Die Brücke steht, aber der Hochwasserschutz für Mitterdorf scheint in weiter Ferne

Von Oliver Hausladen · 7. Oktober 2023 um 05:00

Die neue Fußgänger- und Radfahrerbrücke über den Regen steht. Dank der von der Stadt errichteten Rampe auf der Mitterdorfer Seite kann sie nun auch benutzt werden. Doch die geplanten Hochwasserschutzmaßnahmen, in deren Zuge das Bauwerk eigentlich errichtet wurde, scheinen in weiter Ferne.

Derzeit fehle das Geld und andere Projekte würden priorisiert, teilt das Wasserwirtschaftsamt Regensburg auf Nachfrage unserer Zeitung mit.

Eigentlich hätte bei den Hochwasserschutzmaßnahmen auch der Zugang zur neuen Brücke auf der Mitterdorfer Seite entstehen sollen. Da sich das aber auch aus Sicht der Stadt auf nicht absehbare Länge zog, wurde nun ein Provisorium gebaut, damit das Bauwerk auch seinen Zweck erfüllt. Die Entscheidung der Kommune, nicht länger zu warten, scheint nachvollziehbar, da nicht absehbar ist, wie lange die Brücke ansonsten noch mehr oder weniger sinnlos den Regen überspannt hätte.

Leuchtturmprojekt gestartet

Ein Hochwasserschutz wurde in der Stadt Roding am Regen bisher nur im Altstadtbereich realisiert, berichtet Peter Jaud, Abteilungsleiter für Planung und Bau in den Landkreisen beim Wasserwirtschaftsamt Regensburg in einer schriftlichen Stellungnahme. Nach den ersten Vorprüfungen zur Machbarkeit eines staatlichen Hochwasserschutzes für den Ortsteil Mitterdorf wurde 2016 mit der Planung möglicher Varianten (Vorentwurfsplanung) begonnen. 2018 hat die Stadt das Leuchtturmprojekt „Regenpromenade und -brücke mit integriertem Hochwasserschutz“ ins Leben gerufen und mit einem städtebaulichen Wettbewerb die Planung initiiert. Parallel dazu seien von Seiten des Wasserwirtschaftsamtes die weiteren Schritte zur Planung der Hochwasserschutzmaßnahmen (Entwurfsplanung) angestoßen worden.

Schwierigster Teilabschnitt

Aufgrund des komplexen Gesamtgefüges und zahlreicher Überschneidungen erfolgten die parallel laufenden Planungen der städtebaulichen Entwicklung und des staatlichen Hochwasserschutzes in enger Abstimmung zwischen Stadt und Wasserwirtschaftsamt. Die Planung für den Hochwasserschutz umfasse dabei Hochwasserschutzwände mit den entsprechenden Entwässerungseinrichtungen (Binnenentwässerung), mobilem Hochwasserschutz bei Wegekreuzungen und eine Schüttung in den Regen zum Wegebau.

Der schwierigste Teilabschnitt der Planung verlaufe vom Mündungsbereich der Flutmulde bis zur Straße „Am Löchl“. Da die Bebauung in diesem Bereich bis nah an den Regen heranreiche, stehe für die Hochwasserschutzanlagen einschließlich Entwässerungseinrichtungen und einem Unterhaltungsweg beziehungsweise für die Promenade hier nur ein enger Korridor zur Verfügung, erläutert Jaud. Eine dadurch erforderliche Schüttung in den Regen mit einer Länge von etwa 500 Metern betreffe Habitate, Vegetation und Wasserflächen des FFH-Gebiets Chamb, Regentalaue und Regen. Der Ausgleich eines Eingriffs in ein FFH-Gebiet stelle eine besondere Herausforderung dar und erfordere aktuell noch weitere Planungsschritte.

Mehrere grundlegende offene Fragen

„Die Umsetzung der Hochwasserschutzmaßnahmen für Mitterdorf kann trotz aller Bemühungen nicht zeitnah nach dem inzwischen erfolgten Brückenbau beginnen“, schreibt Jaud. Derzeit bestünden noch mehrere grundlegende offene Fragestellungen, unter anderem zum Umfang der Hochwasserschutzmaßnahme und dem naturschutzfachlichen Ausgleichsbedarf (FFH-Gebiet).

Eine konkrete Kostenschätzung könne daher nur mit großen Unsicherheiten benannt werden. Darüber hinaus stünden derzeit die erforderlichen Haushaltsmittel von Seiten des Freistaates Bayern für eine zeitnahe Umsetzung der staatlichen Hochwasserschutzmaßnahmen nicht zur Verfügung.

Maßnahme nicht priorisiert

Die Umsetzung der Maßnahmen in Bayern müsse angesichts begrenzter finanzieller Mittel grundsätzlich nach einer bayernweit einheitlichen Priorisierung Zug um Zug abgewickelt werden, informiert der Abteilungsleiter. Dabei hätten die erheblichen Baupreissteigerungen der vergangenen Jahre dazu geführt, dass trotz konstanter Mittelausstattung im bayerischen Staatshaushalt für die Finanzierung von staatlichen Hochwasserschutzmaßnahmen auch laufende Vorhaben nicht wie geplant bedient werden können.

Priorität hätten derzeit vor allem Projekte, die sich in der baulichen Umsetzungsphase befänden oder zumindest eine wasserrechtliche Genehmigung besitzen. „Bei den übrigen Maßnahmen kann es mit der derzeitigen Haushaltssituation zu zeitlichen Verzögerungen in der weiteren Planung/Umsetzung kommen“, so Jaud weiter. Unabhängig von den genannten Gründen müsse das Vorhaben nach Abschluss der Entwurfs- und Genehmigungsplanung auch ein wasserrechtliches Planfeststellungsverfahren durchlaufen.

Zum Projektfortschritt stünden das Wasserwirtschaftsamt Regensburg und die Stadt Roding weiter in engem Austausch, heißt es.

Schoierer: „Stadt musste bei Brücke handeln“

„Richtige Entscheidung“: Es sei definitiv die richtige Entscheidung der Stadt gewesen, die provisorische Rampe auf der Mitterdorfer Seite zu errichten und damit die Nutzung der neuen Geh- und Radwegbrücke zu ermöglichen, sagt 2. Bürgermeister Reinhold Schoierer.

Keine konkreten Infos erhalten: Die Kommune habe von Seiten des Wasserwirtschaftsamtes keine konkreten Informationen bekommen, wie und wann es mit dem Hochwasserschutz in Mitterdorf weitergeht, berichtet er. „Wir können aber nicht eine Brücke stehen lassen, die dann nicht benutzt werden kann“, betont Schoierer.

„So schnell es ging“: Die Kommune habe handeln müssen, so schnell es ging, „und wir sind jetzt auch noch vor dem Winter soweit fertig geworden, dass die Brücke genutzt werden kann.“

Lange Nutzungsdauer möglich: Die Rampe, die etwa 130000 Euro kostet, sei zwar ein Provisorium, sagt Schoierer, aber eines, das auch lange Bestand haben könnte: „Das ist sehr stabil und kann auch für Monate oder sogar Jahre genutzt werden, wenn es sein muss.“

Wie Mitterdorf vor einer Flut geschützt werden soll

Die Planungen für den Hochwasserschutz im Rodinger Ortsteil Mitterdorf laufen schon seit einigen Jahren. Ziel ist es, das historische Ortsbild sinnvoll mit den Anforderungen des Hochwasserschutzes zu verbessern, um Mitterdorf vor einer möglichen Wucht des Wassers bei Extrem-Wetterereignissen zu schützen.

Mitterdorf soll durch eine Schutzwand vor einem 100-jährigem Hochwasser einschließlich 15 Prozent Klimarisiko geschützt werden, so die Planungen. Die etwa 1100 Meter lange Schutztrasse beginnt südlich der B 85, verläuft direkt am Regenfluss und endet beim Fußballplatz. Sie wird in vier Bereiche aufgegliedert. Start ist im Norden „Am Löchl“. Dort sind ein barrierefreier Weg am Ufer, eine Feuerwehr-Zufahrt und Fahrradstellplätze geplant. Im Hochwasserfall müssten dort mobile Elemente aufgebaut werden. Der nächste Abschnitt startet „Am Graben“, wo der Brückenschlag erfolgt ist. Zudem sollen dort dort ein unterirdisches Schöpfwerk, ein Betriebsgebäude und E-Bike-Ladestationen entstehen. Weiter geht es bis zum Regenweg, der sich trichterartig aufweiten soll. Neben einer Treppenanlage und einer barrierefreien Rampe ist geplant, dort eine Bootsanlegestelle zu bauen. Die Pläne sehen bis zur Regenbrücke eine Hochwasserschutzmauer vor, im weiteren Verlauf bis zum Mitterdorfer Sportheim eine Spundwand. Hinter dem Hauptplatz der SpVgg sollen 38 neue Parkplätze entstehen, die Promenade hinter der Spundwand laufen. Die Maßnahme endet hinter dem Sportheim mit einem bepflanzten Weg in Richtung Baugebiet „Untere Au“.

Planungen hätten Mitte 2022 abgeschlossen sein sollen

Mit den Anliegern habe es bereits Gespräche gegeben, wie die Mauer gestaltet werden soll. Die Oberfläche der Hochwasserschutzmauer, die rund 670 Meter lang ist, soll mit Uferschilf-Motiven gestaltet werden.

Damit Niederschlags- und Sickerwasser entlang der Trasse während eines Hochwassers nicht zum Problem werde, sind zwei Schöpfwerke – eines am Sportplatz und eines „Am Graben“ – geplant. Wie in Roding werden die öffentlichen Wege entlang des Regens während einer Flut mit mobilen Elementen verschlossen.

Bei der Planung teilen sich Staat und Kommune die Kosten, beim Bau übernimmt der Freistaat 65 Prozent. Eigentlich hätte bereits bis Mitte 2022 die Planungen abgeschlossen und der Antrag auf Planfeststellung eingereicht werden sollen, mittlerweile ist der Zeitplan aber wieder offen.

Da die Stadt auf eigene Kosten eine Rampe auf der Mitterdorfer Seite gebaut hat, kann die neue Geh- und Radwegbrücke nun genutzt werden. Der eigentlich als Provisorium gedachte Bau könnte durchaus länger bestehen bleiben.