Bürger beklagen fehlende Geschäfte: Braucht Windischbergerdorf einen Supermarkt?

Von David Salimi · 30. September 2024 um 15:05

Braucht Windischbergerdorf einen eigenen Lebensmittelmarkt? Ja, sagt zumindest Karl Roider, der direkt im Chamer Stadtteil lebt und als Anwohner nicht nur die Nöte der Windischbergerdorfer selbst, sondern auch die der Patienten der Bayerwald-Klinik im Ort kennt, wenn es darum geht, sich fußläufig mit dem Nötigsten zu versorgen.

Im Gespräch mit unserer Zeitung schildert Roider die Gründe, die für die Ansiedlung eines Marktes im Stadtteil zwischen Cham-Ost und Kothmaißling sprechen. Zum einen habe Windischbergerdorf einige neue Baugebiete ausgewiesen bekommen, die für regen Zuwachs an neuen Dorfbewohnern sorgen. Daneben gibt es laut Roider viele ältere Leute aus Windischbergerdorf, die „sich gerne Einkaufsmöglichkeiten in unserem schönen Dorf wünschen“, erklärt er.

Gäste fragen oft nach

Und dann seien da noch Urlauber und Feriengäste, die oft verzweifelt nach Einkaufsmöglichkeiten vor Ort suchten. „Man wird von Gästen sehr oft angesprochen, wo es etwas zu kaufen gibt, wie beispielsweise Obst oder Toilettenartikel“, berichtet der Windischbergerdorfer. Beinahe täglich würden ihn Leute, die nicht ortskundig sind, nach der nächsten Einkaufsmöglichkeit fragen. Immerhin ist das Dorf seit der Schließung des 24/7-Automatenshops der Familie Kollmer völlig ohne Nahversorgung.

Wesentlich für seine Forderung ist jedoch die ansässige Bayerwald-Klinik, wie der Chamer Stadtteilbürger bekräftigt. „Unsere Kurgäste der Bayerwald-Klinik, die teilweise nicht recht mobil sind, können ohne Auto keine Besorgungen machen – ihnen bleibt nur die Fahrt nach Cham“, gibt er zu bedenken. Zumal eine Autofahrt zum nächstgelegenen Lebensmittelmarkt im Chamer Osten nach schweren Operationen für diese gar nicht möglich sei.

Roider wirft auch gleich potenzielle Standorte für ein neues Lebensmittelgeschäft in Windischbergerdorf in den Raum, darunter „der große Dorfplatz, der so gut wie gar nicht genutzt wird“. Nachdem auch das Café Drexler geschlossen hat, gebe es direkt in Windischbergerdorf zudem keinen Treffpunkt mehr für die Dorfbewohner.

Anfragen bei den Stadträten sind laut Roider bislang ins Leere gelaufen. „Es heißt immer nur, dass wir ja sowieso in Stadtnähe liegen“, berichtet er und verweist dabei auf Orte mit ähnlich geringer Distanz nach Cham, die jedoch sogar zwei Supermärkte vor Ort hätten. Roider zählt etwa Willmering mit seinen zwei Discountern und Wilting, das neben einem Discountmarkt schon bald einen zweiten Lebensmittelmarkt bekommen soll, auf. „Diese Orte sind auch in Stadtnähe“, wirft Roider ein. Dabei würden von einem Lebensmittelmarkt in Windischbergerdorf auch die umliegenden Dörfer wie Kammerdorf, Kothmaißling oder Schlammering profitieren, argumentiert er.

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„Nicht ganz neu“ ist das Thema für Bürgermeister Martin Stoiber, der Verständnis für die Windischbergerdorfer aufbringt. „Natürlich wünscht sich jeder eine gute Lebensmittelversorgung vor Ort“, sagt er und fügt an: „Wenn sich die Möglichkeit dazu ergibt, unterstützen wir von der Stadt das natürlich gerne“.

Verständnis für Bewohner

Die Krux an der Sache: Die Lebensmittelkonzerne stellten bestimmte Anforderungen an einen neuen Standort. Parkplätze, Verkaufsfläche und nicht zuletzt das Einzugsgebiet – all das fließe in die Bewertung einer neuen Niederlassung mit ein. Stoiber erinnert sich etwa an die Suche nach einem Nachfolger für die Fläche des ehemaligen Edeka-Supermarktes der Familie Allescher in Cham-West. Dennoch: Vonseiten der Stadt stehe man dem Thema offen gegenüber.

Selbiges betrifft die ortsansässigen Stadträte, wie etwa Oliver Schulz. „Ich bin der Erste, der so ein Projekt unterstützen würde“, sagt er. Auch er würde sich eine wohnortnahe Einkaufsmöglichkeit wünschen. „Als ich ein Bub war, hatten wir noch fünf Läden im Dorf“, erinnert er sich. Dennoch sieht auch er keine allzu großen Chancen, dass sich einer der namhaften Filialisten hier ansiedelt. Aus Sicht der großen Handelsriesen liege Windischbergerdorf zu nahe an den nächstgelegenen Einkaufsorten Cham und Willmering. Zudem verfüge der Ort über kein überörtliches Straßennetz, wie etwa in Willmering oder Weiding durch die vorbeilaufenden Bundesstraßen der Fall sei.

Dennoch kündigt Schulz an, sich mit den anderen Stadträten in der Sache zu beraten und gegebenenfalls bei namhaften Ketten anzufragen. Bis dahin bleibt den Windischbergerdorfern wohl nur eins übrig: hoffen auf ein Wunder.

Im 24/7-Verkaufsshop an der Hauptstraße in Windischbergerdorf sind die Lichter mittlerweile ausgegangen. Der Container wurde inzwischen abtransportiert. Foto: Tanja Fenzl/Archiv