Keine weiteren Tortellini-Fälle im Kreis Schwandorf – Erster Italiener streicht sie trotzdem von der Karte

Die Aufklärung im Tortellini-Fall läuft weiter auf Hochtouren. Und offenbar können sich die Ermittler bei ihrer Arbeit ausschließlich auf eine Pizzeria konzentrieren. Denn weitere Fälle in anderen Restaurants im Landkreis Schwandorf sind bis dato nicht aufgetreten, wie Recherchen der MZ ergaben.
Wie berichtet, klagten mehrere Gäste eines italienischen Lokals in der Region nach ihren Tortellini-Gerichten über Übelkeit und Erbrechen. Zwei Frauen mussten anschließend stationär behandelt werden. Eine davon, eine 46-Jährige, starb wenige Tage nach dem Gaststättenbesuch im Krankenhaus. Der betroffene Restaurantbesitzer hat seit Bekanntwerden des Falls sein Lokal geschlossen.
Staatsanwaltschaft ermittelt nach Todesfall im Kreis Schwandorf
Bisher ist aber unklar, ob es einen Zusammenhang zwischen dem Verzehr der Tortellini und dem Tod der Frau gibt. Das betonte bereits kurz nach Bekanntwerden des Falls auch Oberstaatsanwalt Tobias Kinzler, dessen Behörde Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung eingeleitet hat.
Um weitere Schlüsse ziehen zu können, warten die Ermittler nun vor allem auf die Untersuchungsergebnisse des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL). Diese sollen bis zum Wochenende vorliegen. Bestätigen die Auswertungen der Lebensmittelproben den Anfangsverdacht, dass die Tortellini mit dem Bakterium Bacillus cereus kontaminiert waren? Denn so soll es in den Ermittlungsakten stehen, wie unserer Zeitung erfahren hat.
Lebensmittelexperte Dr. Andreas Kneißler aus Burglengenfeld hatte in einem Interview den Bacillus cereus als eine von mehreren möglichen Ursachen benannt. Der Erreger könne zwei verschiedene Toxine, also Giftstoffe, bilden. „Diese Stoffe können zu Durchfall oder Erbrechen führen. Die Toxine, die der Bacillus bildet, sind übrigens hitzestabil“, so der Fachmann.
Das Entsetzen in der Gastrobranche ist groß
Wo und wie es zur möglichen Verunreinigung der Nudeln kam, sollen ebenso die Ermittlungen ergeben. Landratsamtssprecher Manuel Lischka erklärte derweil gegenüber der MZ, dass im Landkreis keine weiteren Gesundheitsbeschwerden nach dem Verzehr von Tortellini aufgetreten seien. Das Entsetzen in der Branche über den einen Vorfall ist dennoch groß.
„So etwas mag man sich gar nicht vorstellen“, „Wir sind schockiert“ oder „Das ist extrem brutal“, so lauten die Kommentare von Gaststättenbetreibern, die mit unserer Zeitung sprachen. Sie alle sind ratlos, wie das passieren konnte. Gleichzeitig gibt es von den Kollegen viel Empathie und Mitgefühl für den Inhaber der betroffenen Pizzeria. „Wir bedauern den Vorfall sehr“, sagte beispielsweise ein befreundeter Kollege.
Die Betreiber italienischer Restaurants im Landkreis gehen unterschiedlich mit dem Vorfall um. Während ein Lokalbesitzer aus Angst gleich alle Tortellini-Gerichte von der Speisekarte nahm, bieten andere weiterhin diese Pasta-Variante an und begründen dies auch. „Ich kaufe meine Ware bei einem Großhändler meines Vertrauens“, erklärt Angela Suma, die Inhaberin der Schwandorfer Pizzeria Bella Italia. Sie wisse genau, wo ihre Produkte herkämen, die immer frisch seien, sagt sie.
Auch die anderen Befragten beziehen ihre Tortellini von einem Großhändler. „Ich kaufe nur gute Ware ein“, so ein weiterer Lokalbetreiber, der wie die meisten Befragten anonym bleiben möchte. Er versuche immer, das Beste für seine Gäste zu bekommen.
Lediglich Imad Cheikho von der Cheikho’s Lounge in Burglengenfeld gab unter den Befragten an, seine Tortellini gelegentlich selbst herzustellen. Doch in der Regel gebe es auch bei ihm Pasta vom Großhändler.
In Cheikho’s Lounge in Burglengenfeld liegt Probierlöffel bereit
Cheikho äußert sich überzeugt, dass man als Gastronom schlechte Ware durchaus erkennen könne. Zudem sollte der Koch die Speisen schon auch probieren, vor allem Soßen, sagt er. Darum habe er persönlich immer einen Probierlöffel in der Küche liegen. Und Ciro Pugliese, der Geschäftsführer der Pizzeria „Bella Italia“ in Maxhütte-Verau, ergänzt: „Bei mir wird die Ware bei Anlieferung immer kontrolliert.“
Nach Bekanntwerden der Vorfälle seien ihre Gäste nur kurz verunsichert gewesen, sagen die Gastronomen übereinstimmend. Inzwischen sei ihr Essverhalten wieder ganz normal. Auch Tortellini-Gerichte würden weiter bestellt werden, sofern diese auf der Speisekarte stehen.
