Aktenzeichen xy-Fall: Ermittler offenbaren alten Verdacht zu Vermisster in Regensburg

Von André Baumgarten · 18. Juli 2024 um 19:00

Eine junge Frau verschwand vor 17 Jahren in Regensburg. Was passiert ist, konnte die Polizei bis heute nicht klären. Jetzt wurde der Vermisstenfall in „Aktenzeichen xy vermisst“ vorgestellt. Während der Sendung gingen einige Hinweise ein.

Eine Frau lernt auf einer Feier einen Mann kennen, zieht zu ihm nach Regensburg und verschwindet wenige Wochen später spurlos. So geschehen im Fall von Kerstin Lee Langley. Seit 17 Jahren ist die Mutter eines damals 17-jährigen Sohnes wie vom Erdboden verschluckt. Am Mittwoch wandte sich die Polizei mit einem Zeugenaufruf in „Aktenzeichen XY...“ an das Publikum und gab dabei erstmals Ermittlungserkenntnisse preis. Nach der Ausstrahlung sei „eine geringe Zahl an Anrufen“ eingegangen, sagt Polizeisprecher Michael Zaschka. „Wir sind soweit zufrieden.“

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In der Spezial-Ausgabe der ZDF-Sendung wurde dem Regensburger Fall ein 18-minütiger Beitrag gewidmet. Demnach hatte Kerstin Lee Langley kurz vor ihrem Verschwinden ihrem Bruder geschildert, wie unglücklich sie in der neuen Beziehung sei. Sie sprach von Kontrollzwang und blankem Horror. Es war das letzte Mal, das sich Bruder und Schwester sahen. Wenige Wochen zuvor war Langley aus Sulzbach-Rosenberg nach Regensburg gezogen. Jetzt plante sie bereits wieder den Auszug. Er habe damals bereits alles organisiert, sagt der Bruder. Dann verschwand die 39-Jährige. Ihr Bruder meldete sie am 2. Juli 2007 als vermisst.

Spur nach Deggendorf?

Der neue Freund gab bei den Ermittlern an, sie habe sich urplötzlich getrennt, sei ausgezogen und mit einem „alten Freund“ in einem dunklen Auto mit Deggendorfer Kennzeichen weggefahren. Das Fahrzeug und dessen Halter konnten nicht ausfindig gemacht werden. Sollte es diesen Freund tatsächlich gegeben haben, so solle er sich bitte an die Polizei wenden, sagte Stefan Halder, Chef des für Kapitaldelikte zuständigen Kommissariats 1 der Regensburger Kripo, im Studio. Sofern Langley die Wohnung tatsächlich freiwillig verlassen hat, dann tat sie das offenkundig unstrukturiert. Die Polizei stellte persönliche Gegenstände sicher, auch den Ausweis. Spuren für ein Verbrechen fanden sich nicht, so Halder.

Die These, dass sie freiwillig verschwunden sein könnte, stützt eine mysteriöse SMS. Sie erreichte Kerstin Langleys Sohn etwa zwei Monate nach ihrem Verschwinden : „Hy my Baby. Habe einen neuen Engel gefunden. Das Leben muss weitergehen“. Ob es die SMS tatsächlich gab, die vom Handy der Vermissten verschickt worden sein soll, ist nicht belegt. Sie wurde gelöscht. „Das ist tatsächlich ein Problem“, erklärte Halder dazu.

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Fünf Jahre später nahm der Vermisstenfall plötzlich Fahrt auf. Bei der Polizei meldete sich eine Person, die Unglaubliches zu berichten hatte: Eine Bekannte habe bei einer Party an Fasching erzählt, dass ihr Ex-Mann, der zuvor mit Langley liiert war, die 39-Jährige und eine weitere Frau umgebracht habe und sie wisse, wo ihre Leiche vergraben sei. Mit Spürhunden durchkämmte die Kripo die sogenannte Märchenwiese im Landkreis Neumarkt – ohne Ergebnis. Im Fokus der Ermittlungen stand, das zeichnet der Beitrag bei „Aktenzeichen XY...“ unmissverständlich nach, der Ex-Freund aus Regensburg. Das Ermittlungsverfahren gegen ihn wurde „aus Mangel an Beweisen“ eingestellt, als die zweite, vermeintlich ermordete Frau lebend ausfindig gemacht werden konnte.

Bruder hat keine Hoffnung

Als Interviewpartner im Film und Studiogast kam am Mittwochabend auch der Bruder von Kerstin Langley zu Wort. Er ist überzeugt, dass die heute 56-Jährige auf keinen Fall „einfach von jetzt auf gleich“ gegangen wäre. Sie hätte sich mit Sicherheit bei ihrem „geliebten Sohn“ oder bei ihm gemeldet. Viel Hoffnung, dass seine große Schwester noch lebt, hat er nicht.

Die Polizei wertet nun die Hinweise aus, „ob sich daraus neue Schlüsse ziehen lassen“, erklärt Polizeisprecher Zaschka. Ein offenes Strafverfahren oder Ermittlungen gebe es aktuell nicht. „Wir behandeln das als laufende Vermisstensache.“ Wie Chef-Mordermittler Halder betonte, sei vom freiwilligen Verschwinden bis hin zu einem Unfall oder gar einem Tötungsdelikt nichts auszuschließen. Das Landeskriminalamt hat eine Belohnung von 10.000 Euro für zielführende Hinweise ausgelobt.

Hinweise nehmen die Polizeidienststellen und die Kripo in Regensburg unter der Telefonnummer 0941/506-2888 entgegen.

Der Ex-Freund brachte einen dunklen Wagen vor, in sie mit einem „alten Freund“ weggefahren sein soll. Foto: ba
Stefan Halder, Leiter des Kommissariats 1 der Kripo in Regensburg, war als Studiogast dabei. Foto: Baumgarten
Als die 39-Jährige die Wohnung ihres Ex verlassen haben soll, ließ sie unter anderem ihren Ausweis da. Foto: ba