Hinweis nach Aktenzeichen XY: So lief die Leichensuche der Kripo im Paintner Forst

Nach Aufruf bei Aktenzeichen XY meldet sich ein Seher und will den Ablageort der sterblichen Überreste von Kerstin Lee Langley kennen. Die damals 39-Jährige war 2007 in Regensburg verschwunden. Die Suchaktion der Polizei in einem Waldstück verlief ergebnislos.
Schulter an Schulter reihen sich Einsatzkräfte nebeneinander. Im Auftrag der Regensburger Mordermittler durchkämmen 40 Bereitschaftspolizisten ein Waldstück bei Kohlstadt. Sie suchen eine Leiche, die unweit des Sinzinger Ortsteils, an der Grenze zum Landkreis Kelheim, vergraben sein soll. Den Hinweis in den Landkreis Regensburg hatte ein Seher nach der Aktenzeichen-XY-Sendung Mitte Juli gegeben. Fündig wurde die Kriminalpolizei jedoch nicht.
In den Paintner Forst führt nur ein Schotterweg. Mehr als ein Auto hat hier kaum Platz. Die Busse der Bereitschaftspolizei wirbeln den staubigen Weg auf, die Sonne brennt, es ist staubtrocken. Vorbei an weiten Sonnenblumenfeldern und Wiesen deuten Holzlager links und rechts auf eine intensive Waldbewirtschaftung. Das idyllische Fleckchen Natur nutzen oft auch Hausfrauen zum Walken. Polizisten sieht man in dem Gebiet selten.
Am Mittwoch war das anders. Wie Michael Zaschka, der Sprecher des Polizeipräsidiums Oberpfalz bestätigt, gehe man mit der Suche „einem vagen Hinweis nach“. Der Seher Michael Schneider hatte den Ermittlern per Mail Koordinaten genannt – direkt nach dem Aktenzeichen-XY-Spezial zu Vermisstenfällen. Kerstin Lee Langley, deren Fall in der Sendung so erstmals intensiv aufgearbeitet wurde, sehe er „leider tot, einem Verbrechen zum Opfer gefallen“, schrieb er. Im Wald, rund einen Kilometer vom Sinzinger Ortsteil Kohlstadt entfernt, sei ihre Leiche vergraben, „hier oder in der Nähe“.
Kerstin Lee Langleys Verschwinden bleibt mysteriös
2007 war die damals 39-Jährige nach Regensburg gezogen, zu einem Mann, den sie erst kurz zuvor kennengelernt hatte. Nur wenige Wochen später verschwand Kerstin Lee Langley spurlos, ließ einen gerade 17Jahre alten Sohn und auch ihren Bruder zurück. Wie der Beitrag in der Sendung offenbarte, war der Ex aus Regensburg auch im Fokus der Mordermittler. Nicht zuletzt, nachdem seine Ex-Frau erzählte, er habe Langley und eine weitere Frau getötet. Erhärtet werden konnte der Verdacht nie: Eine Suche im Raum Neumarkt endete ergebnislos – die andere Frau war noch am Leben. Das Verfahren gegen den Mann, der einst mit Langley liiert war, wurde deshalb „aus Mangel an Beweisen“ eingestellt.
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Am Mittwoch nun gehen zwei Klassen eines Ausbildungsseminars der Bereitschaftspolizei dem jüngsten Hinweis auf die Frau, die heute 54 Jahre alt wäre, nach. Akribisch und großflächig durchkämmen sie den Bereich rund um den möglichen Ablageort, den Seher Michel Schneider benannt hatte. „Plus einem Radius von 50 Metern, auf jeden Fall südlich des Weges.“ Und weil der Tippgeber seine E-Mail an die Ermittler auch an Medien verschickte, war das Interesse geweckt. Man sei eher skeptisch, deutet Zaschka an, ergänzt aber klar: In diesem Fall seien alle anderen Ansätze ausgeschöpft. „Wir sind an einem Punkt, wo wir wirklich jedem vagen Hinweis auch nachgehen“, betont er.
Gut einen halben Tag läuft die aufwendige Suche im Paintner Forst. Großräumig wird das Waldgebiet ab Mittwochvormittag abgegangen, jeder Meter wird betrachtet. „Gesucht wird nach allem, was in den Wald nicht hineingehört“, erläutert Zaschka vor Ort. Bis um 11.27 Uhr ein angehender Polizeibeamter „Fund, Knochen mit Zähnen“ ruft – und tatsächlich liegt vor ihm genau das. Beamte der Kripo, die etwas abseits in VW-Bussen den Einsatz leiten, klassifizieren diesen Fund etwas später als „vermutlich tierischer Herkunft“.
Spürhunde auf Bereitschaft, aber nicht im Einsatz
Am Nachmittag wird die Suche nach Kerstin Lee Langleys Leiche dann beendet. Spürhunde, die laut Polizeisprecher Zaschka ebenfalls in Bereitschaft standen, kommen nicht zum Einsatz. „Bis zuletzt gab es keine Funde, die den Hinweis erhärtet hätten“, zieht er (Stand 13 Uhr) erste Bilanz. Der Tippgeber meldet sich noch am späten Nachmittag zu Wort: Die Arbeit der Polizei zu kritisieren läge ihm fern, sagt Seher Michael Schneider. „Zielführender wäre aber doch eine Suche mit Knochenspürhunden oder Bodenradar“, meint er.
Zaschka verweist dazu auf die Spezialisten der Regensburger Kriminalpolizei, welche das Einsatzmittel sehr genau abgewogen hätten, und kommentiert auf weitere Nachfrage klar wie knapp: „Wir haben den Hinweis damit abgearbeitet.“



