Chefankläger in Regensburg zieht Bilanz: Kriminalität bleibt „eine Herausforderung“

Von André Baumgarten · 24. Juli 2024 um 18:11

Personell gestärkt strukturiert sich die Regensburger Staatsanwaltschaft um – die Referate für Sexualstraftaten, Jugendkriminalität und -schutz sowie für Gewalt im sozialen Nahbereich sollen schlagkräftiger werden. Auch, weil Straftäter immer jünger werden.

38.985 neue Ermittlungsverfahren haben die Staatsanwaltschaft in Regensburg auch 2023 stark gefordert. Ein Plus von fünf Prozent zum Jahr davor, wie Leitender Oberstaatsanwalt Theo Ziegler gestern Bilanz zog. Angesichts personeller Verstärkung mit fünf zusätzlichen Stellen allein in diesem Jahr sprach er von einer Stabilisierung. Und der neue Chefankläger Regensburgs gewährte erstmals einen Blick auf aktuelle Tendenzen: „Es bleibt eine Herausforderung.“

Die neuen Ankläger, die seit Juli, ab Spätsommer und wohl zu Jahresbeginn 2025 in Regensburg arbeiten, ermöglichen eine Umstrukturierung in der Behörde: Verkehrsstrafsachen sollen bald in ein eigenes Referat ausgelagert werden, in dem auch allgemeine Strafsachen bearbeitet werden. Damit will der neue Leiter der Staatsanwaltschaft eine andere Abteilung „stärken und schlagkräftiger machen“ – die Referate, die für Sexualstraftaten, Jugendkriminalität und -schutz sowie für Gewalt im sozialen Nahbereich zuständig sind.

Ziegler, selbst jahrelang Vorsitzender einer Jugendschutzkammer am Landshuter Landgericht, sieht das als einen der Schwerpunkte. So könne vor allem auf die zu erwartende Steigerung bei Straftaten Jugendlicher und Heranwachsender reagiert werden. Hier zeichnet sich im laufenden Jahr ein erhebliches Plus ab, so Ziegler. Setze sich speziell bei Körperverletzungsdelikten der Trend aus dem ersten Quartal 2024 fort, würde das ein Plus von fast 50 Prozent bedeuten. Eine ähnliche Tendenz gebe es bei Diebstählen, die schon 2023 um fast ein Viertel stiegen. „Da müssen wir nun auch dranbleiben.“

Mehr Sexualstraftaten in Regensburg

Ein ähnliches Bild biete sich laut der Bilanz im Bereich Sexualstraftaten: Hier stiegen die Verfahren von 305 im Jahr 2022 um fast 19 Prozent auf 362 im vergangenen Jahr. Bemerkenswert: Die Fälle von Kinderpornografie (433 auf 314) und auch Kindesmissbrauch (181 auf 128) sanken im Jahresvergleich deutlich. Erfasst seien darin jedoch alle Anzeigen, also auch jene, die sich Nachgang als falsche Verdächtigungen identifiziert werden. Wie im Fall einer 27-Jährigen, die vorgab, im Januar nahe dem Schwammerl vergewaltigt worden zu sein, dann aber gestand, den Übergriff nur erfunden zu haben.

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Auch im Bereich Rauschgiftkriminalität stiegen die Zahlen 2023 weiter – hier deute sich laut der Prognose im aktuellen Jahr aber „eine leicht rückläufige Tendenz an“. Laut Leitendem Oberstaatsanwalt Theo Ziegler spielt hier das Cannabisgesetz hinein – dafür spreche auch, dass die Zahl schwerer Drogendelikte deutlich weniger gesunken sei. „Dank gestärkter Personaldecke können wir in Regensburg eine effektive Strafverfolgung betreiben“, betonte der 61-Jährige im MZ-Bilanzgespräch sehr klar. Und: Im Großen und Ganzen sei die Stadt „ein durchaus sicheres Pflaster“, nicht zuletzt, weil man die Lage im Bahnhofsumfeld habe beruhigen können.

Fallzahlen von Mord und Totschlag steigen an

Über dem Plus von neun Prozent bei allgemeinen Straftaten Erwachsener (14 428 auf 15 733) fallen in der Bilanz für 2023 jedoch Kapitalverbrechen wie Mord oder Totschlag auf: Von 21 Fällen 2022 ging es vergangenes Jahr auf 33 Fälle hoch. „Und das scheint sich auch in dem Jahr fortzusetzen“, sagte Ziegler. Immer häufiger seien bei tätlichen Auseinandersetzungen Messer im Spiel – ein Trend, der schon seit dem Frühsommer des vergangenen Jahres sehr konstant anhält.