Illegal mit dem Auto durch die Fußgängerzone: Haben die Kontrollen geholfen?

Den Schildern nach ist die Marktstraße in Neumarkt auf Höhe des Rathauses eine Fußgängerzone. Sie fühlt sich aber nicht so an. Was unter anderem an Autos liegt, die verbotenerweise durchfahren. Zumindest behaupten das viele Neumarkter. Die Redaktion hat sich deswegen an einem Freitagvormittag auf die Lauer gelegt.
In diesen Tagen ist die Fußgängerzone und wie sich die Passanten in dieser fühlen, stärker im Fokus als üblich. Der Altstadtsommer will den Raum um das Rathaus attraktiver machen. Mit Rollrasen, Pavillons und Sitzgelegenheiten sollen die Menschen davon überzeugt werden, sich in einem Bereich aufzuhalten, der trotz des rechtlichen Labels Fußgängerzone stark vom fahrenden Verkehr dominiert wird.
Linien- und Schulbusse, Lieferanten (zwischen 6 und 10 Uhr) und Radfahrer dürfen durchfahren. Auch städtische Fahrzeuge, wenn sie einen konkreten Anlass dazu haben und solche mit Ausnahmegenehmigungen (beispielsweise für einen Umzug).
Stichprobe: Wie viele Autos fahren illegal durch Neumarkter Fußgängerzone?
Tatsächlich herrscht um 10.30 Uhr am Freitag reges Treiben. Ein steter Strom an Radfahrern fährt die Marktstraße rauf und runter. Dazu kommen viele Busse. Lieferanten, die um diese Uhrzeit laut Beschilderung nicht mehr durchfahren dürfen, ist im Verlauf von einer Stunde einer zu sehen. Was bei allen auffällt: An die laut Stadt vorgeschriebene Schrittgeschwindigkeit hält sich kaum einer.
Interessant ist, wie viele „normale“ Autos binnen einer Stunde das Fahrverbot brechen. Es dauert nicht lange, da fährt das erste vom Oberen Markt her durch die Fußgängerzone und weiter zum Unteren Markt. Das Kennzeichen ist das einer fränkischen Stadt. Einige Zeit später folgt ein Auto mit Kennzeichen „AS“. Der Nachbar aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach ignoriert ebenso die Verbotsschilder wie im weiteren Verlauf zwei Autos mit einheimischen Nummernschildern.
Neumarkter OB beobachtet die Situation von seinem Amtszimmer
Vier Autos innerhalb von einer Stunde lautet das nicht repräsentative Ergebnis. Es unterstreicht aber, was Oberbürgermeister Markus Ochsenkühn (CSU) sagt: „Die Situation ist nicht okay. Es fahren zu viele Autos verbotenerweise durch“. Er sehe das täglich von seinem Büro im Rathaus aus.
Die Verwaltung erklärt auf Anfrage, dass sich die Lage dennoch verbessert habe. Sie macht das an den Zahlen des Zweckverbands Kommunale Verkehrssicherheit Oberpfalz fest. 2020 hatte der Stadtrat diesen beauftragt, auch die Durchfahrt zu kontrollieren. Die Verstöße seien seither zurückgegangen, sagt die Verwaltung.
Seit 1. Januar 2022 haben die Kontrolleure laut Stadt 137 Verfahren gegen Fahrer eingeleitet, die unerlaubterweise die Fußgängerzone passiert haben. Die Bußgelder dafür reichen von 50 Euro (Auto) bis hin zu 100 Euro (Lastwagen). Nicht inbegriffen in die 137 Verfahren sind die Fälle, bei denen Fahrzeuge widerrechtlich hielten oder parkten. Wie oft die Kontrolleure in den zweieinhalb Jahren vor Ort waren, kann die Stadt nicht sagen. Die Anzahl der Kontrollen werde nicht dokumentiert.
„Die Dunkelziffer ist deutlich höher“, ist Olaf Böttcher überzeugt, dass die Kontrolleure nur die Spitze des Eisbergs zutage bringen. Der Grünen-Politiker ist zugleich Verkehrsreferent im Stadtrat und sagt: „Wir müssen etwas machen.“ Über Kontrollen allein werde man das Problem nicht in den Griff bekommen. Die Politik müsse eine eindeutige Entscheidung treffen.
Versenkbare Poller für die Neumarkter Fußgängerzone diskutiert
Wobei eine solche im Grundsatz seit vielen Jahren besteht, als sich der Stadtrat für eine Fußgängerzone rund um das Rathaus entschied. Allerdings weichen Ausnahmen für den motorisierten Verkehr die Regel auf.
An den Bussen wird sich so schnell nichts ändern, ist Böttcher überzeugt. Er regt aber an, dies auf Stadtbusse zu begrenzen. Ältere Neumarkter müsse es weiter möglich sein, die Verwaltung im Rathaus per Bus zu erreichen. Wer jedoch in eine der Nachbargemeinden möchte, könne auch mit Haltestellen am Unteren oder Oberen Markt bedient werden statt mit solchen am Rathaus.
Für das Problem des illegalen Durchgangsverkehrs sieht Böttcher nur eine Lösung: „Die Diskussion geht in die Richtung versenkbarer Poller“. Das ist nicht neu und wird schon seit inzwischen Jahrzehnte diskutiert. Auch Markus Ochsenkühn hat im OB-Wahlkampf auf diese Lösung verwiesen.
Jetzt, in Amt und Würden, bittet Ochsenkühn um Geduld: „Ich habe das Thema auf meinem Tisch“. Er peilt eine Lösung im Zuge der Umgestaltung des Rathausumfeldes an. Die ist ebenfalls seit vielen Jahren im Gespräch. Mit dem Altstadtsommer soll sie jetzt aber wieder Fahrt aufnehmen.
Die Aktion könnte selbst ein erster Schritt sein, das Bewusstsein für diesen Bereich der Marktstraße zu verändern. Wo sonst nur Kopfsteinpflaster ist, zwingt eine große Rasenfläche den motorisieren Verkehr dazu, einen Bogen zu fahren. Im Idealfall signalisiert die Schikane den Köpfen der Fahrer: Das hier ist keine Straße. Hier haben Fußgänger Vorrang.
