Die Hitze hat die steinigste Stadt Bayerns fest im Griff: Wie kühlen sich die Regensburger ab?

Von Jonas Raab · 13. August 2024 um 19:00

Beim Hitze-Check ist Regensburg krachend durchgefallen. Keine Stadt in Bayern ist stärker versiegelt, stellte die Deutsche Umwelthilfe (DUH) jüngst fest. Nun, genau zwei Wochen später, hat eine Hitzewelle Deutschland im Griff. Wie gehen die leidgeplagten Bewohner der „steinernen Stadt“ damit um?

Montagabend, 17 Uhr, Bismarckplatz. Die Sonne brennt aufs Pflaster. 32 Grad zeigt das Thermometer. Gefühlte Temperatur: 34 Grad. Kaum etwas los auf dem sonst so belebten Platz. Die Bänke, die in der Sonne stehen, sind allesamt leer. An den beiden Brunnen sitzen ein paar Leute und halten die Füße ins Wasser. So machen das auch Elena und Sophie. „Wir gehen Eis essen und kühlen uns am Brunnen ab“, sagt Elena, die gerade aus der Arbeit kommt. Gegen heiße Tage haben die beiden nichts. Aber heute sei es doch ein bisschen zu heiß, findet Sophie.

Hitze-Check der Umwelthilfe: Regensburg trägt „rote Laterne“ in Bayern

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) gab am Dienstag den dritten Tag in Folge eine amtliche Hitzewarnung für Regensburg aus, genau wie für weite Teile der restlichen Republik. Entwarnung ist erst am Wochenende in Sicht. Den Westen erwischt es sogar noch schlimmer. In Regensburg sei jedoch mit einer zusätzlichen Belastung zu rechnen, weil es in der Nacht nicht wirklich abkühle – „insbesondere im dicht bebauten Stadtgebiet“. Aber auch das gilt laut DWD für die meisten anderen Städte. Was macht Regensburg also so heiß? Von den 190 deutschen Städten, die die DUH untersucht hat, schnitten nur Ludwigshafen und Heilbronn schlechter ab. In der Studie wurden Flächenversiegelung und Grünvolumen kombiniert betrachtet. Heißt: Regensburg ist besonders zugebaut. Kühlendes Grün fehlt.

„Das Ergebnis ist erschreckend und zeigt, dass Regensburg in den letzten Jahrzehnten bei der Sicherstellung ausreichender Grünflächen entgegen besseren Wissens leider komplett versagt hat“, warnte Raimund Schoberer, Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz (BN) kürzlich. Er forderte ein neues Amt in der Stadt und schlug eine Reihe von Maßnahmen vor, beispielsweise neue Parkanlagen oder den Rückbau versiegelter Straßenbereiche. Umweltbürgermeister Ludwig Artinger (FW) nannte gegenüber der MZ den neuen Park im Bereich der ehemaligen Prinz-Leopold-Kaserne, Entsieglungsmaßnahmen sowie Dach- und Fassadenbegrünung als kommende Maßnahmen. Auch über autofreie Plätze in der Altstadt müsse man nachdenken, sagte er. Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra verweist zudem auf den „Hitzeaktionsplan“ für 2025 und eine Stadtklimaanalyse , die im Herbst abgeschlossen sein und Aufschlüsse zu besonders heißen Orten in der Stadt liefern soll.

Hitze in Regensburg: PlayFountain am Neupfarrplatz sorgt für Abkühlung

Das ist Zukunftsmusik. Im Hier und Jetzt steht in den Straßen und Gassen der Altstadt die Hitze. Kein Lüftchen weht am Montagabend, auch nicht auf dem Neupfarrplatz. An der Alten Wache sitzen ein paar Leute im Schatten. In der Sonne hält sich kaum jemand auf. Bis auf eine Ausnahme: Der Wasserspielbrunnen, der die Sommerferien über für Erfrischung sorgen soll, ist rappelvoll. Kinder toben. Immer wieder lautes Gekreische, wenn die Wasserfontänen angehen. Im Schatten der Neupfarrkirche beobachten ein paar Eltern das Treiben. „Eine super Sache bei der Hitze. Aber es wäre schön, wenn außenrum etwas mehr Schatten wäre“, sagt eine Mutter über den Brunnen. Seit zwei Stunden ist sie schon mit ihren beiden Kindern hier. Wie kommt der Nachwuchs mit der Hitze zurecht? „Besser als Erwachsene, hab’ ich das Gefühl.“

Laut Felix Rockmann, Leiter des Notfallzentrums bei den Barmherzigen Brüdern, sind vor allem ältere Menschen, Schwangere, Personen mit Vorerkrankungen, aber auch Kinder bei Hitze besonders gefährdet. Die Notaufnahme verzeichne derzeit vereinzelt Patienten, die aufgrund von Folgen der hohen Temperaturen behandelt werden müssten. „Ob ein Gang in die Notaufnahme nötig ist, sollte nach Möglichkeit zunächst immer mit dem Hausarzt oder dem Bereitschaftsdienst der niedergelassenen Ärzte abgeklärt werden“, sagt Rockmann. An der Uniklinik und im Krankenhaus St. Josef häufen sich die Fälle nicht. Die Hitzewelle sei noch zu kurz dafür, sagt Andreas Hüfner, Chefarzt Zentrale Notaufnahme bei St. Josef.

Sommer-Wetter in Regensburg: Hochbetrieb an den Badestellen der Donau

Trotz Schleierwolken hat es am Montag gegen 18 Uhr immer noch 31 Grad. An den Ufern der Donauinseln herrscht Hochbetrieb. Vom Dultplatz bis runter zur Nibelungenbrücke liegen dicht an dicht Menschen auf ihren Handtüchern, stehen oder schwimmen im Wasser. Im Minutentakt treiben Leute im Donau-Seitenarm unter der Steinernen Brücke hindurch. Sie hängen an Schwimmnudeln, stehen auf Stand-up Paddleboards oder fläzen im aufblasbaren Einhorn. „Aussteigen“, ruft ein Junge seinem Kumpel kurz vor dem Grieser Steg zu.

Ein gutes Stück flussaufwärts liegt Lisa an der Donau. „Wenn es so heiß wie heute ist, hält man es in der Altstadt nicht aus“, sagt die 36-Jährige. Und trotzdem: Die Stadtnähe schätzt sie am Ufer am Oberen Wöhrd besonders. „Es ist kostenlos, es gibt Schatten, es ist nicht so viel los wie im Freibad.“

Selbstredend stehen auch die Freibäder hoch im Kurs. Genau 1900 Badegäste zählte das Stadtwerk am Montag im Wöhrdbad, 2692 im Westbad. Zum Vergleich: Am Samstag und Sonntag waren es zusammen „nur“ 2333 Gäste im Wöhrdbad, 3623 im Westbad, wie Stadtwerk-Sprecherin Marion Brasseler aufzählt. „Wir rechnen auch in den kommenden Tagen mit sehr vielen Badegästen“, sagt sie.

Wer nicht baden gehen kann, hat das Nachsehen. Vor allem, wenn er in der Altstadt lebt.

Die Füße im Wasser, das Eis in der Hand: Sophia (l.) und Elena kühlen sich am Brunnen am Regensburger Bismarckplatz ab.
Am Oberen und Unteren Wöhrd genießen unzählige Regensburger die Sonne am grünen Donau-Ufer.