Hellseher liefert Kripo Koordinaten: Liegt Kerstin Lee Langley im Wald bei Sinzing?

Von André Baumgarten · 25. Juli 2024 um 19:30

„Aktenzeichen XY“ berichtete über den mysteriösen Vermisstenfall aus Regensburg. Ein Seher sagt, die 2007 verschwundene Frau ist tot und er kennt den Ort, wo ihre Überreste zu finden sind. Die Mordermittler halten sich bedeckt.

Seit über 6230 Tagen wird Kerstin Lee Langley vermisst. Im Sommer 2007 verschwand sie in Regensburg. Nun ist der Fall wieder in aller Munde. Bei „Aktenzeichen XY“ hatten Ermittler erstmals Details zu Hintergründen und zum Leben der damals 39-Jährigen offenbart. Jetzt scheint es neue Entwicklungen zu geben: Die Kripo prüft den Hinweis eines Sehers, der genau wissen will, wo Langleys Leiche vergraben sei – im Paintner Forst unweit von Sinzing im Landkreis Regensburg.

Die E-Mail an das für Mord zuständige Kommissariat 1 der Kripo in Regensburg ging auch an Medien. Darin finden sich exakte Koordinaten, wo die sterblichen Überreste der Vermissten zu finden sein sollen. Er „sehe Frau Langley leider tot, einem Verbrechen zum Opfer gefallen“, schrieb Seher Michael Schneider wörtlich. In einem Waldstück, vielen bekannt als Paintner Forst, etwa einen Kilometer vom Sinzinger Ortsteil Kohlstadt entfernt. Laut dem Seher soll die Leiche „hier oder in der Nähe“ vergraben sein.

Ermittler offenbaren: Es gab schon einen Verdächtigen

Rückblick: Kerstin Lee Langley zog 2007 zu einem Mann nach Regensburg, den sie kurz zuvor kennengelernt hatte. Wenige Wochen später verschwand die damals 39-Jährige spurlos. Der Fall hatte seit 17. Juli größere Beachtung gefunden, weil „Aktenzeichen XY“ in einer Sondersendung berichtete. Die Ermittler gingen erstmals mit Details an die Öffentlichkeit: Der 18-minütige ZDF-Beitrag offenbarte, dass der Ex aus Regensburg im Fokus der Ermittlungen stand, das Verfahren aber „aus Mangel an Beweisen“ eingestellt wurde.

Zuvor soll dessen Ex-Frau erzählt haben, der Mann habe Langley und eine weitere Frau getötet. Der Verdächtigte ist jener Mann, für den die 39-Jährige nach Regensburg zog. Doch auf der sogenannten Märchenwiese im Raum Neumarkt, wo ihre Leiche angeblich vergraben sei, fanden Spürhunde nichts. Dafür fand die Kripo die zweite angeblich getötete Frau – sie lebte noch. Was im Film klar herauskam: Langley, die heute 54 Jahre alt wäre, hatte vor ihrem Verschwinden ihren Bruder um Hilfe gebeten, weil die Beziehung zu dem Regensburger „blanker Horror“ sei, sie psychisch unter Druck gesetzt werde.

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Chefermittler Stefan Halder bat im Aktenzeichen-Studio um Hinweise, vor allem zu einem dunklen Auto mit DEG-Kennzeichen (Deggendorf) – damit soll Langley laut der Aussage des Ex weggefahren sein, als sie sich 2007 schlagartig von ihm trennte.

Eine Spur, die laut Seher Schneider „nichts mit dem Verschwinden von Langley zu tun“ habe. Dass sie freiwillig untertauchte, einem Unfall zum Opfer fiel oder Suizid beging, schloss der 53-Jährige aus. Der mögliche Täter komme aus Regensburg oder Umgebung und habe in persönlichem Kontakt gestanden. Wie Schneider erklärte, will er eine innere Stimme, „so wie ein Gefühl“, gehört haben. Da, wo Augen und Finger auf einer Karte stehenblieben, wäre sie zu finden. Doch wie genau ist das? „Es ist die Stelle, plus einem Radius von 50 Metern, auf jeden Fall südlich des Weges.“

Seher aus Nordrhein-Westfalen: „Ich möchte helfen“

Im Interview verweist der Seher auf Fälle, die dank seiner Hilfe geklärt wurden. „Manchmal liege ich sehr präzise, oft nur ein paar Hundert Meter daneben.“ Und natürlich öfter auch ganz falsch – „doch in Aneinanderreihung aller Fälle kann man nicht mehr von Zufall sprechen“, betonte Schneider. Viel zu schnell wäre bei Sehern von Scharlatanen die Rede: Der Mann mit einem Magister in Politikwissenschaft arbeitet seit 2006 „zu 80 Prozent ehrenamtlich“, will Belohnungen immer dem Tierschutz spenden.

Schneider ist sich im Klaren darüber, dass viele Menschen kritisch sehen, was er tut. „Ich möchte helfen, das steht an allererster Stelle.“ Und: Er will mit seiner Arbeit beweisen, „dass es Übersinnlichkeit wirklich gibt“. Bei Ermittlern stoße er nicht immer auf offene Ohren. Auch bei der Regensburger Kripo? Kommentieren wollte Polizeisprecher Michael Zaschka das nicht. Aber: „Wir gehen selbstverständlich jedem Hinweis nach.“

Chef-Mordermittler Stefan Halder war wie der Bruder der Vermissten in der ZDF-Sendung zu Gast bei Moderator Rudi Cerne. Foto: Baumgarten