St. Vitus in Burglengenfeld: Wenn Sanierung unbezahlbar wird, droht Schließung das Sakralbaus

Von Thomas Rieke · 2. Dezember 2023 um 05:00

In der St.-Vitus-Kirche in Burglengenfeld (Landkreis Schwandorf)bietet sich seit einigen Wochen ein ungewohntes Bild: Der Übergang zum Langhaus ist durch eingetopfte Heckenpflanzen verstellt. An den Zweigen der Kirschlorbeeren hängen DIN-A4-große Blätter mit dem Aufdruck: Betreten verboten!

Wer die Entwicklung in der neuen Katholischen Stadtkirche aufmerksam verfolgt hat, kennt den Hintergrund. Weil der Dachstuhl instabil geworden ist, musste ein Teil des Gotteshauses im Herzen der Stadt gesperrt werden. Nun berichtete Pfarrer und Dekan Michael Hirmer, was sich seit Bekanntwerden der niederschmetternden Untersuchung eines Gutachters getan hat – und wie es weitergehen könnte.

Hiobsbotschaft für den neuen Pfarrer

Rückblende: Dass es um die Vituskirche, deren Anfänge im 15. Jahrhundert liegen, nicht besonders gut bestellt ist, war seit längerem bekannt. Die Aufmerksamkeit hatte sich aber weitgehend auf den Turm konzentriert. Wegen der massiven Risse im Mauerwerk, eine Folge des maroden Glockenstuhls, war das Geläut schon im Oktober 2022 eingestellt worden.

Als Hirmer sein neues Amt als Pfarrer in der Stadtkirche antrat, dachte er, die Konstruktion, an der die Glocken aufgehängt sind, sei das größte Problem. Doch vor einigen Wochen musste er sich eines Besseren belehren lassen.

Dachstuhl drückt zu sehr auf die Außenmauern

Bei einer Begutachtung des Dachstuhls über dem Langhaus kamen Mitarbeiter eines Regensburger Sachverständigenbüros zu dem Ergebnis, dass die Statik so stark beeinträchtigt sei, dass das Gebälk rechnerisch gar nicht mehr stehen dürfte. Die Pfetten, die direkt auf den Außenmauern des Gebäudes lagerten, seien größtenteils nicht mehr vorhanden.

Die Zusammenführung von Pfarreien ist in vielerlei Hinsicht eine Herausforderung. St. Josef soll zum „Wohnzimmer“ für die neue katholische Stadtkirche werden. Hier finden Sie dazu einen weiteren Bericht.

In der Folge habe sich der Druck auf die Wände derart erhöht, dass es zu deutlichen Rissbildungen gekommen sei, und zwar vorwiegend in den Fensterbereichen, weil diese ohnehin die geringere Tragkraft haben. Auf Anraten der Gutachter wurde das Langhaus sofort abgeriegelt. Es sei nicht auszuschließen, dass der Dachstuhl auseinanderdrifte und Teile der kunstvollen Stuckdecke herabfielen, hieß es.

Notmaßnahme kostet über 100.000 Euro

Weil eine Generalsanierung der Kirche noch in weiter Ferne ist, verständigte man sich zunächst auf eine Notmaßnahme. Sie besteht laut Pfarrer Hirmer aus neuen Pfetten, die den Druck auf die Mauern wieder reduzieren sollen, sowie Stahlverstrebungen, um den Dachstuhl zusammenzuhalten. Die Decke wird am neuen Tragwerk angedübelt. Die Kosten sollen sich auf etwas über 100000 Euro belaufen.

Technisch sei das Ganze für Fachleute kein Problem, berichtet der Pfarrer. Und anders, als noch Anfang vergangener Woche befürchtet, haben die benötigten Handwerksbetriebe nun sogar signalisiert, dass sie doch noch heuer anrücken können. Am 23. November wurde mit dem Aufbau eines Gerüsts begonnen.

Gleichwohl plant Hirmer für die nahenden Festtage eher defensiv. Er geht nicht davon aus, dass die Arbeiten bis 24. Dezember beendet sind. Vermutlich werde dies erst Ende Januar der Fall sein. Das Langhaus bleibe also bis auf Weiteres gesperrt.

Mit der Notkonstruktion erhofft sich Hirmer einen Zeitgewinn von fünf Jahren. Den will er intensiv nutzen, um viele drängende Fragen zu klären: Welche Maßnahmen würde eine Generalsanierung des Gotteshauses umfassen? Wie könnte ein Konzept für die Umsetzung aussehen? Wie hoch wären die Kosten – und ließen sich diese überhaupt finanzieren und rechtfertigen? Schließlich schrumpfe nicht nur der Kreis der Gläubigen, auch die Einnahmen der Kirche gingen dramatisch zurück, gibt Hirmer zu bedenken.

Riesiger Besitz, der auch eine Last darstellt

Kritisch eingestellten Zeitgenossen, die auf das Vermögen der Kirche verweisen und damit eine Unterstützung ablehnen, hält Hirmer entgegen: Sie würden verkennen, dass der Unterhalt der Immobilien samt ihren Kunstgegenständen, die zweifellos von hohem Wert seien, Unsummen verschlinge. Der materielle Besitz stelle also auch eine Last dar.

Deshalb, so Hirmer weiter, sei letztlich für die Vituskirche nicht auszuschließen, dass ihr dasselbe Schicksal drohe, wie etwa St. Theresia in Regensburg-Kumpfmühl. Der Orden der Karmeliten hat die Kirche kürzlich verkauft, weil die Sanierung zu teuer geworden wäre.

„Wenn kein Geld da ist, ist auch bei uns alles offen“, verdeutlicht Hirmer den Ernst der Lage. Oberstes Ziel in Burglengefeld sei es freilich, St. Vitus als Sakralbau zu erhalten und zu nutzen. Ein starkes Zeichen wurde dafür erst kürzlich gesetzt: Dem Orgelbauverein legte Hirmer einen Fahrplan für die Sanierung der Königin der Instrumente vor. Die soll demnach an Weihnachten 2025 wieder in völler Schönheit erklingen.

Ein Kapitel für sich: die Glocken und das Uhrwerk

Situation: Wegen Schäden im Turm dürfen die Glocken von St. Vitus seit Oktober 2022 nicht mehr läuten. Am 21. November gab es aber eine Ausnahme: Spezialisten führten einen letzten Test durch.

Eigenes Kapitel: Das Schlagwerk der Uhr ist weiter aktiv. Es verursacht laut Gutachter keine bedenklichen Schwingungen. Die Uhr gehört der Stadt und gibt die offizielle Zeit in Burglengenfeld an.

Ein spezieller Problemfall: der Kirchturm und sein Glockenstuhl. Foto: Rieke
Hoffnungsschimmer: Am 23. November wurde für erste Reparaturen ein Gerüst aufgestellt. Foto: Rieke