Kommt nach zwei Jahren doch der Sonnenschutz für Kinder im Regensburger Wöhrdbad?

Von Jürgen Scharf · 5. Juli 2024 um 15:00

In die Debatte um den fehlenden Sonnenschutz für das Babybecken im Regensburger Wöhrdbad scheint nun doch Bewegung zu kommen. Stadtwerk-Sprecher Martin Gottschalk sagte auf Nachfrage der Mediengruppe Bayern, dass jetzt die Installation eines Provisoriums geprüft werde.

Im Frühjahr 2022 wurde das Regensburger Wöhrdbad wiedereröffnet. Knapp zwei Jahre lang war es saniert worden. Dies kostete rund sieben Millionen Euro. Unter anderem wurde ein komplett neues Funktionsgebäude gebaut und der Parkplatz für Fahrräder umfassend erweitert. Ein Sonnenschutz für das Babybecken wurde damals aber nicht installiert – was etlichen Besuchern nach der Wiedereröffnung negativ auffiel. Denn ab dem frühen Nachmittag ist dieser Bereich direkt der Sonne ausgesetzt.

„Das ist nicht so einfach“

Manche Eltern behelfen sich, indem sie ihren Kindern UV-Kleidung anziehen, andere setzen oder stellen sich so ins Wasser, dass sie selbst einen Schatten für die Kinder werfen können. Betrieben wird das Bad vom Stadtwerk. Sprecher Martin Gottschalk sagte vor zwei Jahren, als die Mittelbayerische erstmals zu dem Thema nachfragte, dass vorerst kein Sonnenschutz vorgesehen ist. „Es ist geplant, dass so etwas gebaut wird, wenn die Außenanlagen im Wöhrdbad saniert werden. Aber es steht noch nicht fest, wann das stattfindet.“ Es sei nicht so einfach, so ein Becken zu beschatten, sagte er: „Man kann nicht einfach einen Sonnenschirm hinstellen. Der muss gewisse Vorgaben erfüllen.“ Das gleiche gelte für ein Sonnensegel.

Der Regensburger Kinderarzt Guido Judex hatte bereits vor zwei Jahren auf Nachfrage gesagt, dass ein Sonnenschutz in solchen Außenbereichen sehr wichtig ist: „Ein Sonnensegel wäre schon gut. Ich bin aber auch großer Fan von UV-Kleidung, damit umgeht man dieses Problem elegant.“

„Im Kita-Bereich passiert bei uns doch sehr viel“

Michael Straube vom Regensburger Eltern e.V. sieht es ähnlich: „Natürlich, ein Sonnenschutz wäre hier schon sehr gut.“ Es sei nämlich in der Tat so, dass ab dem frühen Nachmittag die Sonne voll auf das Babybecken strahlt. Das wisse er aus eigener Erfahrung: „Und das bleibt dann auch so bis etwa 17 Uhr.“ Als Indiz dafür, dass es in Regensburg ganz grundsätzlich an Unterstützung für Familien mit Kleinkindern fehlt, will er dies aber nicht werten. „Gerade im Kita-Bereich passiert bei uns doch sehr viel, das muss man schon positiv bewerten.“

Im Wöhrdbad mussten die Eltern bei ihren Kindern bislang notgedrungen vor allem auf UV-Kleidung setzen. Welchen Effekt bauliche Maßnahmen haben können, wird übrigens in einet anderem vom Stadtwerk betriebenen Einrichtung demonstriert. Im Westbad sorgen am Kinderbecken des Außenbereichs große, flexibel aufklappbare Sonnenschirme für reichlich Schatten.

Gottschalk teilt auf eine aktuelle Nachfrage diese Woche nun erneut mit, dass die Installation eines solchen festen Sonnenschutzes im Wöhrdbad baulich „sehr aufwändig“ sei und „eine solche Maßnahme nur im Kontext der Sanierung der Anlage insgesamt zu realisieren ist. Hierfür gibt es allerdings noch keinen konkret definierten Zeitraum.“

Reicht ein Großschirm?

Da die letzte Sanierung des Wöhrdbads erst vor zwei Jahren abgeschlossen wurde, dürfte in naher Zukunft wohl auch in der Tat nicht mit einer neuen zu rechnen sein. Gottschalk räumt aber ein, dass am Babyecken etwas getan werden soll: „Wir sind uns der Tatsache bewusst, dass eine kurzfristige Lösung angestrebt werden sollte. Deshalb prüfen wir die Schaffung eines Provisoriums.“ Eine Lösung könnte etwa ein Großschirm sein, sagt er.

MZ-Redakteur Jürgen Scharf kommentiert die Debatte um den Sonnenschutz am Babybecken:

„Vor zwei Jahren wurde das Wöhrdbad nach einer umfangreichen Sanierung wiedereröffnet. Schnell war klar, dass der Sonnenschutz fürs Kleinkinderbecken nicht ausreichend ist und heutigen Anforderungen nicht genügt. Passiert ist seitdem aber nichts.

Die Eltern versuchen zwar, das Beste daraus zu machen und fungieren mitunter selbst als mobile Schattenspender, um die Kleinkinder vor direkter Sonneneinstrahlung zu schützen. Doch das sollte natürlich kein Dauerzustand sein.

Es ist schlicht ein Rätsel, warum es – trotz entsprechender Medienberichte – bislang keinen breiten politischen Druck in Regensburg gab, damit sich hier etwas ändert. Bei anderen Debatten – Verkehr, Stadthaushalt oder Spitzensportinfrastruktur – überbieten sich die hiesigen Politiker immer wieder gegenseitig mit öffentlichen Bekanntgaben und Forderungen. Vermeintlich kleine – dafür allerdings sehr konkrete – Themen, wie die nötige Verbesserung des Sonnenschutzes für Kleinkinder in einem von der öffentlichen Hand getragenen Bad, fallen dafür offenbar unter den Tisch. Diese Gruppe hat wohl einfach immer noch keine echte politische Lobby.“