Regensburg beim Hitze-Check durchgefallen: Chef des Bunds Naturschutz schreibt Brandbrief

So deutlich wie Regensburgs Platzierung beim Hitze-Check der Deutschen Umwelthilfe (DUH) fällt auch die Reaktion von Raimund Schoberer, Kreisvorsitzender des Bunds Naturschutz (BN), auf dieses Ergebnis aus.
In glühenden Zeilen spricht er davon, dass Regensburg bei der Sicherstellung ausreichender Grünflächen in den letzten Jahrzehnten komplett versagt habe – wieder besseren Wissens. Ein Umdenken könne Schoberer nicht ausmachen.
Wie die DUH bekannt gab, belegt Regensburg Platz 3 der am meisten versiegelten und am wenigsten grünen Städte in Deutschland. Im bayernweiten Vergleich ist laut dieser Studie keine Stadt derart versiegelt und wenig grün wie Regensburg. Das sind für Schoberer erschreckende Ergebnisse.
Er warnt: Nahezu täglich verschwinde weiteres Grün im Stadtgebiet. Die Stadt habe in den vergangenen Jahren zudem hektarweise amtlich kartierte Biotope geopfert, um Straßen zu verbreitern oder neu zu bauen, heißt es in seiner Pressemitteilung. „Hitze tötet, man kann es nicht laut genug sagen, und mehr Grün in der Stadt würde Leben retten“, wird der BN-Chef deutlich.
Hitze in Regensburg: Was könnte helfen?
Deswegen fordert er ein neues Amt für Grünflächen mit Kühlleistungspunkten und nennt Maßnahmen, bei denen er die Realpolitik in der Pflicht sieht. So müsse dafür gesorgt werden, dass Grünflächen gesichert und neue geschaffen werden. Zudem brauche es mehr und neues Grün in den Quartieren. Schoberer fordert auch, den Baumbestand zu fördern und zusätzliche Bäume in den Bebauungsplänen festzulegen.
Für Umweltbürgermeister Ludwig Artinger (FW) ist das Ergebnis des Hitze-Checks keine Überraschung. Als eine Maßnahme, die in den nächsten Jahren geplant ist, um Regensburg gegen die Hitze zu wappnen, nennt der Umweltbürgermeister etwa einen fünf Hektar großen, neuen Park im Bereich der ehemaligen Prinz-Leopold-Kaserne (PLK). „Ab 2025 werden wir mit dem neuen Förderprogramm Regensburg Resilienz Entsieglungsmaßnahmen wie auch Dach- und Fassadenbegrünung fördern“, kündigt Artinger an. Zudem müsse darüber nachgedacht werden, Plätze in der Altstadt von parkenden Autos zu befreien, um damit Raum für Wasser und Grün zu schaffen. Als Beispiel nennt der Umweltbürgermeister den Alten Kornmarkt.
Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) und Tanja Flemmig, Chefin des Stadtplanungsamts, sagen mit Blick auf das Ergebnis des Hitze-Checks, dass es im Stadtgebiet wenig Umland mit viel Grün gebe und die Altstadt zudem wenig prädestiniert dafür sei, große Bäume zu pflanzen. „Ich will das nicht schön reden, aber wir müssen schon sehen, wie repräsentativ das ist“, sagt Flemmig.
Als weitere Maßnahmen, um auf die Hitzeentwicklung zu reagieren, nennt Maltz-Schwarzfischer Nachverdichtungen, um dem Flächenverbrauch entgegenzuwirken, den Umbau des Obermünsterviertels, bei dem Grün und Wasser eine große Rolle spielen sollen, oder die Schwammstadt, die im Bereich des ehemaligen PLK-Geländes geplant ist.
Noch eine Liste
Flemmig sagt, dass über den Flächennutzungsplan geregelt werden kann, dass wenig Fläche neu versiegelt wird. Allerdings brauche es dafür eine deutliche Positionierung aus der Gesellschaft, der Politik und der Wirtschaft. „Wir können das nur vorschlagen, entscheiden muss das die Politik,“ sagt sie. Maltz-Schwarzfischer ergänzt noch, dass es auch dauern werde, bis Maßnahmen ihre Wirkung entfalten.
Schoberer sieht da mehr konkrete Optionen: Neue Parkanlagen und vor Versiegelung zu sichernde Flächen fordert er etwa beim Pürkelgut, im Klima- und Biotopwald Lilienthalstraße, an der Platanenallee am Unteren Wöhrd, im Römerpark, im Ostpark, bei den Bäumen auf dem ehemaligen PLK-Gelände und am neuen Hallenbad sowie in einem möglichen Odessa-Park. Dafür könnten folgende Straßenbereiche im Sinne von weniger Versiegelung teilweise zurückgebaut werden: die Bayerwaldstraße, die Altdorfer Straße, die Adolf-Schmetzer-Straße und die Donaustaufer Straße. Weiterhin müssen für Schoberer eine ganze Reihe von Bebauungsplänen gestoppt werden: etwa der am Roten-Brach-Weg, wo er einen Klima- und Biotopwald in Gefahr sieht, der für das geplante Parkhaus am Unteren Wöhrd oder der für die ehemaligen Schlämmteiche der Zuckerfabrik, wo für Schoberer der Verlust eines Biotophotspots droht. Zu stoppen sind für den BN-Chef auch die Pläne für die Sallerner Regenbrücke, Planungen der Bahn bei Großprüfening und der Bebauungsplan bei der Anhalt. Neu gedacht werden müsse laut Schoberer der Bebauungsplan für die Freifläche beim Gleisdreieck. Der Containerbahnhof soll wegen der kartierten Biotopflächen in seinen Augen am besten rückabgewickelt werden.
