Emmy und Lenny außer Rand und Band: Ausgebüxte Ziegen halten Beratzhausen in Atem

Mal stehen sie oben auf den Felsen, mal spazieren sie unten über die Straßen und mal machen sie es sich in Gärten gemütlich: Seit rund zwei Wochen treiben sich ziemlich gewiefte Ziegen in Beratzhausen (Landkreis Regensburg) herum.
Bisher scheiterten alle Versuche, die ausgebüxten Tiere einzufangen. Auch ein Jäger hatte bislang keinen Erfolg. Bei Facebook sorgen die Ziegen für Belustigung, doch manch einer fürchtet um die Verkehrssicherheit im Markt. Das Telefon von Bürgermeister Matthias Beer läuft seit Tagen heiß. „Im Minutentakt“ habe er zwischenzeitlich mitgeteilt bekommen, wo sich die Ziegen gerade befinden, erzählt er der MZ. Die Tiere seien einem auswärtigen Schäfer entwischt, als er die Jurahänge beweidet hat, sagt Beer. Sogar Namen haben die Ziegen: Emmy und Lenny. „Die haben Kinder aus dem Ort so getauft“, sagt der Bürgermeister.
Mal hier, mal dort: Entlaufene Ziegen sorgen bei Facebook für Belustigung
Es ist eine Art Sport in Beratzhausen geworden, Bilder der Ziegen bei Facebook zu posten. Und der Bürgermeister macht fleißig mit, nennt die Tiere die „neuen Einwohner von Beratzhausen“.
Unterhalb der Maria-Hilf-Kirche, an der Eisdiele, zwischen Friesen- und Hammermühle oder beim Wertstoffhof wurden die Ziegen schon gesehen. Die meisten nehmen es mit Humor, doch vereinzelt gibt es auch kritische Stimmen. „Was, wenn so ein Tier auf die Straße rennt und etwas passiert?“, fragt sich eine Frau in ihrem Facebook-Kommentar. Dem Halter der Ziegen wirft sie Verantwortungslosigkeit vor.
Ende vergangener Woche meldete sich Beer noch einmal bei Facebook zu Wort. Der Schäfer, der längst weitergezogen ist, sei mehrfach angemahnt, Polizei und Veterinäramt seien eingeschaltet worden, erklärte er den Bürgern. „Wir alle“ sollten etwas entspannen, lautete sein Appell. Was die Verkehrssicherheit betrifft, schreibt Beer: „Ich hoffe doch sehr, dass jeder verantwortungsvolle Fahrer immer so fährt, dass von ihm keine Gefahr für zum Beispiel Kinder ausgeht. Für die Achtsamkeit sollte es keine Rolle spielen, ob da jetzt ein Hund, Reh, Kind, eine Katz oder eine Goaß die Straße kreuzt.“ Ansonsten gehe von den Tieren keine Gefahr aus.
Wie Beer der MZ berichtet, versuchte ein Schäfer aus Beratzhausen mehrfach, die Ziegen einzufangen. Vergeblich. „Die sind tatsächlich sehr gewieft“, sagt der Bürgermeister.
„Die Gerüchteküche brodelt“: Waren die Ziegen auf der A3?
Als „sehr widerspenstig“ bezeichnet auch Andreas Niebler, Leiter der Nittendorfer Polizeidienststelle, die Ausreißer. Viermal seien seine Kollegen wegen der Ziegen nach Beratzhausen gerufen worden. Zu Gesicht bekamen die Beamten Emmy und Lenny jedoch nur einmal. „Die waren so wild, dass man sie nicht einfangen konnte“, sagt Niebler. Ob die Ziegen, wie bei Facebook zu lesen ist, auch auf der A3 und an den Bahngleisen für Gefahr gesorgt haben, kann der Polizeihauptkommissar nicht bestätigen. „Die Gerüchteküche brodelt“, sagt er. Darüber, wie viele Ziegen überhaupt unterwegs sind, ist sich Beratzhausen uneins. Laut Beer waren es anfangs vier. „Leider sind nur noch drei da. Eine hat der Zug erwischt“, sagt er.
Wie geht es mit den drei übriggebliebenen Ziegen weiter? Anfang August kontaktierte der Schäfer, dem die Tiere wohl beim Verladen entwischt sind, das Veterinäramt, erklärt Claudine Tauscher, Sprecherin am Landratsamt, auf MZ-Nachfrage. Auf Anraten des Amtes beauftragte der Mann demnach einen Jäger, der mit dem Narkosegewehr schaffen soll, was Hütehunde nicht geschafft haben. Die Genehmigung dafür habe das Landratsamt im Einverständnis mit dem Veterinäramt am Dienstag vergangener Woche erteilt. Der Schäfer habe mit keinen Konsequenzen zu rechnen, müsse aber die Kosten tragen.
Der beauftragte Jäger hat Erfahrung mit Ausreißern. „Diese Methode“, also den Einsatz eines Betäubungsgewehrs, habe er bereits bei Schafen, die im Fürstlichen Thiergarten entwischt sind, mit Erfolg angewendet, erklärt Tauscher.
„Ans Herz gewachsen“: Bürgermeister wird Ziegen vermissen
In Beratzhausen war der Jäger bislang nicht erfolgreich, wie Beer erzählt. „Die Ziegen müssen sich auf freier Flur befinden, damit er schießen kann“, erklärt der Bürgermeister, der wohl kein Problem damit hätte, wenn die Ziegen noch ein paar Tage lang im Ort bleiben. „Irgendwie passen sie schon in unsere schönen Jurahänge und ich gebe zu, dass sie mir fast ein bisschen ans Herz gewachsen sind und mir fehlen werden, wenn man sie erwischt“, sagt Beer schmunzelnd.

