Gegen Hitze und Starkregen: Regensburger Häuser sollen grüner werden

Von Juliana Ried · 7. Juni 2024 um 10:00

Die Bepflanzung von Gebäuden hat Experten zufolge viele positive Effekte: Grüne Fassaden kühlen, grüne Dächer lassen auch Regen verdunsten. Die Stadt will die Regensburger jetzt auf den Geschmack bringen.

Die Fassade des Altbaus mit Satteldach in einer Gasse in Stadtamhof wirkt wie eine Fortsetzung des begrünten Innenhofs: Die Blätter des wilden Weins bedecken das Gebäude zu großen Teilen. Noch sind Außenwände wie diese in Regensburg selten zu sehen, aber das soll sich ändern. Ab 2025 will die Stadt Fassadenbegrünung, aber auch die Begrünung von Dächern und Innenhöfen fördern, das hat der Umweltausschuss des Stadtrats am Mittwoch einstimmig beschlossen.

Auf Initiative der Grünen hin hatte der Ausschuss im Juli 2023 die Verwaltung beauftragt, ein solches Förderprogramm zu erarbeiten. Nun ist klar: Es soll „Regensburg resilient“ heißen. Es soll die Stadt widerstandsfähiger machen gegen die Folgen des Klimawandels, insbesondere „die Auswirkungen von Hitze in städtischen Hotspots verringern“, so steht es in der Beschlussvorlage für den Umweltausschuss.

Entlastung der Kanalisation

Aber auch bei starken Niederschlägen, wie sie die Region jetzt abbekam, sollen grüne Gebäude und Innenhöfe hilfreich sein. So zählt die Stadt zu den positiven Effekten neben der „Entlastung überhitzter Bereiche durch Transpirationskühlung und Verschattungseffekte“ auch die „Schaffung zusätzlicher Regenrückhaltungen und Entlastung der Kanalisation“. Zudem verbessere das Grün die Luftqualität, reduziere Lärm, erhöhe die biologische Vielfalt, werte das Stadtbild auf und erhöhe die Wohn- und Lebensqualität, heißt es in der Beschlussvorlage.

Andreas Eckl, Vorsitzender des Architekturkreises Regensburg, sagt: „Ich halte es für wichtig, das Thema anzuschieben.“ Was Fassadenbegrünung angehe, so lasse sich mit Rank- und Kletterpflanzen, die im Boden wurzeln, mit weniger Aufwand ein „sehr hoher Effekt“ erzielen. „Man hat den belebenden Effekt, was die Gestaltung angeht, den kühlenden Effekt und hat auch für die Natur etwas getan.“ Grüne Dächer hätten noch einen weiteren Nutzen. Sie seien bei Neubauten „fast schon Pflicht“, sagt Eckl, „weil es ein Riesenvorteil ist, was die Wasserrückhaltung betrifft“. Es ließen sich Dächer realisieren, bei denen ein großer Teil des Niederschlagswassers verdunste und der Rest verzögert ablaufe. Allerdings sei da die Nachrüstung von Bestandsgebäuden ein „ein bisschen schwieriges Thema“. Ein Gründach wiegt etwas, das muss die Statik mitmachen.

Auch begrünte Fassaden haben in der Praxis Tücken. So erlebt es Stefan Vogl, Bewohner des Stadtamhofer Hauses mit dem Wein außen, und selbst Architekt. Der 58-Jährige sagt: „Es wächst nicht alles und manches wächst so aggressiv, wie man es nicht haben will.“ Deshalb sei die Auswahl der Pflanzen „ganz wichtig“. Auch müsse einem bewusst sein, dass Begrünung auch Insekten anlocke.

Das Förderprogramm soll „umfassende Informationen“ bieten, unter anderem auf der Internetseite der Stadt. Umwelt-Bürgermeister Ludwig Artinger (Freie Wähler) erklärte im Umweltausschuss: „Dieser Auftritt soll optimiert werden und es soll eine Broschüre aufgelegt werden.“ Die finanzielle Förderung soll 2025 beginnen, aus Haushaltsgründen „und weil wir uns inhaltlich an den Ergebnissen dieser Thermalbefliegung orientieren wollen“. Dabei sei identifiziert worden, wo in der Stadt es am wärmsten ist. Das Ergebnis komme im Sommer, daran wolle sich die Stadt bei der Erarbeitung der Förderrichtlinien orientieren. „Dort, wo es am nötigsten ist, das sind die, die überhaupt oder am höchsten gefördert werden.“ 60000 Euro pro Jahr sollen zur Verfügung stehen.

Viel Lob von Stadträten

Von den Stadträten im Umweltausschuss kam parteiübergreifend viel Lob für das Vorhaben. Grünen-Fraktionschefin Maria Simon sagte: „Dieses Programm schließt jetzt eine weitere Lücke in der Förderung, um das Thema Klima und Energie voranzubringen.“ FW-Fraktionschefin Kerstin Radler erklärte: „Wir wissen ja, Städte werden immer heißer, und der Sommer kommt.“ Hilfreich sei dann neben Trinkwasserbrunnen auch Begrünung. CSU-Stadträtin Kathrin Fuchshuber regte an, dass die Stadt ein Testprojekt starte, um Erfahrungen zu geeigneten Pflanzen zu gewinnen. Aus Sicht von ÖDP-Fraktionschefin Astrid Lamby ist es „der zwingend notwendige und richtige Schritt, dass man den Bürgerinnen und Bürgern, die vielleicht noch nicht auf den Geschmack gekommen sind, das schmackhaft macht“. Brücke-Stadtrat Thomas Thurow lobte das Gründachkataster als „ganz niederschwellige Informationsquelle“. Kritik äußerte nur Einzelstadtrat Jakob Friedl. Er hinterfragte unter anderem, warum die Stadt unbedingt eine eigene Broschüre auflegen müsse.