Vermüllte Toilette und Fäkalien an der Wand: Wenn Schüler nicht mehr aufs Klo gehen wollen

Von Wolfgang Endlein · 10. Juli 2024 um 11:00

Um das stille Örtchen an Schulen ist es zuletzt etwas lauter geworden. Zum Beispiel bei einem Schultoiletten-Gipfel, den ein Verein namens German Toilet Organization (GTO) in Berlin ausgerufen hat. Klingt alles kurios? Der Anlass ist jedoch ernst und betrifft auch Neumarkt. Zum Beispiel die Schule in Woffenbach.

„Es ist seit vielen Jahren ein Problem“, sagt deren Leiterin Gisela Winkler. Vermüllte oder beschmierte Toiletten sind noch die harmlosen Passagen in den Erzählungen Winklers über die Auswüchse in den Schultoiletten. An die Wand geschmierte Fäkalien oder „Jungs, die fröhlich rumstrullern“ , haben die Lehrer erlebt.

„Es sind nur einige schwarze Schafe“, betont Winkler. Wenn die Lehrer eines erwischten, könne er oder sie oftmals gar nicht den Grund benennen. Die wenigen wirken sich jedoch auf viele aus. Schüler gingen nicht gerne auf die Toiletten, hat Winkler beobachtet. Manche Kinder essen und trinken deswegen nichts, um den WC-Gang zu vermeiden.

Gerüchte über Klo-Verbot an Neumarkter Schule

Die Schule habe einiges versucht, um beispielsweise über regelmäßige Reinigungen und Kontrollen Herr des Problems zu werden, sagt die Schulleiterin. Ein Verbot, während des Unterrichts auf die Toilette zu gehen, habe es aber nicht gegeben, betont Winkler. Entsprechend Gerüchte hatten auch unsere Redaktion erreicht.

Alle Bemühungen ändern aber nichts an einem Umstand: Einige der Toiletten sind sehr alt und nicht einladend. Dunkelbraune Fließen, Risse in der Wand, sichtbar abgenutzte Armaturen und Toilettenschüsseln, so zeigen sich einige der WC-Anlagen in der Schule. „Wenn eine Toilette alt ist, glaubt man offenbar, dass man sich dort nicht reinlich verhalten muss“, sagt Winkler.

Sanierung der Toiletten kostet Neumarkt rund 70000 Euro

Die Stadt wird die Schule an anderer Stelle neu bauen. Doch bis dahin werden noch Jahre vergehen. Das Rathaus hat deswegen entschieden rund 65000 bis 70000 Euro in die Hand zu nehmen, um die Toiletten aus den 1960er Jahren attraktiver zu gestalten. Die WCs aus dem Jahr 1995 werden nicht angetastet. Zum neuen Schuljahr soll die Sanierung fertig sein. „Wir können nicht akzeptieren, dass Schüler nicht auf Toilette gehen, weil sie sich dort nicht wohlfühlen“, sagt Oberbürgermeister Markus Ochsenkühn, der sich selbst vor Ort umgesehen hat. „Ich habe mich an meine Schulzeit erinnert. Und die liegt schon einige Zeit zurück...“

Man sei der Stadt dankbar, sagt die Schulleiterin, die aber auch überrascht ist: „Wir haben gedacht, dass die Armaturen ausgetauscht werden. Aber die Stadt hat gesagt: ,Wenn wir was machen, dann gescheid‘“.

Neben neuen Armaturen bekommen die Toiletten hell gestrichene Wände. Die Kabinen werden großflächig mit bunten Bilderfolien beklebt, die sich die Schüler in einer Abstimmung selbst aussuchen durften. Die Jungs entschieden sich beispielsweise für einen Jackett tragenden blauen Gorilla mit Sonnenbrille.

Davon, die Schüler zu beteiligen, erhofft sich OB Ochsenkühn einen positiven Effekt. „Es ist ihr Projekt geworden.“ Und mit dem gehen sie pfleglicher um, so die Hoffnung. Der Rathauschef ist überzeugt, dass sich der Aufwand lohnt. Auch weil das Gebäude nach dem Umzug der Schule in den Neubau möglicherweise weiter genutzt werden könnte.

Doch könnte auf die Stadt infolge des Woffenbacher Beispiels eine Welle an notwendigen Modernisierungen in den von ihr unterhaltenen Grund- und Mittelschulen zurollen? Ins Auge stechen hierbei Pölling und Holzheim als zwei ältere Schulgebäude.

„Uns hat man zugesagt, dass wir die nächsten in der Warteschlange nach Woffenbach sind“, sagt Pöllings Schulleiterin Christina Graf zu einer Generalsanierung. Bei den Toiletten gebe es aktuell aber nichts Akutes. Auch in der Holzheimer Schule bestünden aktuell keine Probleme, sagt deren Leiterin Andrea Hiltl.

Woffenbacher Schüler machen Klodienst

„Wir müssen es wissen, dann schauen wir es uns an“, sagt Oberbürgermeister Ochsenkühn. Wenn was wäre, werde man schnell handeln, verspricht er und dass die Stadt im regelmäßigen Kontakt mit den Schulleiterin sei.

Doch eine gute Infrastruktur ist nicht alles, betont die German Toilet Organization. Sie fordert, dass Schüler pädagogisch begleitet werden beim Thema Schultoilette. In Woffenbach haben Lehrer und Schüler flankierend zur Sanierung der Toiletten gemeinsam Kloregeln erarbeitet.

„Ich setze mich ordentlich auf die Toilette“, „Ich mache keinen Quatsch“ oder „Ich benutze ein paar Tücher Klopapier“ lauten einige der Regeln. Damit diese auch greifen, nehme man die Schüler mit in die Verantwortung, sagt Winkler. Es gibt einen von den Schülern getragenen Dienst, der die Toiletten regelmäßig kontrolliert und Probleme meldet. Schulleiterin Gisela Winkler ist deswegen für das neue Schuljahr positiv gestimmt: „Das wird gut“.

Mit Klebepunkten stimmten die Schüler an der Schule im Neumarkter Stadtteil Woffenbach über Vorschläge für Bilderfolien ab. Mit diesen werden die Kabinen in den sanierten Toiletten beklebt. Foto: Endlein