Wenn’s um die Wurst geht: Supermärkte im Kreis Cham ringen um Personal für Fleischtheken

Fleischbedientheken sind das Herzstück eines jeden größeren Vollsortimenter-Supermarktes. Dennoch droht in vielen Supermärkten der Bedientheke aufgrund des grassierenden Personalmangels das Aus. Auch viele der Betreiber im Landkreis Cham ächzen unter dem anhaltenden Fachkräftemangel und bangen um den Erhalt ihres Frischeangebotes.
Markus Aschenbrenner, Betreiber des gleichnamigen Edeka-Supermarktes in Lam, kennt die Leiden seiner Branchenkollegen. Davon betroffen ist er dennoch momentan nicht – zumindest noch nicht. Als einer von wenigen könne er seit Jahren auf erfahrenes Personal in seinem Markt zurückgreifen. „Wir haben schon immer in der Metzgerei ausgebildet“, sagt Aschenbrenner. Dieses Personal sei ihm über die Jahre bis heute treu geblieben.
Düstere Zukunftsprognose
Hinzu komme, dass sich auch unter seinem Kassenpersonal ausgebildete Metzgereifachleute befinden. So konnte der Kaufmann etwa die Personalengpässe während der Corona-Pandemie intern flexibel auffangen.
Dennoch sieht Aschenbrenner mit Sorge in die Zukunft. Zwar verfüge er momentan noch über genügend ausgebildetes Personal in seinem Supermarkt. Aber: „Die Zukunft wird in der Hinsicht mit Sicherheit nicht rosig“, gibt er zu bedenken, wenngleich die Lage im ländlichen Raum seiner Einschätzung nach noch nicht ganz so schlimm ist.
Für die Zukunft prognostiziert Aschenbrenner wegen des fehlenden Nachwuchses einen Rückgang der Frischetheken. „Auf längere Sicht ist die Bedientheke nicht zu halten“, glaubt er. Stattdessen werde der Selbstbedienungsbereich seiner Einschätzung nach mit Sicherheit künftig mehr an Bedeutung gewinnen.
Immer weniger werdende Konkurrenz
Dabei mangelt es keinesfalls an der Nachfrage der Kunden, wie der Kaufmann betont. „Die Leute legen durchaus Wert auf die Waren aus der Bedientheke“, sagt er. Viele seiner Kunden in Lam seien Stammkunden, die „wissen, was sie bei uns bekommen“, erzählt er. Hinzu komme die immer weniger werdende Konkurrenz durch zunehmende Schließungen kleinerer Metzgereien auf dem Land.
Etwas schwieriger gestaltet sich die Lage indes für Stefan Segerer. Er betreibt in Bad Kötzting den Edeka-Supermarkt an der Westumgehung. „Momentan schaffen wir es gerade noch, dass wir mit dem vorhandenen Personal den Bedarf abdecken können“, berichtet er. Für den Fall, dass sich die Lage weiter zuspitzt, erwägt der Kaufmann, die Öffnungszeiten seiner Bedientheke zumindest einzuschränken. Dass Not erfinderisch macht, zeigen Edeka-Händler andernorts in Deutschland. Mangels Personal setzen sie beispielsweise auf flexiblere Ladenbaukonzepte. Durch diese sollen Waren auch zur Selbstbedienung angeboten werden. Das berichtet etwa die Lebensmittel Zeitung.
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Dabei ist die Bedientheke auch für den Markt in Bad Kötzting von großer Bedeutung. Laut Segerer macht diese einen Großteil des Umsatzes aus, denn „sie ist das, was uns von von den Discountern abgrenzt“, betont der selbstständige Kaufmann, der nicht nur Waren der hausinternen Eigenmarke von Edeka, sondern auch Fleisch- und Wurstwaren regionaler Anbieter im Sortiment hat.
Bemühungen, neue Auszubildende zum Fachverkäufer mit Schwerpunkt Fleischerei zu gewinnen, sind für Segerer bislang ins Leere gelaufen. „Warum das keiner machen möchte, ist mir ein Rätsel“, sagt er ganz offen. Dabei ist Segerer mit diesem Problem keinesfalls alleine, denn deutschlandweit entscheiden sich immer weniger junge Menschen für eine Ausbildung im Metzgerhandwerk, worunter auch der Beruf des Fleischerei-Fachverkäufers fällt.
Bedientheke in Miltach teilweise geschlossen
Den Schritt zur tageweisen Schließung der Fleischtheke hat Tim Welter vom gleichnamigen Edeka-Supermarkt in Miltach bereits hinter sich. „Wir haben die Öffnungszeiten unserer Frischetheke bereits des Öfteren reduzieren müssen“, erzählt er. Aktuell bleibt die Auslage an zwei Nachmittagen in der Woche leer. Wie lange das der Fall sein wird, ist momentan noch unklar. „Langfristig ist natürlich das Ziel, dass die Bedientheke bestehen bleibt“, betont er.
Eine ähnliche Lösung hat Magdalena Haberl von der gleichnamigen Metzgerei mit angegliedertem Nahkauf-Supermarkt in der Chamer Innenstadt gewählt. „Wir haben uns dazu entschlossen, mittwochnachmittags die Metzgereiabteilung zu schließen“, erzählt sie. Das sei ein umsatzschwächerer Zeitraum. Da eigne sich eine Schließung, um eine zu hohe Belastung der Mitarbeiter zu vermeiden. „Noch vor zwei Jahren war einzig der Personalmangel der Grund für die Schließung mittwochs“, betont sie gleichzeitig.
Kaum neue Bewerbungen
Anders als in vielen größeren Supermärkten komme eine komplette Schließung der Bedientheke für die Ladeninhaberin jedoch keinesfalls infrage: „Die Theke ist nicht wegzudenken, weil sie das ist, was uns beim Haberl ausmacht“, erklärt die Geschäftsinhaberin, die inzwischen einige Quereinsteiger beschäftigt. „Eine gelernte Metzgereifachverkäuferin zu finden, ist mittlerweile ein Glücksgriff“, sagt sie.
Eine Entwicklung, die auch Markus Aschenbrenner in Lam seit Jahren beobachtet. Zwar könne er auf seine langjährigen Mitarbeiter setzen, „neue Bewerbungen kommen allerdings keine nach“, erzählt er. Und dass Berufe im Metzgerhandwerk bei den jungen Menschen heutzutage nicht mehr hoch im Kurs stehen, habe er bereits bei seinen Besuchen im Rahmen der Berufswahlvorbereitung in Schulen im Landkreis feststellen können. Ein Beleg für diese Entwicklung sind nicht zuletzt die 4600 freien Stellen, die der Edeka-Konzern in seinem Stellenportal aktuell ausgeschrieben hat.