Verkehrschaos statt Vorplatz-Idyll: So schlimm steht es um den Regensburger Hauptbahnhof

Von Christian Eckl · 27. September 2024 um 17:00

Die Stadt Regensburg hat entschieden, Autos vom Hauptbahnhof eher abzuhalten – und verweist sogar auf Nachahmer wie München oder Augsburg. Dabei werden dort auch Schienen neu verlegt, die Weiterfahrt ist viel bequemer als in Regensburg. Denn dort wurde der Busbahnhof vom Bahnhofsvorplatz wegverlegt – angeblich als Übergang. Doch jetzt wird klar: Wann der Busbahnhof wirklich neu gebaut wird, steht in den Sternen. Derweil stauen sich zu Stoßzeiten die Autos.

Vor dem Regensburger Hauptbahnhof stauen sich zu Stoßzeiten die Autos. Allerdings nur auf der östlichen Seite, denn sie ist die einzige, über die der Hauptbahnhof noch direkt angefahren werden kann. Autofahrer müssen, vor allem wenn sie aus der westlichen Altstadt kommen, seit nunmehr knapp drei Jahren weite Umwege in Kauf nehmen. Ändern wollen das derzeit nur die CSU und die Brücke im Stadtrat – zuletzt fand sich keine Mehrheit. Eine „völlig sinnfreie Unterbrechung der Bahnhofstraße“, so nannten die Brücke-Stadträte zuletzt die Sperrung des Durchgangs bei der Bahnhofstraße. Jetzt also der große Umbau.

„Würden das gerne ändern“

In der CSU, die kürzlich aus der Rathaus-Koalition geworfen wurde, sorgt die Sperrung für den Durchgangsverkehr für Ärger. „Wir würden das rückgängig machen“, sagt Fraktionschef Michael Lehner. Man habe nur deshalb zugestimmt, weil die Verkehrsberuhigung an der Stelle wegen des geplanten Neubaus eines Zentralen Omnibus-Bahnhofes durchgeführt werden sollte. „Der kommt in absehbarer Zeit ohnehin nicht“, meint Lehner – ob es aber im Stadtrat eine Mehrheit dafür gebe, dass die Durchfahrt wieder erlaubt wird, das weiß Lehner auch nicht.

Ein Mitarbeiter der Bahn am Hauptbahnhof ärgert sich nicht nur über die Verkehrssituation, sondern auch über die Grünflächen: „Parkanlagen ohne Grün“ seien dies. „Der Rasen ist völlig zertrampelt, rund um das Peterskircherl schaut es nach wie vor aus wie auf einer Baustelle – ein Ende ist nicht in Sicht“, so der Regensburger Bahn-Mitarbeiter. Die Deutsche Bahn selbst hält sich aus der Sache allerdings raus. Gefragt, wie das Verkehrsunternehmen, dem der Hauptbahnhof und die Hälfte des gepflasterten Areals davor gehört, die Lage bewertet, teilt eine Sprecherin mit, alle Fragen rund um die Verkehrsberuhigung betreffen ausschließlich die Stadt. „Das gilt sowohl für die Zufahrtswege zum Hauptbahnhof als auch die Parksituation“, so die Sprecherin weiter. Doch man verweist darauf, dass andere Städte Regensburg nacheifern wollen. Denn fraglich ist ja: Welcher Bahnhof in einer Großstadt ist noch so schwer zu erreichen wie der Regensburger?

Bei der Bahn erwähnt man, dass sowohl in Augsburg, als auch in München große Plätze vor den Bahnhöfen geplant sind. Aber: Dort sollen auch die Straßenbahn-Verbindungen deutlich ausgebaut werden. In Regensburg ist das nach dem Stadtbahn-Aus einerseits und dem Interims-ZOB, der wohl zur Dauereinrichtung wird, in weite Ferne gerückt. Von Seiten der Stadt vergleicht man die Verkehrsberuhigung mit Bahnhöfen in Esslingen Nord, Kassel und Oranienburg, auch Berlin-Spandau sei beruhigt. Städte wie Konstanz würden ebenfalls planen, den Verkehr vor dem Bahnhofsareal zu beruhigen.

Stadt: Wollen das so

Bei der Stadt bestätigt man, dass nicht absehbar ist, wann der Interims-Busbahnhof verlagert und der tatsächliche Busbahnhof gebaut wird. „Das Projekt kepleR+, das die gesamte Neugestaltung des nördlichen Bahnhofsumfelds und die Errichtung des ZOB direkt am Hauptbahnhof beinhaltet, wurde im Rahmen des Investitionsprogrammes zurückgestellt“, heißt es dazu. Selbst die immer wieder ins Feld geführte Begrünung des Areals ist kein Thema: „Eine Neugestaltung der Grünflächen ist bisher noch kein Bestandteil der derzeitigen temporären Aufwertungsmaßnahmen“, heißt es weiter von der Stadt. Besser wird es also absehbar nicht.

Kommentar: Mit der Kirche ums Dorf

Darüber, dass sich die Verkehrssituation für Autofahrer in Regensburg in den vergangenen Jahren drastisch verschlechtert hat, gibt es sicher keine zwei Meinungen. Darüber, dass eine Verkehrsberuhigung und Begrünung ausgerechnet für einem Hauptbahnhof sinnvoll sein kann, schon. Denn immerhin ist man in der Regensburger Stadtspitze offenbar der Meinung, es sei eine gute Idee, Senioren, die mit dem Zug anreisen, ein Stück weit zu Bussen und Taxen laufen zu lassen.

Bahnhöfe sollen ein ganz wichtiger Teil der Verkehrswende sein. Die letzten Kilometer treten Reisende aber doch oft mit dem Auto an. Die Verkehrssituation am Hauptbahnhof ist schlicht und ergreifend eine Katastrophe. Wer schonmal Sonntagabend auf einen Reisenden gewartet hat, der weiß das: Schnell bildet sich ein Stau, die Parkplätze reichen hinten und vorne nicht. Auf einem Parkplatz hat die Bahn auch noch ein Bankerl gestellt. Die Verkehrssituation vor dem Bahnhof ist sinnbildlich dafür, woran es in Regensburg harkt: Gut gemeint ist oft sehr schlecht gemacht. Dass sich die Stadt mit Esslingen Nord und Oranienburg vergleicht, sagt viel aus. Das Areal ist nur noch Stückwerk – ein Schandfleck statt eines würdigen Entrées.

Statt zusätzlicher, dringend benötigter Parkplätze hat man eine Parkbank aufgestellt.
So sieht die Grünfläche zwischen Interims-ZOB und Hauptbahnhof derzeit aus.