie-Betriebe kennen. „Die Mitarbeiter, die wir haben, sind super“, lobt Buchberger sein Team. „Wir halten nach wie vor zusammen.“ Aber fehlendes Personal dauerhaft aufzufangen, sei unmöglich.

Blaue Traube in Berching: Dem Wirt fehlt das Personal

Der Wirt hatte zuletzt seine Öffnungszeiten reduziert, um den Mangel abzufedern. „Aber die Reservierungen blieben die gleichen“, sagt Buchberger, der mit seinem Wirtshaus in der Altstadt einen sehr guten Ruf hat. Für eine volle Gaststätte brauche er auch genügend Personal. Eine Zeit lang könne man einen Notstand kompensieren. „Aber wenn es dauerhaft ist, musst du irgendwann herunterfahren“, bedauert Buchberger, dem es während des Gesprächs anzumerken ist, dass es eine schwere Entscheidung war. Das gibt er auch selbst zu.

„Uns gibt es ja schon eine Zeit lang“, schiebt Buchberger hinterher und untertreibt damit. Die Blaue Traube ist eine Institution am Pettenkoferplatz. 1904 – vor 120 Jahren – hat Anton Buchberger, der Urgroßvater des heutigen Chefs, die Gaststätte von der Beilngrieser Brauerei Prinstner zunächst gepachtet. Richard Buchbergers Opa und Vater – beide hießen Wilhelm – führten die Wirtschaft in den Folgejahren weiter, ehe seine Eltern Rosemarie und Wilhelm Buchberger das Anwesen von der Brauerei 1975 erwarben.

Seit 1904 bewirtet Familie Buchberger die Blaue Traube Berching

Heute führt der 45-jährige Richard Buchberger den Familienbetrieb in vierter Generation. Umso schwerer fiel ihm die Entscheidung, mit der Wirtschaft diese Ära zu beenden. „Meine Stammgäste waren für mich wie eine Familie“, sagt Buchberger.

Zahlreiche Gruppen – ob Jung oder Alt – trafen sich regelmäßig „beim Buchberger“ zum Stammtisch. Hier wurde gekartelt, geratscht, getrunken. Doch damit ist bald Schluss. Am Sonntag, 22. Dezember, sperrt Buchberger seine Gaststätte zum letzten Mal auf. Etwas Besonderes plane der Wirt zum Abschied nicht, wie er sagt. „Wir haben ganz normal geöffnet.“ Doch ein normaler Tag wird der Sonntag vor Heilig Abend für alle Beteiligten gewiss nicht.

Buchberger in Berching: Das Hotel bleibt geöffnet

Danach will Buchberger seinen Betrieb als Hotel Garni weiterführen. 2013 hatte er seine 20 Zimmer und die Ferienwohnung im Dachgeschoss renoviert. Diese stehen Übernachtungsgästen auch nach der Schließung der Gaststätte zur Verfügung. Statt Schnitzel und Braten gibt es in den Räumen des Wirtshauses künftig nur noch ein Frühstücksbuffet für die Übernachtungsgäste.

Nach Dallmayr: Zweites Gasthaus in Berching schließt

Diese Entwicklung hat in Berching zuletzt auch der frühere Hotel-Gasthof Dallmayr am Reichenauplatz durchgemacht. Auch Buchberger verändert sich nun in diese Richtung. „Das muss sich bei uns jetzt erst einmal finden und dann schauen wir weiter“, lässt der 45-Jährige noch eine Hintertür für die Gaststätte offen. Die Entscheidung müsse keine „für immer“ sein. „Vielleicht können wir irgendwann mal wieder langsam anfangen“, sagt Buchberger.

Der Hotel-Gasthof Blaue Traube befindet sich am Pettenkoferplatz – mitten in Berchings Altstadt. Foto: Neumayer
2013 wurden die 20 Zimmer im Hotel saniert: Für Übernachtungsgäste sperrt Richard Buchberger sein Hotel Blaue Traube in Berching weiterhin auf. Foto: Neumayer