Wird die Regensburger Sonne immer stärker? Dermatologin warnt vor Hautschäden

Sommer, Sonne – Sonnenbrand? Selbst, wenn es nicht so weit kommt, schadet Sonnenbaden der Haut, sagt die Dermatologin Stefanie Meyer. Im Interview erklärt die promovierte Hautärztin, die zwei Praxen in Regensburg und Nürnberg/Fürth betreibt sowie als Privatdozentin an der Universität Regensburg tätig ist, wie wir uns am besten schützen – und ob die Sonne tatsächlich immer gefährlicher wird.
Frau Meyer, der Wetterbericht für die nächsten Tage verspricht Sonnenschein und hohe Temperaturen. Ab wann wird ein Sonnenbad für die Haut gefährlich?
Stefanie Meyer: Ein Sonnenbad ist immer gefährlich. Die UV-Strahlung – insbesondere das UVA- und UVB-Licht – ist tückisch. UVA beschleunigt die Hautalterung, UVB-Strahlung schädigt die Erbsubstanz (DNA) der Hautzellen. Die Entstehung von Hautkrebs wird so maßgeblich begünstigt. Dass Sonnenbaden schlecht für die Haut ist, sieht man an Stellen, die starker Sonnenstrahlung ausgesetzt sind, wie etwa an den Armen und Handrücken und im Gesicht. Die Haut verändert sich und wird fleckig.
Wie schnell entsteht ein Sonnenbrand?
Meyer: Das ist von Hauttyp zu Hauttyp verschieden. Der Hauttyp eins ist am hellsten, bräunt überhaupt nicht und wird direkt rot. Menschen mit Hauttyp fünf werden hingegen schnell dunkelbraun und bekommen keinen Sonnenbrand. Beim Hauttyp zwei liegt die Eigenschutzzeit der Haut bei maximal zehn bis 20, beim Hauttyp drei unter 30 Minuten.
Wie schütze ich mich am besten vor der Sonne?
Meyer: Sonnenschutz ist das A und O und gehört für mich dazu wie Zähneputzen. Die Körperbereiche, die der Sonne ausgesetzt sind – Gesicht, Hals, Ohren, Arme und Handrücken – sollten jeden Morgen, nicht nur im Sommer, mit einer Pflege mit Lichtschutzfaktor eingecremt werden. Dabei ist es egal, ob Mann, Frau oder Kind. Abgesehen davon ist textiler Sonnenschutz in Form von Kleidung am sinnvollsten. Sonnencremes können nicht alles abfangen und sind auch kein Garant dafür, dass stundenlanges Sonnenbaden nicht gesundheitsschädlich ist. Im Kopf behalten sollte man außerdem die Faustregel „Between eleven and three, slip under a tree“ – in den Mittagsstunden sollte man die Sonne meiden und Schutz unter einem Baum oder Sonnenschirm suchen. Oder einfach im Haus bleiben.
Brauchen Kinder besonderen Schutz?
Meyer: Gerade bei Kindern reicht eincremen allein meiner Meinung nach nicht. Wenn Kleinkinder am Strand zwar eingecremt sind, aber ihnen die Sonne auf Arme, Beine und Gesicht scheint, ist trotzdem Vorsicht geboten. Ganz wichtig ist auf jeden Fall ein Hut, der auch die Ohren bedeckt. Ein Langarm-Shirt schirmt die Haut ebenfalls ab.
So gefährlich zu viel Sonne auch ist – braucht unser Körper nicht dennoch ausreichend Sonnenstrahlung, um Vitamin D3 bilden zu können?
Meyer: Das ist richtig. Unsere normale Bewegung im Alltag – Spazierengehen gehen, im Sonnenlicht zum Auto gehen – reicht dazu aber völlig aus. Für die Vitamin-D-Bildung ist es nicht nötig, den ganzen Körper der Sonne auszusetzen.
Stellen Sie fest, dass Hauterkrankungen durch zu viel Sonne mehr werden?
Meyer: Ja, die Zahl der Patienten nimmt deutlich zu. Noch häufiger als das Melanom, der schwarze Hautkrebs, treten sogenannte Aktinische Keratosen, Basalzellkarzinome oder Plattenepithelkarzinome auf, die man als weißen Hautkrebs bezeichnet. Davon gibt es mehrere Formen. Der schwarze Hautkrebs ist aber tatsächlich der gefährlichste, weil er Metastasen mit Todesfolge bilden kann. In allen Fällen ist die Früherkennung entscheidend. Von der gesetzlichen Krankenkasse wird ab dem 35. Lebensjahr alle zwei Jahre eine Vorsorgeuntersuchung übernommen. Hier in der Privatpraxis empfehlen wir eigentlich, jedes Jahr ein Screening zu machen. Wir arbeiten mit Auflicht-Mikroskopie, einer speziellen Lupe, mit der man die Feinstrukturen der Haut begutachtet sowie mit modernster Computer-gestützter Analyse und Therapie. Erscheint ein Hautmal suspekt, rate ich immer dazu, dass es operativ entfernt, eingeschickt und untersucht wird.
Seit wann nehmen die Hautkrebs-Fälle zu?
Meyer: Generell, seit sich das Freizeitverhalten der Menschen geändert hat. Man fährt öfter in den Urlaub, macht mehr Fernreisen, genießt die Sonne. Einen genauen Zeitrahmen zu nennen, ist schwierig – ich würde sagen, innerhalb der letzten zehn Jahre.
Abseits vom Reisen in ferne Länder: Wird die Sonne auch hier in Regensburg immer stärker?
Meyer: Mein Eindruck ist schon, dass die Sonne auch bei uns in Regensburg stärker geworden ist. Durch die Löcher in der Ozonschicht kommt mehr Sonnenstrahlung ungefiltert bei uns an. Die Jahreszeiten haben sich gewandelt, im April war es dieses Jahr teilweise schon so heiß wie im Sommer.
Ist Bräune überhaupt noch ein Schönheitsideal?
Meyer: Das kommt auf den Kulturkreis an. In Asien beispielsweise möchten alle möglichst hell beziehungsweise bleich sein. Bei uns gehen die Meinungen auseinander. Viele Menschen finden Bräune noch ansprechend, doch in den Illustrierten und Hochglanzmagazinen sieht man mittlerweile auch viele Stars, die ohne Sonnenbräune gut aussehen. Ich denke, da wandelt sich das Schönheitsideal gerade – Gott sei Dank.
