Wo einst Freddie Mercury feierte: Brutale Attacke auf 37-Jährigen beschäftigte Gericht in Regensburg

Von André Baumgarten · 23. Juli 2024 um 12:00

Männer-Badehaus, Irrgarten, Pornokino: Die Katakomben eines Hotels in München sind vielen Homosexuellen ein Begriff. Im Januar war ein Zimmer der Schauplatz eines Dramas, das nun in Regensburg vor Gericht aufgearbeitet werden sollte. Doch es kam anders.

Mehr als eine Viertelmillion Fälle häuslicher Gewalt gab es 2023. In zwei Drittel der Fälle sind es laut Statistik die Partner, die physisch oder psychisch Gewalt ausüben – und auch in gleichgeschlechtlichen Beziehung gibt es das, wie ein aktueller Fall in Regensburg zeigt.

Das Ganze spielte in einem bekannten Münchner Hotel, in dem selbst Queen-Frontmann Freddie Mercury in den 1980er-Jahren als Stammgast verkehrte, wo es bis heute schnellen und unkomplizierten Sex geben soll. Der Prozess um einen angeklagten, fast einstündigen Übergriff eines Regensburger endete am Montag am Amtsgericht jedoch sehr abrupt.

Die Vorwürfe gegen den 31-Jährigen wogen schwer: Wegen gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung musste sich der Mann vor dem Schöffengericht verantworten. Laut Anklage verprügelte er am 21. Januar seinen Lebensgefährten offenbar aufs Übelste. Von Würgen, heftigen Schlägen und Tritten war da zu lesen, wüste Beschimpfung inklusive. Das Opfer soll bei dem Angriff ein Vielzahl Prellungen, Platzwunden und auch Hämatomen davongetragen haben.

Trotz allem sind die beiden Männer noch ein Paar

Doch von alldem wollte der Angeklagte nichts wissen: Seinen Strafverteidiger Jörg Meyer ließ der 31-Jährige vortragen, dass das alles „einfach nicht stimmt“. Vielmehr habe das mutmaßliche Opfer zuerst zugeschlagen. Es sei zu „einem massiven Streit“ gekommen, bei dem man wechselseitig geschlagen, getreten, geschubst und sich beleidigt habe. Sein Mandant wäre im Anschluss geflüchtet. Aber: Beide Männer seien noch immer ein Paar und hätte sich schon längst verlobt, wäre der Ältere nicht noch mit einem anderen verheiratet.

„Ja, es ist eine wilde Beziehung“, ergriff der Angeklagte das Wort. Er lebe mit dem 37-Jährigen zusammen. „Wir arbeiten das alles auch gemeinsam auf“, betonte er. Wie vor Gericht zur Sprache kam, war es nicht das erste Mal, dass Gewalt eskalierte – im Spätsommer 2022 und auch 2023 kam es laut Akten zu ähnlichen Vorfällen. Jedes Mal stand Aussage gegen Aussage, die Ermittlungen wurden eingestellt und man versöhnte sich. Vor Gericht sprach der 31-Jährige nun gar von womöglich gefälschten Unterschriften des Lebensgefährten unter dessen Vernehmungen zur Eskalation in der unter Homosexuellen weltbekannten Hotels in München.

Das könnte Sie ebenfalls interessieren: 23-Jähriger legte Feuer in Regensburg – Hatte der Mieter offene Drogenschulden?

Das namhafte Hotel nahe dem Gärtnerplatz in der Landeshauptstadt hat seinen Ruf: „Oben Weißwurst, unten Darkroom“ wirbt die Stadt auf offiziellen Seiten für Deutschlands größte Männer-Sauna mitten in München. Während die gutbürgerliche Gastronomie im Erdgeschoss viele Gäste anlockt, ist der Keller nichts für „Jedermann“. Unter fünf Häuser erstrecken sich weitläufige Katakomben, die laut alter Fotos auch Queen-Frontmann Mercury seliges Lächeln ins Gesicht zauberten. Dort gibt es Pornokino, Irrgärten und spezielle Kämmerchen für körperliche Betätigungen, die weniger etwas für klassische Touristen sein dürften.

Alles Details, die das Regensburger Schöffengericht aber nicht weiter beschäftigten. Der Fall war aufgrund des sogenannten Wohnortprinzips hier verhandelt wurden. Nach einer wort- und gestenreichen Einlassung des Angeklagten rief Richterin Cornelia Blankenhorn zuerst dessen Bewährungshelfer in den Zeugenstand. Wobei deutlich wurde, dass der 31-Jährige vielfach und auch einschlägig bekannt ist – zehn Verurteilungen gab es. Von „ganz ungesunden Abhängigkeiten“ berichtete der Bewährungshelfer. Und: Als es auf den Tag genau vor sechs Monaten im Hotel eskalierte, lief Bewährung. Bei einer neuen Verurteilung drohten viele Jahre im Gefängnis.

Mutmaßliches Opfer (37) verweigert Aussage vor Gericht

Doch dazu kam es nicht, weil der Lebensgefährte sein Aussageverweigerungsrecht zog und schweigen wollte, wie es Richterin Blankenhorn wohlwollend auslegte, ehe sie dann ein Rechtsgespräch anregte. Und damit endete der Prozess auch recht abrupt – das Verfahren gegen den Angeklagten wurde vorläufig eingestellt. Allerdings unter der Auflage, dass der 31-Jährige ein Anti-Gewalt-Individual-Training absolvieren und das auch nachweisen muss.