Hochwasserschutz in Mitterdorf in weiter Ferne: Anwohner leben mit der Angst und sind frustriert

Von Oliver Hausladen · 14. Oktober 2023 um 05:00

Schon drei Mal (1954, 1993 und 2002) wurde die Familie Pinkl in der Hauptstraße in Mitterdorf erheblich vom Hochwasser heimgesucht. Und auch weiterhin müsse man mit der Angst vor einer Flut leben, wie das Paar berichtet: Die großen Verzögerungen und die Unsicherheiten beim geplanten Hochwasserschutz für den Ortsteil stoßen ihm sauer auf und sorgen für Frustration.

Bereits seit vielen Jahren laufen die Planungen des Wasserwirtschaftsamtes, weiß Robert Pinkl, der auch Mitglied der Bürgervereinigung „Hochwasserschutz Mitterdorf“ ist. „Zuletzt hat es immer geheißen, im Zuge des Baus der neuen Brücke nach Roding wird auch der Hochwasserschutz bei uns in Angriff genommen.“ Detaillierte Planungen waren auch schon im Rodinger Stadtrat vorgestellt worden.

Nun steht die Brücke. Diese kann allerdings entgegen der ursprünglichen Planungen und wegen der Verzögerungen beim Hochwasserschutz nur genutzt werden, weil die Stadt eine provisorische Rampe auf der Mitterdorfer Seite errichten hat lassen. Wann aber der Hochwasserschutz folgen soll, scheint wieder völlig offen.

Lange blieben Anfragen beim zuständigen Wasserwirtschaftsamt in Regensburg unbeantwortet, erzählt Pinkl. Auch Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber hat er eine E-Mail geschrieben.

Ernüchternde Antwort

Als dann vor kurzem endlich eine Antwort des Wasserwirtschaftsamtes kam, fiel diese ernüchternd aus: Es habe sich eine neue Situation ergeben, welche die zeitlichen Zusammenhänge maßgeblich beeinflusse, schrieb Peter Jaud, Abteilungsleiter für Planung und Bau in den Landkreisen. Derzeit sei zudem kein Geld vom Freistaat da, heißt es in der E-Mail weiter, außerdem würden andere Projekte, die schon im Bau seien oder für die zumindest schon Planungsreife bestehe, priorisiert.

„Wenn schon bei der Planung noch so viele Fragen offen sind, werden wir die Umsetzung wohl nicht mehr erleben“, sagt Pinkl frustriert. Das Paar wohnt sehr gerne direkt am Regen, wie es betont, „es ist sehr schön hier und es ist unsere Heimat.“ Doch haben sie schon mehrmals erleben müssen, welche Kraft das Wasser haben kann. „2002 stand das Wasser außen bis zum Fensterkreuz am Wohnzimmer“, erinnert sich Robert Pinkl, der Wasserstand lag damals bei 311 Zentimetern. Zwölf Stunden lang pumpte er mit einem Gerät der Freiwilligen Feuerwehr das Wasser ab, um noch Schlimmeres zu verhindern. „Seitdem ist es psychologisch immer schwierig, wenn es mal längere Zeit stark regnet“, sagt er.

Schwierig zu verarbeiten sei auch, dass die Anwohner wüssten, dass das Hochwasser käme, aber nicht viel dagegen tun könnten und nicht genau vorhersehen könnten, wie schlimm es letztlich ausfallen wird.

Viele mit gleichen Sorgen

„Wenn es in Cham Hochwasser hat, dauert es etwa sechs Stunden, bis das Wasser da ist“, weiß Pirkl, „aber da fließt ja auf dem Weg noch viel zu in den Fluss.“ Mit seiner Meinung und seinem Frust seien er und seine Frau nicht alleine, betont das Paar, viele Anlieger des Regens in Mitterdorf seien getroffen, dass die Pläne zum Schutz vor einem Hochwasser nun auf unabsehbare Zeit aufgeschoben zu sein scheinen.

Es bleibe nur zu hoffen, dass sich durch die aktuelle Berichterstattung und weitere Nachfragen beim Wasserwirtschaftsamt vielleicht doch noch etwas bewege, sagt Pinkl. „Mehr können wir leider nicht tun“, bedauert der Mitterdorfer.

Robert Pinkl zeigt, wie hoch das Wasser im Jahr 2002 gestanden ist. Fotos: Oliver Hausladen