Landwirtin findet toten Wolf im Landkreis Regensburg: Wurde das Raubtier angefahren?

Von Philip Hell · 4. Oktober 2024 um 18:09

Für Adelheid A. (Name geändert) war es eigentlich ein Morgen wie jeder andere. Die Betreiberin eines Hofs im nördlichen Landkreis Regensburg ging am Dienstag in ihre Halle, um Hackschnitzel vorzubereiten. Als sie zum Holzstoß bei der Halle ging, stockte ihr allerdings der Atem. Dort lag ein toter Wolf.

„Ich dachte erst, dass es ein Hund ist.“ Die Landwirtin näherte sich dem Tier. Schnell war ihr allerdings klar: Doch, das muss ein Wolf sein. „Ich musste erst mal schauen, ob er wirklich tot ist.“ Der Bauch des Tieres war aufgeplatzt, die Gedärme quollen heraus. Sie überlegte, was nun zu tun ist und rief den Jagdpächter an. Der eilte auf den Hof und stellte fest: Tatsächlich, es ist ein Wolf. Er nahm den Hof näher unter die Lupe und fand Blutspuren.

Nach Fund im Landkreis Regensburg: Wolf wird untersucht

Das Tier habe sich vermutlich mit letzter Kraft auf ihren Hof geschleppt, sagt Adelheid A. Wölfe versteckten sich schließlich, wenn sie verletzt sind. In der Dunkelheit habe das Tier wohl nicht erkannt, dass es sich bei dem Holzstoß nicht um eine Hecke oder einen Wald handelt.

Adelheid A. informierte die Behörden. In so einem Fall sind insbesondere das Landesamt für Umwelt und das Landratsamt zuständig. Der Wolf wurde abgeholt und befindet sich inzwischen in einem Labor in Berlin, wo er untersucht wird. Das Umwelt-Landesamt bestätigt den Fund auf seiner Webseite. Hier werden alle Totfunde verzeichnet. Interessant: Dort wird auch ein zweiter Fall aus der Umgebung von Regensburg erwähnt. Laut der Webseite wurde Anfang Juni ein Wolf fotografiert. Weitere Informationen zu dem Fall sind allerdings nicht bekannt. Die Untersuchung soll nun zeigen, ob der Wolf aus dem nördlichen Landkreis einen Chip getragen hat und ob man ihn einem Rudel zuordnen kann. Ein Wolf sei ihr bislang noch nie untergekommen, sagt Landwirtin Adelheid A. Angst habe sie aufgrund des Fundes allerdings keine. „Mei, es ist halt so.“ Wölfe seien schließlich ausgesprochen scheue Tiere. Wenn man sie nicht bedränge, stellten sie keine Gefahr für Spaziergänger dar. Sie selbst habe außerdem keine Nutztiere, die draußen stehen, sagt Adelheid A. „Aber natürlich gibt es in der Nachbarschaft Landwirte, die Tiere auch nachts draußen haben.“

Toter Wolf gefunden: Wurde das Tier überfahren?

Die Landwirtin bat auch Bruno Skobijn um Rat. Der Lorenzener ist passionierter Jäger und Experte für Wölfe. Er geht davon aus, dass das Tier auf der Straße angefahren wurde. Zumindest deutet er die Spuren so.

Funde direkt rund um Regensburg seien äußerst selten, sagt Skobijn zur MZ. Er selbst habe mal eines der Tiere vom Hochsitz aus beobachtet. „Das hatte auch Auswirkungen auf das Rotwild. Es war auf einmal sehr vorsichtig.“ Skobijn geht davon aus, dass die Tiere auch in der Umgebung von Regensburg durch die Nacht ziehen. „Der Wolf ist nicht so weit weg.“ Immerhin lebten Populationen der Tiere auf dem Truppenübungsplatz in Grafenwöhr (Landkreis Neustadt an der Waldnaab) oder im Bayerischen Wald.

Immer wieder sorgen Wolfsfunde in Ostbayern für Schlagzeilen: Im Februar überfuhr eine junge Frau bei Schwandorf ein Tier, als es plötzlich über die Autobahn huschte. Nur wenige Tage später wurden zwei tote Wölfe bei Nabburg (Landkreis Schwandorf) gefunden.

Damals hatte Gerhard Schmautz, Vorsitzender des Bezirksjagdverbands, im MZ-Gespräch vorhergesagt, dass es in der gesamten Oberpfalz häufiger zu Wolfssichtungen kommen wird. „Sie kommen, mit Sicherheit.“ Vor vier Jahren, so Schmautz im März, habe man bei Wörth beispielsweise über mehrere Monate zwei Rüden beobachten können. Der Bezirkjagdverband-Vorsitzende betonte, kein Feind der Tiere zu sein. „Der Wolf hat seine Berechtigung da, wo die Voraussetzungen stimmen.“

Die Tiere legen dabei große Distanzen zurück, sagt Wolf-Experte Bruno Skobijn. 40 bis 50 Kilometer in einer Nacht seien keine Seltenheit. Ob die Tiere auch in der Region Regensburg mal heimisch werden, sei allerdings schwer zu sagen. Dabei komme es auch darauf an, ob es genug zu fressen gibt.

Warnung an Hunde-Besitzer

Inzwischen gibt es auch zahlreiche Wolfs-Hybriden, sagt Skobijn. Diese entstünden, wenn sich Wölfe beispielsweise mit großen Hofhunden paaren. Die Laboruntersuchung in Berlin soll auch zeigen, ob es sich bei dem Wolf aus dem nördlichen Landkreis um einen solchen Hybriden handelt.

Wölfe seien meist erst dann gefährlich, wenn sie in die Enge getrieben werden, beispielsweise bei der Jagd. Kritisch werde es auch, wenn ein Wolf verletzt wird oder von einem Hund angegriffen wird. Skobijn ist es wichtig zu warnen: „Man sollte auf seinen Hund aufpassen.“