Bahnhofsumfeld: Regensburgs Brennpunkt Nummer 1 ist jetzt eine Großbaustelle

Von Heike Haala · 17. September 2024 um 10:00

Es regnet, aber das ist kein Grund für Thomas Beyer, auf seinen Doppio am Milchschwammerl zu verzichten. Auch am Montag pflegte der Mann, der das Regensburger Bahnhofsumfeld auf dem Weg in die Arbeit jeden Tag passiert, sein Espresso-Ritual. Der Bereich verändert sich.

Hier haben jetzt die Bauarbeiter das Sagen. Im westlichen Bereich vor dem gelben Gebäude klafft ein riesiges Schlammloch, das von einem Bauzaun umgrenzt ist. Lediglich eine schmale Passage führt daran vorbei. Denn das Tiefbauamt gestaltet den Platz voraussichtlich bis Mai um. Der gesamte zentrale Bahnhofsvorplatz soll laut einer Pressemitteilung der Stadt vorrangig dem Fuß- und Radverkehr vorbehalten bleiben und barrierefrei ausgestaltet werden. Zusätzlich wird er künftig den von Westen kommenden Linienbusverkehr in nördlicher Richtung zum I-ZOB aufnehmen.

Pflöcke im Park

Aber auch im Umfeld der Fürst-Anselm-Alle, die wegen der Kriminalität dort vor einem Jahr begann, bundesweit als Pilzpark Schlagzeilen zu machen, finden sich inzwischen Bauzäune und -maschinen. Die Stadt hat jetzt im wahrsten Sinne des Wortes Pflöcke eingerammt. Auf ihnen sind Begriffe wie „Kamerastandort 2“ oder „Mastleuchte 5“ zu lesen. Seit gestern baut die Stadt zwischen Bahnhofsstraße und St.-Peters-Weg eine neue Beleuchtung ein – zur Stärkung der allgemeinen Sicherheit und in Vorbereitung der durch die Polizei geplanten Videoüberwachung, wie es in einer weiteren Pressemitteilung der Verwaltung heißt.

Wie aber hat sich die Lage dort inzwischen entwickelt? Michael Zaschka, Pressesprecher am Polizeipräsidium Oberpfalz, sagt: „Wir blicken derzeit mit vorsichtigem Optimismus auf die Situation im Umfeld des Regensburger Bahnhofsbereich, wobei noch von keiner ausreichenden Entspannung der Lage geredet werden kann.“ Bei der Auswertung der Statistik zeigten sich in den relevanten Deliktsbereichen seiner Auskunft nach uneinheitliche Tendenzen im Vergleich zum Vorjahr. „Beispielsweise wurden bei den Rohheitsdelikten mit Raub- und Körperverletzungsanzeigen in den ersten drei Monaten teils sogar mehr Fälle als 2023 erfasst, sodass die erste Jahreshälfte noch eine angespannte Situation beschreibt“, sagt er.

Drogenproblematik habe sich verlagert

Im Bereich der Diebstahlsdelikte sei das Frühjahr ebenfalls noch mit teilweisen Steigerungen im Vergleich zum Vorjahr auffällig gewesen. Diese Entwicklungen haben sich laut Zaschka in letzter Zeit relativiert, wobei er betont, dass die langfristigen Tendenzen bei dem Thema noch abzuwarten bleiben.

Beyer am Milchschwammerl findet, dass die Maßnahmen dort zu spät kommen. Die Drogenproblematik habe sich verlagert, seit die Stelle so viel mediale Aufmerksamkeit bekam. Er sei dem Thema in diesem Umfeld auf jeden Fall schon länger nicht mehr begegnet. „Die sind abgewandert, aber sie sind ja nicht weg“, sagt er. Beyer wünscht sich nun eine Belebung des Bahnhofsumfelds, zu der das Milchschwammerl seiner Meinung nach schon einen großen Teil beiträgt. Allerdings könnte sich hier noch deutlich mehr rühren, findet er. Die Verkehrsberuhigung am Bahnhof hält er für Blödsinn. „Da muss man mit dem Auto hinkönnen“, ist er sich sicher.

Parkplätze weiter Thema

Dem pflichtet Kaniran Abdulrahman vom Friseur Almas gegenüber des Hauptbahnhofs bei. Er sei darauf angewiesen, dass seine Kunden vor dem Herrensalon parken können. Die Baustelle habe sich bereits als Herausforderung erwiesen. Trotz des Ventilators sei es in dem Geschäft bei der Spätsommerhitze sehr heiß geworden.

„Wir mussten die Türe aber geschlossen halten“, erklärt er. Der Friseur geht davon aus, dass der Bereich vor dem Geschäft einmal schöner wird. Allerdings sei es schon noch eine lange Zeit, bis die Arbeiten im Mai des kommenden Jahres abgeschlossen sein sollen, sagt Abdulrahman.

Pflöcke in der Erde markieren Standorte für Kameras und Laternen. Fotos: Haala