„Projekt ist nicht gestorben“: Neue Hoffnung auf Hochwasserschutz für Roding-Mitterdorf

Am Wochenende gingen angesichts des Dauerregens wieder viele bange Blicke in Mitterdorf (Landkreis Cham) aus Angst vor Überflutungen auf den Regen. Der Hochwasserschutz für den Rodinger Ortsteil schien, obwohl schon viele Vorleistungen erbracht wurden und die Planung sehr weit war, gestoppt.
Doch nun machte Regierungspräsident Walter Jonas bei der Einweihung der Geh- und Radwegbrücke am Freitagnachmittag neue Hoffnung für die Umsetzung des Millionenprojekts: „Ich kann nichts versprechen, aber es wird sich ein Weg finden“, sagte er.
„Positiv überrascht“ sei sie von den Aussagen des Regierungspräsidenten gewesen, berichtet Bürgermeisterin Alexandra Riedl. Zwar habe die Stadt im Hintergrund stets daran gearbeitet, dass das Projekt doch noch einigermaßen zeitnah umgesetzt werde, die Aussagen von Seiten des Wasserwirtschaftsamtes und der Staatsregierung waren aber eindeutig: Es sei kein Geld da, die Maßnahme wäre in der Priorisierung nach hinten gerutscht.
Daran habe sich seit der Stadtratsitzung im Januar im Gasthaus Hecht mit Vertretern des Wasserwirtschaftsamtes, die für viel Frust bei den Anwohnern sorgte, nichts geändert.
„Auf Planung aufbauen“
Nun sagte Jonas aber auf der Brücke, die ursprünglich im Vorgriff für den Hochwasserschutz gebaut worden ist, dass die Planungen zwar gestoppt seien, dies heiße aber nicht, dass sie gestorben sind. „Es gilt, die bestehenden Planungen aufzugreifen und darauf aufzubauen“, erläuterte der Regierungspräsident. Angesichts des Klimawandels und seiner Folgen sei der Hochwasserschutz immer wichtiger, betonte er.
Es gelte, Möglichkeiten zu finden, wie die Maßnahme wirtschaftlicher abgewickelt werden könne. Terminabsprachen zwischen der Stadt Roding und dem Wasserwirtschaftsamt Regensburg und dessen neuem Leiter in dieser Beziehung würden bereits laufen. Der Kommune empfahl er, „weiter mutig zu sein“.
Auch Landrat und Bezirkstagspräsident Franz Löffler sagte bei der Brückeneinweihung, es gelte „gemeinsam am Thema Hochwasserschutz in Mitterdorf dranzubleiben.“
„Verstärkt Gespräch suchen“
„Wir werden jetzt verstärkt das Gespräch mit dem Wasserwirtschaftsamt suchen“, bestätigte Riedl, die nun wieder ein wenig Hoffnung hat, dass die Mitterdorfer künftig nicht mehr besorgt sein müssten, wenn es stärker regnet.
Um die Sicherheit der Anwohner zu gewährleisten und angesichts der vielen Vorleistungen sowie Planungen, die erfolgt seien, war es aus Sicht der Stadt ohnehin schwer verständlich, dass die Maßnahme auf unbestimmte Zeit gestoppt wurde. „Wir werden auf jeden Fall dran bleiben“, verspricht die Bürgermeisterin.
Hochwasserschutz in Mitterdorf: Eine Chronologie
November 2015: Hochwasserschutz und Städtebauförderung sollen auch in Mitterdorf wie in Roding als gemeinsames Projekt verwirklicht werden. Markantester Teil wird eine Brücke für Fußgänger und Radler zwischen Esper und dem Ortsteil sein. Die Gesamtmaßnahme soll laut ersten Schätzungen vier Millionen Euro kosten.
Februar 2016: Da die Mitterdorfer fürchten, dass sie durch den Hochwasserschutz in Roding noch stärker als bisher in Mitleidenschaft gezogen werden, möchte die Stadt rasch handeln. Die Verwirklichung des Projekts steht für 2018 und 2019 im Investitionsplan.
Juli 2016: Bei einem Festakt wird die Fertigstellung der Maßnahme in Roding gefeiert.
August 2017: Die Anwohner in Mitterdorf müssen sich noch gedulden, denn die Planungen befinden sich erst im Anfangsstadium. Zwar stehe der Vorentwurf kurz vor dem Abschluss, der mögliche Baustart sei aber noch völlig offen, heißt es vom Wasserwirtschaftsamt.
Februar 2018: Alfons Lerch vom Wasserwirtschaftsamt und Bürgermeister Franz Reichold erklären, dass der Ortsteil spätestens 2023 sicher vor den Fluten seien. Die Regierung der Oberpfalz hat der Fortführung der Planungen zugestimmt.
August 2018: Der Brückenschlag soll aus städtebaulicher Sicht Dreh- und Angelpunkt für das Gesamtprojekt werden. Dafür wird ein europaweiter Ideenwettbewerb ausgelobt.
März 2019: Die Jury des Wettbewerbs entscheidet sich für das Modell des Büros DKFS Architects aus London. Elf Entwürfe waren eingegangen.
Juli 2020: Der Brückenschlag vom Esper nach Mitterdorf gilt als Einstieg in den Hochwasserschutz. Doch Corona hat die (Zeit-)Pläne ins Wanken gebracht.
März 2021: Vor Ort stellen Bürgermeisterin Alexandra Riedl und Alfons Lerch die aktuellen Pläne vor. Ab November 2021 soll die Brücke gebaut werden. Frühestens 2025 werde dann der Ortsteil vor Hochwasser sicher.
Dezember 2021: Der Bau der neuen Brücke startet.
April 2022: Es laufen Gespräche mit den Anliegern. Ziel ist es, dass der Schutzwall nicht groß ins Auge fällt.
März 2023: Das letzte von insgesamt sechs Teilen der neuen Brücke wird mit einem Spezialkran auf seinen Platz gehievt.
Januar 2024: Der geplante und zugesagte Hochwasserschutz für Mitterdorf wird vorerst gestoppt. Das hat das Umweltministerium entschieden. Da die Kosten explodiert sind (14 Millionen Euro) und Haushaltsmittel fehlen, wird das Projekt auf unbestimmte Zeit verschoben.