Auf Baustelle bei Schwandorf fiel der Watschenbaum um – Arbeiter berichtet von Schlag ins Gesicht

Bauarbeiter Bernhard Haslach (32) versteht die Welt nicht mehr: Bei drückender Hitze hat er am Mittwoch mit seinen Kollegen am neuen Radweg bei Bubach gearbeitet, als er mit einem Radfahrer aneinandergeriet, der sich an die Sperrung nicht halten wollte. Das Ergebnis: eine schmerzende Backe für den Arbeiter aus dem Allgäu und ab sofort erhöhte Polizeipräsenz an der Baustelle.
Im südlichen Stadtgebiet bei Bubach wird derzeit viel gebaut. Der Landkreis Schwandorf saniert dort seit März 2023 zum einen die beiden Naab-Brücken. Die Folge: Die Bubacher müssen seitdem Umleitungen von und nach Schwandorf in Kauf nehmen. Die offizielle Ausschilderung lenkt den Verkehr über Klardorf, Katzdorf und Münchshofen nach Bubach. Eine Strecke, die fast doppelt so lang wie der normale Weg ist – statt zehn sind es nun 18 Kilometer.
Wenige Monate später, im vergangenen Herbst, verschärfte sich die Situation für die Bubacher nochmals. Der Landkreis begann nun auch damit, einen Geh- und Radweg neben der Kreisstraße SAD2 zu bauen und sperrte diese im betroffenen Bereich – konkret zwischen der Ortschaft Waltenhof bis zur Einmündung in die SAD 5 – komplett für den Verkehr. Für die Bewohner des Schwandorfer Stadtteils entfiel somit der Schleichweg über Naabeck in Richtung Stadtzentrum.
Polizei Schwandorf kritisiert Fahrradfahrer scharf
Autofahrern bleibt seitdem nur die offizielle Umleitungsstrecke oder mit der nötigen Ortskenntnis ein Ausflug in die Prärie über Altenried und Wöllmannsbach. Einige Radfahrer glauben da offenbar noch findiger zu sein. Die Polizeiinspektion Schwandorf hat festgestellt, dass sich „insbesondere Fahrradfahrer“ nicht an die Sperrungen halten und die Bauarbeiten behindern. So teilte es Vize-Chef Florian Meier in einem seiner jüngsten Presseberichte mit.
Bauarbeiter Bernhard Haslach und seine Kollegen von der Firma Gebrüder Donhauser bestätigen die Wahrnehmung der Polizei. Kaum ein Tag vergehe, an dem sie nicht Radfahrer bei teils waghalsigen Fahrmanövern beobachten könnten. Wenn möglich, würden sie die Verkehrsrowdys ansprechen und sie auf die Gefahren im Baustellenbereich hinweisen. Oft stießen sie dabei auf Verständnis. Am vergangenen Mittwoch, wenige Wochen vor der Fertigstellung des Radwegs, war das anders.
Haslach war gegen 15.30Uhr gerade dabei, den Schotter zu wässern, als sich ihm ein 49-Jähriger aus dem Stadtgebiet mit seinem Fahrrad auf dem frisch asphaltierten Weg näherte. Der Bauarbeiter ist sich sicher, dass ihn sein Kontrahent schon von Weitem erkennen hätte müssen.
Lesen Sie zum Thema auch einen Kommentar von MZ-Redaktionsleiter Martin Kellermeier. Er findet, dass der Vorfall ein Beispiel dafür ist, was in unserer Gesellschaft falsch läuft.
Und dann ging es ganz schnell, berichtete der Allgäuer: „Er ist mit Vollgas ungebremst in mich hineingefahren.“ Folglich entwickelte sich ein Wortgefecht zwischen den beiden Männern, es ging hin und her. Haslach erinnert sich, dass ihn sein Kontrahent mehrfach als Penner beleidigte. „Und dann hat er ausgeholt und mir eine hergehaut“, berichtete der 32-Jährige. Noch einen Tag später habe er von der Watschn Schmerzen im Gesicht gehabt.
Ermittlungen wegen Körperverletzung und Beleidigung laufen
Der Streit ist inzwischen auch aktenkundig bei der Polizei. Vize-Chef Meier nannte das, was sich am Mittwoch zugetragen haben soll, den „Gipfel“ von all den Vorkommnissen mit Fahrradfahrern im Baustellenbereich bei Waltenhof. Die verständigten Beamten hätten gegen den „rabiaten Radfahrer“ Ermittlungen wegen Körperverletzung und Beleidigung aufgenommen.
Im Rahmen des Strafverfahrens werde zudem das Landratsamt unterrichtet, um zu prüfen, „ob der 49-jährige Fahrerlaubnisinhaber charakterlich geeignet ist, Kraftfahrzeuge im Straßenverkehr zu führen“, teilte Meier mit.
Als Konsequenz aus dem neuesten Vorkommnis will die Polizeiinspektion Schwandorf nun verstärkt Präsenz in dem Baustellenbereich zeigen. Das bestätigte auch Verkehrssachbearbeiter Deniz Birol.
Der Polizeihauptkommissar machte sich am Donnerstagvormittag selbst ein Bild vor Ort. Mit Blick auf die Vorfälle resümierte er, dass die Baustelle bei Waltenhof „problematischer“ als andere im Stadtgebiet verlaufe. „Mit ihrem Verhalten gefährden die Fahrradfahrer nicht nur sich selbst, sondern auch die Bauarbeiter“, sagte Birol. Wer sich nicht an die Sperrung halte, müsse mit einem Verwarnungsgeld von bis zu 55 Euro rechnen.
Anmerkung der Redaktion: Inzwischen hat der beschuldigte Fahrradfahrer Stellung zu den Vorwürfen bezogen. Seine Schilderungen zu dem Fall lesen Sie hier.
