Brennpunkt beim Schwammerl in Regensburg wandelt sich – Mehr Probleme in der Maxstraße

„Vor einem Jahr war es am Schlimmsten“, sagt Florian Rottke, Betreiber des Milchschwammerls in Regensburg und Stadtrat für die Brücke, über das Umfeld des Cafés. Jetzt sei es hier viel ruhiger. Hat sich die Drogendrehscheibe also verlagert?
Immerhin kamen hier im vergangenen Jahr nicht nur sehr viele Journalisten vorbei. Vor allem waren es die Polizei und die zuständigen Ämter der Stadt, die seither präsenter an dieser Stelle sind. Seit einigen Wochen prägen auch Baustelleneinrichtungen das Bild in diesem Bereich.
Verdeckte Einsätze
„Aus polizeilicher Sicht bildet das Umfeld des Hauptbahnhofes weiterhin einen Kriminalitätsschwerpunkt“, sagt Michael Zaschka, Pressesprecher beim Polizeipräsidium Oberpfalz. Hinsichtlich einer Verlagerung des Drogenmilieus nehme die Polizei derzeit lediglich vage Tendenzen wahr. In der Maximilianstraße allerdings zeige sich derzeit eine Steigerung der Fallzahlen im Vergleich zum Vorjahr.
Rottke hat weiterhin die Beobachtung gemacht, dass es nun rund um den so genannten Lokschuppen im Bereich der Zollerstraße zu mehr Drogenhandel komme. Einer seiner Stammgäste hatte kürzlich den Stadtpark als einen weiteren Ort genannt, auf den das jetzt zutrifft. „Trotz der Baustelle konnten wir bisher keine weitreichenden Verlagerungen feststellen“, sagt dagegen Marion Santl, Leiterin des Referats für Suchthilfe und Sozialpsychiatrie bei der Caritas.
Die Polizei hat das behördenübergreifende Konzept „Gemeinsam stark für Regensburg“ laut Zaschka allerdings in Reaktion auf eine mögliche Verdrängung eines Teils der relevanten Klientel aus der Parkanlage um den Hauptbahnhof auch auf die Maximilianstraße ausgeweitet. Deswegen gebe es hier nun mehr fußläufige Streifengänge. „Zudem wurden seit dem Juli 2024 eine Vielzahl an Präsenzeinsätzen durch die Polizeiinspektion Regensburg Süd mit weiteren Unterstützungskräften durchgeführt. Das Augenmerk lag dabei auf der Sichtbarkeit der Polizei und dem entsprechenden präventiven Ansatz“, erklärt er. Auch zu verdeckten Einsätzen sowie Konzepteinsätzen mit Unterstützung der Bayerischen Bereitschaftspolizei sei es gekommen. „Hierbei wurden jeweils mehrere Strafanzeigen aufgenommen und konsequent verfolgt“, erklärt Zaschka.
Santl von der Caritas sagt, dass die erhöhte Überwachung rund um die Baustelle teilweise Verunsicherung bei den Menschen schaffe, die ihren Tagesaufenthalt am Bahnhof wählen. Gleichzeitig beobachte die Caritas Suchthilfe vermehrt Konsum von illegalen Substanzen in der Öffentlichkeit. „Überwachung alleine löst weder die Suchtprobleme der Menschen, noch eine Drogenszene auf“, macht sie deutlich.
Stattdessen wünscht sich Santl eine Aufenthaltsmöglichkeit mit Sozialarbeitern für Menschen, die ansonsten ihren Tagesaufenthalt auf der Straße wählen, in direkter Bahnhofsnähe. Die Obdachlosen und Abhängigkeitserkrankten könnten so niedrigschwellig wieder Anschluss ans Hilfesystem finden. „Ebenso muss die Politik weitere Schritte in Richtung Konsumräume gehen. Das ist wichtig, um die Szene zu entzerren und Menschenleben zu retten“, fordert Santl von der Suchthilfe.
Tanztee und Lesungen
Rottke dagegen findet es schade, dass die Stelle rund um sein Schwammerl so in Verruf geraten ist. Er berichtet aber, dass hier inzwischen auch ganz anderes Publikum unterwegs sei: etwa bei einer Lesung des Theaters mit dem Thema Schwammerlgeschichte, zu der etwa 100 Gäste gekommen waren. Neben weiteren Autorenlesungen gab es vor einigen Tagen hier auch einen Tanztee mit dem Verein Swing in Regensburg – und das nicht zum ersten Mal.
Events wie diese geben dem Park in den Augen Rottkes seine Leichtigkeit, seine Beschwingtheit und seine Aufenthaltsqualität zurück. „Die Leute sollen erleben, wie der Platz einmal gedacht war“, wünscht er sich. Wer sich davon überzeugen möchte: Das nächste Mal wird am 26. Oktober während des Popkulturfestivals Push5 Gelegenheit sein. Dann gibt es hier von 14 bis 17 Uhr Musik, Gesang und Tanz mit dem Anarchist Brass Collective, dem Prosechor sowie den Djs Cardio Caro und Rik‘Rave.
