„Das erste Jahr war schon hart“: Im Interview zieht Burglengenfelds Pfarrer Michael Hirmer trotzdem eine positive Bilanz

Von Hubert Heinzl · 7. September 2024 um 17:00

Vor einem Jahr zog Michael Hirmer (48) als Pfarrer von Teublitz nach Burglengenfeld, um dort die Katholische Stadtkirche in Burglengenfeld zu begründen. Im Interview mit der Mittelbayerischen zieht er eine positive Zwischenbilanz. Aber es gibt noch einige Baustellen.

Herr Pfarrer, Sie sind jetzt rund ein Jahr als Leiter der Stadtkirche Burglengenfeld tätig. Sind Sie inzwischen emotional und menschlich angekommen?

Michael Hirmer: Das erste Jahr in Burglengenfeld war schon hart für mich. Der Tod meines Vorgängers Franz Baumgartner, die Herausforderungen der neu gegründeten Stadtkirche und die viele Bürokratie und Organisation waren und sind für mich herausfordernd. Aber ich bin sicher, dass das zweite Jahr besser wird und ich vor allem mehr Zeit für die Seelsorge und die Begegnung mit den Menschen haben werde. Aber super sind unser Pfarr- und Büroteam sowie die vielen ehrenamtlich Engagierten, die überall mit anpacken.

Bestehen noch Kontakte zur Pfarrei Herz-Jesu in Teublitz? Sucht Ihr Nachfolger Pfarrer Lucas Lobmeier manchmal Ihren Rat?

Hirmer: Lucas ist ein super Pfarrer. Wir haben regen Kontakt und arbeiten gut im Dekanat zusammen. Wir tauschen uns gegenseitig aus und helfen uns auch, wie es unter Mitbrüdern üblich sein sollte. Gemeinsam waren wir Anfang August mit den Ministranten aus Burglengenfeld und Teublitz bei der internationalen Romwallfahrt.

Ist die neue Struktur der Stadtkirche inzwischen vollständig umgesetzt und arbeitsfähig?

Hirmer: Unser Pfarrteam, die Sekretärinnen, der Kirchenmusiker und die Engagierten sind genial. Wir versuchen ständig, die Seelsorge zu verbessern und zu vernetzen. Es ist noch nicht alles perfekt, aber für das erste Jahr haben wir das gut gemacht. Die verschiedenen Bereiche der Seelsorge sind auf die Mitarbeitenden verteilt, die Strukturen passen, jetzt müssen sie mit Leben und Glauben gefüllt werden.

Als Pfarrer haben Sie neben der Seelsorge ja auch andere Baustellen, und das im wörtlichen Sinne. Die Sanierung der Pfarrkirche St. Vitus und der Orgel ist ein großes Thema, der Umzug ins Pfarrzentrum St. Josef auch, dazu dessen Sanierung in drei Bauabschnitten – und dann noch die Kirche in Rohrbach. Was hat Priorität?

Hirmer: Es ist (leider) tatsächlich so, dass ich derzeit eher der Verwalter und Organisator der Stadtkirche bin und weniger Seelsorger. Mir ist wichtig, dass wir im Stadtgebiet Burglengenfeld jetzt ein gemeinsames Pfarrzentrum in St. Josef haben. Alle Gruppen der Pfarrei St. Vitus sind dorthin umgezogen, vom Frauenbund, den Ministranten und vielen Chören bis hin zu den Eltern-Kind-Gruppen. Es gibt nur noch eine Seelsorge in Burglengenfeld. Wir unterscheiden nicht mehr zwischen den Pfarreien.

Wichtig ist aber auch die Seelsorge auf den Dörfern in Dietldorf und Umgebung oder Pottenstetten. Hier wollen wir „Kirche im Dorf“ sein und aktiv das Dorfleben mitprägen. Priorität aber haben immer die Menschen. Strukturen und Organisation müssen dem Dienst am Menschen dienen.

Noch einmal zu St. Vitus: Wie ist der Stand, kommt eine Generalsanierung wegen der Kosten überhaupt in Betracht?

Hirmer: Durch Notmaßnahmen konnten vor Weihnachten 2023 das Dach und die Kirchendecke gesichert werden. Wegen Brandgefahr darf die Orgel nicht mehr gespielt werden. Die Vituskirche ist in einem elenden Zustand und muss dringend von Grund auf saniert und renoviert werden. Hier gibt es derzeit sehr gute Gespräche mit dem Bistum. Ich denke, dass wir Anfang des nächsten Jahres die Gremien der Stadtkirche und danach die Öffentlichkeit informieren und in einen Diskussionsprozess kommen können. Derzeit kann ich aber zu diesen Gesprächen noch nichts sagen.

Das neue Pfarrzentrum in St. Josef soll mit Leben gefüllt werden. Wie geht es hier weiter?

Hirmer: Wir sind von St. Michael schon komplett ins Pfarrzentrum St.Josef umgezogen. Bis Mai werden wir dort eine nachhaltige Heizanlage einbauen. Die ehemalige Pfarrerwohnung wird umgewidmet und ebenfalls als Pfarrheim genutzt werden. Nötige Baumaßnahmen hierzu werden im kommenden Frühjahr durchgeführt.

Und welche Pläne gibt es für das Pfarrheim St. Michael und den Kindergarten Don Bosco?

Hirmer: Wie bekannt ist, wird der Kindergarten Don Bosco zum Kinderhaus mit Krippe erweitert. Laut Beschluss des Stadtrates wird die Stadtbau GmbH ein neues Gebäude an der Ortsausfahrt Richtung Kallmünz errichten. Im Zuge des Neubaus wird die Caritas Kita gGmbH der neue katholische Träger des Kinderhauses Don Bosco werden. Das Areal des VAZ wird ein öffentlicher Träger übernehmen. Dieser hat zugesichert, der Musikkapelle St. Vitus Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen. Der Erbpachtvertrag dazu wird derzeit durch einen Notar erstellt. Sobald dieser unterzeichnet ist, können wir die Öffentlichkeit über Details informieren.

Auch Rohrbach im Landkreis Regensburg gehört ja zur Stadtkirche Burglengenfeld...

Hirmer: Die Bergkirche in Rohrbach kann dank eines öffentlichen Zuschusses saniert werden. Ein sehr rühriger Förderverein hat sich bereits gegründet. Bis Jahresende wird eine Kostenberechnung und ein Zeitplan für die Renovierung vorliegen.

Sie sind als Pfarrer und Dekan, dazu als Notfallseelsorger gut ausgelastet. Wie schalten Sie eigentlich in Ihrer Freizeit ab?

Hirmer: Abschalten kann ich vor allem im Gebet. Die Beziehung zu Gott ist die Quelle meines Lebens. Dekan bin ich gerne, weil es mir ein Anliegen ist, die Seelsorger und Seelsorgerinnen zu vernetzen. Und die Notfallseelsorge ist mein Elixier, da ich da einfach als Seelsorger für Menschen da sein kann.

Apropos Seelsorge: Welche Akzente wollen Sie hier künftig in der neuen großen Pfarreiengemeinschaft setzen?

Hirmer: Mein Schwerpunkt muss leider wieder die Organisation der Stadtkirche sein. Hinzu kommt aber die Frage, wie wir als Gemeinschaft der Glaubenden moderne säkulare Menschen, die kaum mehr Ahnung vom Glauben haben, Gott näher bringen können. In dieser Frage steckt sehr viel Dynamik und Kreativität. Und darauf freue ich mich.