Polizei spricht Tacheles: Kriminalität am Regensburger Bahnhof steigt sprunghaft an

Von Philip Hell · 14. März 2024 um 21:53

Die Sicherheit rund um den Bahnhof beschäftigt seit Wochen zahlreiche Regensburger. Am Donnerstag berichtete die Polizei im Verwaltungsausschuss des Stadtrates über die Situation vor Ort. Dabei nannten die Beamten auch Zahlen.

Der Oberpfälzer Polizeipräsident Thomas Schöniger betonte, dass bei der Bevölkerung ein Gefühl der Verunsicherung bestehe. „Wir haben seit Sommer letzten Jahres eine andere Situation. Die Sicherheitslage hat sich verschärft.“ Die Polizei verzeichne zum Teil deutlich mehr Straftaten. Das sei unteranderem auch auf Migranten aus Tunesien zurückzuführen, sagte der Polizeipräsident. Er betonte: „Diese Zustände können wir so nicht hinnehmen.“

Schönigers Stellvertreter Robert Fuchs untermalte die Sicherheitsproblematik mit Zahlen. Aus diesen geht hervor, dass die Straftaten im Bahnhofsumfeld 2023 im Vergleich zum vorangegangenen Jahr 2022 um rund 40 Prozent gestiegen sind. Rohheitsdelikte sind ebenfalls sprunghaft angewachsen im vergangenen Jahr. Das sind Straftaten wie Körperverletzungen oder Raub. Die Polizei hat laut Fuchs mehrere konkrete Brennpunkte am Bahnhof ausgemacht. Diese sind am Obelisken, am Schwammerl, am Keplerdenkmal, am Interims-ZOB und im Hauptbahnhof selbst.

Zahlen schnellen in die Höhe

Die Polizei sei dabei mit einer Reihe von Phänomenen konfrontiert, sagte Fuchs. Das sei zum einen der Ladendiebstahl, dieser ging leicht zurück – dabei ist allerdings der Bahnhof selbst nicht mit einberechnet. Die Zahl der Betäubungsmitteldelikte hat sich indes beinahe verdoppelt. Polizeivizepräsident Fuchs sprach von einer offenen Szene am Bahnhof. Dort werde „offensiv“ mit Drogen gehandelt. „Wir haben hier Banden.“ Die Täter nutzten darüber hinaus Waffen, „um den Handel abzusichern.“ Körperverletzungsdelikte sind ebenfalls deutlich gestiegen. Die Polizei begleite diese Entwicklung sehr eng, betonte Fuchs.

Die Zahl der Sexualdelikte im Bahnhofsbereich wuchs im vergangenen Jahr um mehr als 100 Prozent. Diese Taten im öffentlichen Raum „machen uns sehr besorgt“, betonte Fuchs. „In dieser Ausprägung, in dieser Qualität ist das für uns neu.“ Zum Teil seien auch Schulkinder unter den Opfern. Die Polizei verzeichnete Fälle von sexueller Belästigung, Betatschen und auch Vergewaltigungen. Ein Großteil der Sexualdelikte finde in „problematischen Milieus“ statt. Es gebe ein Problem mit Beschaffungsprostitution.

Schockierende Bilder auf der Leinwand

Der Polizeivizepräsident zeigte in seiner Präsentation vor dem Ausschuss auch Bilder von Überwachungskameras. Die Aufnahmen waren durchaus schockierend. Es war zu sehen, wie ein junger Mann mit einem Messer auf einen am Boden liegenden Mann losgeht. Ein anderes Bild wurde am Bussteig in der Albertstraße aufgenommen. Es zeigt einen Mann, der mit einem Messer in der Hand eine Frau attackiert, die laut Fuchs einen Streit schlichten wollte. Die Frau wurde im Gesicht verletzt. Auch dieses Bild war gepixelt zu sehen. „Das sind keine Einzelfälle“, betonte Fuchs. Das sei mit ein Grund für die Polizei, die Videoüberwachung im Bahnhofsumfeld auszubauen. Künftig sollen weitere Kameras in der Bahnhofsstraße, der Albertstraße, am Obelisken, am Schwammerl, am Keplerdenkmal und an der Predigersäule hängen. Wann diese kommen, wurde gestern nicht klar.

Fuchs ging ebenfalls auf die Tätergruppe der Tunesier ein. Diese stellten rund 0,14 Prozent der Regensburger Bevölkerung , seien aber für deutlich mehr als zehn Prozent der gesamten Straftaten im Stadtgebiet verantwortlich.

Der Polizeivizepräsident betonte: „Wir haben Maßnahmen ergriffen.“ Es gebe einen breiten Schulterschluss verschiedenster Behörden – wozu auch die Stadt Regensburg zähle.

Maßnahmen werden geprüft

Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) berichtete von Maßnahmen der Stadt. Die Kommune will unteranderem dafür sorgen, dass mehr Beleuchtung im Park kommt – das müsse allerdings erst mit Naturschutzbehörden abgesprochen werden. Zudem will die Stadt künftig verstärkt dornige Pflanzen setzen, da Drogendealer ihr Rauschgift zum Teil im Gebüsch bunkern. Daneben habe man inzwischen zwölf Betretungsverbote ausgesprochen. Zudem sei der Kommunale Ordnungsservice (KOS) verstärkt im Einsatz. Bänke am Bahnhof sollen in Zukunft fest verankert werden. Die Stadt prüft darüber hinaus die Einführung von Frauen-Taxis. Wann diese kommen sollen, steht allerdings noch nicht fest. Auch ein Heimweg-Telefon soll womöglich eingeführt werden. Zudem wird eine weitere Notrufsäule am Obelisken installiert. Nicht zuletzt soll der Bahnhofsvorplatz umgestaltet werden.

Im Anschluss folgte eine ausgedehnte Diskussion im Ausschuss. CSU-Stadträtin Dagmar Schmidl begrüßte den Ausbau der Videoüberwachung. Grünen-Fraktionschef Daniel Gaittet betonte, dass es hilfreich gewesen wäre, früher belastbare Zahlen öffentlich zu machen, um die Diskussion zu versachlichen. Thomas Burger, Vorsitzender der SPD-Fraktion, sagte: „Das oberste Ziel muss sein, dass niemand in Regensburg Angst haben muss, sich irgendwo aufzuhalten.“ Der CSU-Fraktionsvorsitzende Michael Lehner sprach von einem „deutlichen Anstieg“ der Kriminalität im Bahnhofsumfeld. Er dankte der Polizei für ihren Einsatz.