Tod nach Restaurantbesuch im Landkreis Schwandorf wirft Fragen auf – Staatsanwaltschaft ermittelt

Drei Frauen aus dem Landkreis Schwandorf klagten über Erbrechen und Unwohlsein nach einem Besuch einer Pizzeria in der Region. Eine davon starb kurze Zeit später. Der Betreiber sieht sich nun Ermittlungen ausgesetzt und hat seine Gaststätte vorerst geschlossen. Auffällig: Alle Betroffenen hatten in dem Lokal Tortellini gegessen.
Für eine 46-Jährige und ihre 48 Jahre alte Arbeitskollegin sollte es ein schöner Samstagabend werden. Am 7. September hatten sie einen Tisch in dem Restaurant reserviert, das sie zum ersten Mal gemeinsam besuchten. Die 46-Jährige postete begeistert auf Facebook sogar die Speisekarte der Pizzeria und wenig später ihr Gericht: Tortellini mit Schinken-Käse-Sahne-Soße. „Yam yammy“, schrieb die Frau dazu. Ihre Begleiterin wählte nach eigenen Worten ebenfalls Tortellini, jedoch mit Hackfleisch.
48-Jährige musste sich schon bei Heimfahrt übergeben
Doch bereits kurz nach Verlassen des Restaurants verschlechterte sich offenbar der Gesundheitszustand der beiden Frauen. Die 48-Jährige berichtete im Gespräch mit unserer Zeitung, dass sie sich bereits während der Heimfahrt übergeben musste. „Ich habe alles rausgebrochen, und das war mein Glück“, sagte die Frau. Zuhause habe sie dann noch stundenlang auf der Toilette gesessen.
Auch ihrer Freundin ging es nicht gut. Am Folgetag verständigten sie den Rettungsdienst. Die Frauen wurden in ein Klinikum gebracht und dort in einem Zimmer isoliert. Die 46-Jährige informierte darüber auch wieder ihre Facebook-Freunde. Am 9. September stellte sie ein Bild von ihrem Krankenhausessen ins Netz. Auf Nachfrage, was ihr denn fehle, schrieb die 46-Jährige: „Das Essen ist uns nicht bekommen.“ Sie habe eine Lebensmittelvergiftung.
Der Zustand der 46-Jährigen verschlechterte sich immer weiter. Am Abend des 10. Septembers, also drei Tage nach dem Restaurantbesuch, verstarb sie schließlich. Anschließend fand eine Obduktion des Leichnams statt.
Ermittlungen auch wegen fahrlässiger Tötung
Wie Oberstaatsanwalt Tobias Kinzler auf Anfrage unserer Zeitung informierte, habe man im Anschluss an die Maßnahme ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung eingeleitet. Ob es einen Zusammenhang zwischen dem Verzehr der Tortellini und dem Tod der Frau gibt, sei Gegenstand der Ermittlungen, erklärte Kinzler.
Die 48-Jährige wurde indes wenige Stunden vor dem Tod ihrer Freundin aus der Klinik entlassen. Auf einem Attest, das die 48-Jährige unserer Zeitung vorlegte, steht der Vermerk: Verdacht auf akute Gastroenteritis, auch als Magenschleimhautentzündung bekannt. „Ich bin sprachlos über die Vorgänge. Das Restaurant sollte nie wieder eröffnen dürfen“, sagte die Frau.
In eine ähnliche Kerbe schlägt eine 45-Jährige aus dem Landkreis Schwandorf. Sie war am 6. September mit ihrem Lebensgefährten in derselben Pizzeria. Auch sie bestellte sich Tortellini und klagte nach eigenen Worten zwei Stunden später über starkes Erbrechen, das die ganze Nacht angehalten haben soll. Sie habe nur fünf Tortellini gegessen und den Rest zurückgehen lassen. „Es hat nicht schlecht geschmeckt, aber irgendwie wollte ich es nicht mehr essen. Ich möchte nicht wissen, wie es mir ergangen wäre, wenn ich die ganze Portion gegessen hätte“, erklärte die Frau. Für sie stehe nach dem Vorfall fest, dass sie das Restaurant auf keinen Fall mehr aufsuchen werde.
Ob sie dazu in naher Zukunft überhaupt die Möglichkeit hätte, ist offen. Denn nach Bekanntwerden der Vorfälle hat der Betreiber selbst die Reißleine gezogen und sein Lokal dicht gemacht. Zu diesem Schritt hatte ihm nach Informationen unserer Zeitung auch das Landratsamt geraten.
Landkreissprecher Manuel Lischka bestätigte auf Anfrage, dass es in der betroffenen Pizzeria schon in der Vergangenheit Hygieneverstöße gegeben habe − wenn auch „nichts Gravierendes“, so Lischka.
Landratsamt Schwandorf wartet auf Ergebnisse der Proben
Seit Bekanntwerden des neuesten Vorfalls würde die Lebensmittelüberwachung am Landratsamt „Ermittlungen zum Sachverhalt“ durchführen, so der Landkreissprecher weiter. Man habe Beprobungen der Lebensmittel vorgenommen. „Endgültige Ergebnisse liegen noch nicht vor. Die Polizei wurde über den Sachverhalt informiert“, erklärte Lischka.
Polizeioberkommissarin Anna Beyer vom Polizeipräsidium Oberpfalz bestätigte dies. Die Kriminialpolizei sei in den Fall involviert. „Es laufen weitere Abklärungen“, hielt sich die Polizeisprecherin bedeckt.
Auf Anfrage der MZ verwies der Betreiber des italienischen Restaurants an seinen Rechtsanwalt Philipp Pruy aus Regensburg. Dieser bestätigte, mandatiert zu sein. Nach aktuellem Stand könne er jedoch keine näheren Auskünfte geben. „Die Annahme eines gesicherten Zusammenhangs wäre zum jetzigen Zeitpunkt reine Spekulation“, teilte Pruy mit.
