Experten sagen voraus, dass der Wolf bald regelmäßig im Landkreis Regensburg sein wird

Von Jürgen Scharf · 8. März 2024 um 17:00

Vor zwei Wochen wurde auf der Autobahn beim Schwandorfer Stadtteil Klardorf ein Wolf überfahren. Von dort sind es nur knapp zehn Kilometer bis zum nördlichsten Zipfel des Landkreises Regensburg. Für einen Wolf ist eine solche Entfernung praktisch nicht mehr als ein lockerer Spaziergang.

Experten sind sich deswegen sicher, dass das Raubtier in Zukunft auch öfters in die Wälder rund um Regensburg kommen – oder sich hier sogar ansiedeln wird.

Wenige Tage nach dem Vorfall in Klardorf wurde gut 20Kilometer weiter nördlich bei Nabburg noch ein zweiter Wolf überfahren. Gerhard Schmautz, Vorsitzender des Bezirksjagdverbands, sagt voraus, dass es wohl in der gesamten Oberpfalz in Zukunft immer häufiger Sichtungen von Wölfen geben wird – und damit natürlich auch im Landkreis Regensburg: „Sie kommen, mit Sicherheit.“

Durchaus kritische Haltung

Es gab im Landkreis ohnehin zuletzt schon vereinzelt Wölfe. Vor vier Jahren waren ein dreiviertel Jahr lang zwei Rüden im Hegering Wörth zu beobachten gewesen, erzählt Schmautz. Dies sei mit Aufnahmen von Wildtierkameras dokumentiert. Bald wird das aber keine Ausnahme mehr sein, ist sich Schmautz sicher: „Ich bin auf keinen Fall ein Feind des Wolfes“, sagt er – der zunehmenden Population stehe aber durchaus kritisch gegenüber.

Rund 2000 Wölfe leben in Deutschland

„Der Wolf hat seine Berechtigung da, wo die Voraussetzungen stimmen“, sagt Schmautz. In einem zumeist dicht besiedelten Land wie Deutschland sieht er die zu erwartende Ausbreitung aber als Problem. Schmautz geht davon aus, dass es hierzulande derzeit bereits etwa 2000 Wölfe gibt. Den „gesicherten Erhaltungszustand“ habe das einst so seltene Tier damit längst erreicht. Die Zeiten, in denen sich Wölfe in Deutschland höchstens irgendwo versteckt im hintersten Eck eines ehemaligen Truppenübungsplatzes aufhielten, seien jedenfalls schon lange vorbei, sagt der Experte.

Mehr zu den Wölfen im Landkreis: Schon wieder: Wolf auf der A93 bei Nabburg überfahren – Parallelen zum Fund bei Schwandorf

Gesetz zu Wölfen überaltet?

Die rechtlichen Bedingungen für den Umgang mit dem unter Schutz stehenden Wolf hält er für veraltet. Selbst bei Situationen, wo sich die Lebensräume von Mensch und Wolf kreuzen, „darf man nicht einmal was Schlechtes über ihn denken“, sagt Schmautz. Er fordert, dass die Gesetzeslage überprüft und der aktuellen Situation angepasst wird.

Fangen oder Töten eines Wolfes ist verboten

Das Landratsamt Regensburg teilt mit, dass es seit 2018 bislang drei bestätigte Wolfsnachweise im Landkreis gegeben habe. Einer habe ein Schaf gerissen, einer wurde per Foto dokumentiert und einer lag tot neben einer Bahnstrecke. Dem Landratsamt zufolge könne auch nicht ausgeschlossen werden, dass in Zukunft weitere Wölfe den Landkreis durchqueren. „Es liegen jedoch derzeit keine Anhaltspunkte vor, dass sich bereits Wölfe im Landkreisgebiet fest angesiedelt haben oder ansiedeln werden.“ Die rechtlichen Bedingungen für den Umgang mit dem Wolf seien klar, teilt die Behörde mit. Er sei ein wild lebendes Tier der besonders geschützten Art. Deswegen sei es verboten, ihm nachzustellen, es zu fangen, zu verletzen oder zu töten. Bisher habe es der Behörde zufolge im Landkreis Regensburg außer dem Fall 2018 keinen weiteren gegeben, bei dem ein Wolf einen Schaden verursacht hat. Sollte dies in Zukunft aber einmal vorkommen, greife die bayerische Wolfsverordnung. Auf deren Basis seien dann Einzelfallentscheidungen zu treffen.

Normal sehr scheues Tier

Raimund Schoberer vom Bund Naturschutz in Regensburg sagt, dass es seit der Rückkehr des Wolfes in Deutschland vor etwa 20 Jahren keinen einzigen für den Menschen gefährlichen Vorfall gegeben habe. Die Tiere würden sich dem Menschen gegenüber sehr vorsichtig und scheu verhalten.

Der Bund Naturschutz sei durch seine eigenen Beweidungsflächen – etwa am Hutberg bei Kallmünz – aber auch selbst eng mit landwirtschaftlichen Fragestellungen befasst: „Wir kennen die Sorgen rund um den Wolf, aber auch die Möglichkeiten und Grenzen eines guten Wolfsschutzes.“ Es dürfe nicht sein, sagt Schoberer, dass „ohne Not und abseits fachlicher Expertise einfach laut“ der Abschuss einer streng geschützten Art gefordert wird: „Es gibt da viele Zwischentöne.“

Was soll man machen, wenn ein Wolf kommt?

Wer wirklich einem wildlebenden Wolf begegnet, sollte nicht in Panik verfallen, sagt Schoberer. Verhaltenshinweise listet der Bund Naturschutz auf seiner Internetseite auf. Eine direkte Begegnung könne „ein ausgesprochen seltenes und schönes Erlebnis sein“, sagt Schoberer. Spaziergänger, Radfahrer, Jogger und Reiter würden die Tiere allerdings kaum zu Gesicht bekommen, denn Wölfe bemerken die Menschen meist rechtzeitig und ziehen sich dann zurück. Förster, Jäger, Pilz- und Beerensammler würden sich dagegen oft leise durch den Wald bewegen, sagt Schoberer – „und können dabei durchaus auf ruhende Tiere stoßen“.

Nahrung

Mit einer Wildkamera wurde hier einst ein Foto von einem Wolf im Hegering Wörth aufgenommen. Foto: Schmautz