734 Jobs fallen weg: So reagieren Regensburgs Oberbürgermeisterin und IHK auf Schaeffler-Ankündigung

Die Auswirkungen der Krise in der Autoindustrie erreichten am Dienstag auch die Domstadt. Der Konzern Schaeffler, der am 1. Oktober Vitesco übernommen hat, verkündete einen massiven Stellenabbau. Gegenüber dem Betriebsrat gab die Konzernspitze an, dass in Regensburg 734 Arbeitsplätze betroffen sein werden. Lokalpolitik und örtliche Wirtschaftsverbände zeigten sich schockiert, ebenso die Gewerkschaft IG Metall und Beschäftigte.
Regensburgs Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer reagierte auf Anfrage der Mediengruppe Bayern am Dienstag so: „Das ist eine bittere Nachricht. Ich bin bestürzt über den geplanten Stellenabbau bei Vitesco.“ Wenn Arbeitsplätze verloren gehen, „betrifft uns das alle – nicht nur die Beschäftigten und deren Familien“, so die SPD-Politikerin weiter. „Leider hat sich unsere Befürchtung, dass die schwächelnde Automobilbranche auch Auswirkungen auf Unternehmen in Regensburg hat, heute bewahrheitet.“
Jürgen Helmes: Branche in der Region grundsätzlich gut aufgestellt
Auch die Industrie- und Handelskammer Regensburg zeigte sich besorgt über die Entwicklungen. Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes wollte Einzelentscheidungen von Unternehmen nicht kommentieren, sagte aber: „Die Automobilbranche ist schon seit längerem aufgrund der Branchentrends alternative Antriebe, Konnektivität, Autonomes Fahren und Mobilitätsdienstleistungen einem Strukturwandel unterworfen und befindet sich konjunkturell in einer herausfordernden Situation.“ Insgesamt sehe die IHK aber sowohl die Hersteller, als auch die Zulieferer in der Region „für die Zukunft auch international wettbewerbsfähig aufgestellt“, so Helmes weiter.
„Langfristig rechnen wir nicht mit umfassenden Einbrüchen bei der Beschäftigung, denn grundsätzlich bleiben Fach- und Arbeitskräfte aufgrund des Fachkräftemangels in der heimischen Wirtschaft Mangelware.“ Sofern aufgrund von Umstrukturierungen im Automotive-Bereich hochqualifizierte Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stünden, gelte es diese in der Region zu halten und zu vermitteln. „Bei solchen Matching-Aktivitäten bringen wir uns als IHK gerne mit ein“, so Helmes. Zudem forderte er aber die Politik auf, „endlich verlässliche Rahmenbedingungen für die Unternehmen schaffen“. Bürokratie müsse abgebaut, Energiepreise und Steuern international wettbewerbsfähiger werden.
IG Metall spricht von „plumpem Pannen-Plan“
„Ganz Regensburg hat mehr vom Schaeffler-Vorstand erwartet als diesen plumpen Pannen-Plan“, sagte IG-Metall-Bevollmächtigter Rico Irmischer. Die Gewerkschaft hatte am Dienstag ohnehin zu Warnstreiks vor den Standorten von Siemens, Continental und Schaeffler im Regensburger Stadtosten aufgerufen. Auch bei Conti hat die Konzernspitze kürzlich den Abbau von 350 Arbeitsplätzen verkündet. Zudem bereitet man erneut eine Abspaltung vor – eine solche war einst auch Vitesco, die schließlich von Schaeffler geschluckt wurde.
Bei der Warnstreik-Kundgebung am Dienstag stand der Kahlschlag bei dem nun fränkischen Unternehmen aber eher im Hintergrund. Schließlich befindet sich die Metall- und Elektroindustrie mitten im Tarifstreit – die geforderten sieben Prozent mehr Lohn waren das große Thema. Und doch machte sich die Nachricht des Tages bemerkbar: So hatten sich nur wenige Mitarbeitende von Schaeffler dem Ausstand angeschlossen. „Die haben heute andere Sorgen“, sagte ein Siemens-Beschäftigter.
Tatsächlich überschnitt sich die Veranstaltung, bei der die Angestellten über den Stellenabbau informiert wurden, mit dem Warnstreik. Für die Beschäftigten sei die erste Nachricht von dem Kahlschlag ein Schock gewesen, sagte Sandra Fleischmann von der Jugend- und Auszubildendenvertretung des Unternehmens. „Da ist jetzt eine große Unsicherheit bei allen Mitarbeitenden.“
Maltz-Schwarzfischer will Schaeffler kontaktieren
Die Oberbürgermeisterin sagte, derzeit sei noch nicht klar, in welchen Bereichen, mit welchem zeitlichen Horizont der Abbau erfolgen soll und ob der Personalabbau ohne betriebsbedingte Kündigungen auskomme. „Wir werden nun umgehend mit der Unternehmensführung Kontakt aufnehmen, um Details zum geplanten Arbeitsplatzabbau zu erfahren und Möglichkeiten zu diskutieren, doch noch mehr Stellen in Regensburg zu halten.“
Der Standort Regensburg erlebte mit Vitesco bereits ein Auf und Ab. Im Herbst 2021 feierte man Richtfest für ein nigelnagelneues Gebäude, das als Zentrale dienen sollte. 1000 Mitarbeiter hätten umziehen sollen. Doch dann kam die Absage: „Nachdem der Mietvertragspartner die vertraglichen Verpflichtungen nicht zeitgerecht und vollständig erfüllt hatte“, habe man entschieden, dass das „Risiko für Vitesco Technologies zu groß gewesen wäre“, hieß es im Juni 2023. Bis heute suchen die Investoren noch nach Mietern, zumindest markiert ein prominent angebrachtes Plakat an dem Gebäude dies.