Neumarkter Stadtrat beschließt: Woffenbach bekommt eine neue Grundschule

Jahrelang wurde die Sanierung der Grundschule in Woffenbach aufgeschoben. Jetzt hat der Neumarkter Stadtrat sich gegen eine Sanierung entschieden. Stattdessen soll eine moderne neue Schule entstehen – auf der grünen Wiese.
Nach einer Klausurtagung hatte sich der Weg bereits abgezeichnet: Eine Sanierung der Gebäude, die teilweise aus den 60er und 70er Jahren stammen, lohnt sich nicht. „Am Ende hätten wir doch wieder einen Altbau“, sagte CSU-Stadtrat Peter Ehrensberger.
Auch wenn nach ersten Kostenschätzungen des Architekturbüros Berschneider + Berschneider eine Sanierung für rund 12,56 Millionen etwa zwei Millionen Euro günstiger ausfallen könnte, war er der Ansicht: „Das ist der falsche Platz zum Sparen.“ Ganz abgesehen davon, dass man nie wüsste, welche Schadstoffe zutage treten, gab Peter Grewe von der UPW zu bedenken.
Und die Generalsanierung sei enorm aufwendig, erklärte Architekt Robert Kaschke: Die Barrierefreiheit ließe sich durch einen Aufzug lösen, aber für die Dämmung und Erneuerung der Technik samt Lüftung stelle der Stahlbetonbau mit seiner Kassettendecke „eine enorme Herausforderung“ dar. Außerdem erfülle die Einfachturnhalle nicht einmal die heutigen Flächenvorgaben.
Dieter Ries stimmt für die Sanierung
Trotzdem votierte Dieter Ries (FLitZ) als einziger für die Sanierung, weil er sie für wirtschaftlicher und umweltfreundlicher hält und der neue Standort zu weit außerhalb liege. Außerdem sei eine Dreifachturnhalle überdimensioniert – stattdessen sollten die Vereine finanziell gefördert werden, damit sie sich selbst eine Halle bauen könnten.
Oberbürgermeister Markus Ochsenkühn widersprach: Da auch Kinder aus Stauf die Grundschule besuchten, halte er den Platz für passend. Zumal, da auf dem neuen Grundstück Platz für eine Dreifachturnhalle bestehe: „Und die brauchen wir für die Vereine.“ Diese Ansicht teilten Stadträte quer durch die Parteien. Denn die Hallenzeiten seien hart umkämpft, hieß es.
Zweite Bürgermeisterin Gertrud Heßlinger, deren Partei jahrelang immer wieder auf den schlechten Zustand der Grundschule in der Fibelstraße verwiesen hatte, freute sich sehr über den Neubau. Als Familienreferentin sorge sie sich aber um die Zukunft der Kinderkrippe direkt nebenan. „Die wird erst einmal dort bleiben“, sagte Markus Ochsenkühn.
Die Krippe war ein weiterer Grund, weshalb die Mehrheit der Stadträte sich für den Neubau an anderer Stelle ausgesprochen hat: Denn die Architekten hatten im Zuge der Machbarkeitsstudie auch untersucht, ob es möglich wäre, auf demselben Grundstück neu zu bauen. Dann wäre jedoch wahrscheinlich die neue Mensa samt Küche in die Räume der Kinderkrippe gezogen, denn einzige Alternative wären Räume im Keller gewesen, führte Geschäftsführer Andreas Schmid aus.
Das notwendige Raumprogramm für die flexible Grundschule wäre durchaus an Ort und Stelle unterzubringen, sagte Schmid, zusammen mit einer Zweifachturnhalle. Allerdings hätten die Kinder dann wohl zwei Jahre lang neben einer Großbaustelle und teilweise in Containern unterrichtet werden müssen, sagte Schulreferent André Madeisky.
UPW will einen Kostendeckel für die neue Grundschule
Die Räte der Freien Wähler stimmten ebenfalls für den Neubau auf der grünen Wiese. Allerdings mahnten sie die Kosten an: Peter Grewe griff das Konzept der Lerncluster von den Architekten auf, das in der Bildungslandschaft durchaus auch kritisch diskutiert werde. Es benötige mehr Fläche. „Kinder brauchen vor allem eine angenehme Lernatmosphäre.“
Der Fraktionsvorsitzende Martin Meier sprach einen Kostendeckel an, wenn dann die konkreten Kosten auf dem Tisch lägen. 26 Millionen Euro sehe er als „Leitplanke“. Und Sebastian Schauer verwies auf das Neumarkter Bauunternehmen Klebl, das beispielsweise in Berlin mehrere Schulen als Generalunternehmen schlüsselfertig realisiert habe. „Dann hätten wir die Kosten im Griff.“
Das sei eine Möglichkeit, die geprüft werde, versprach Ochsenkühn – allerdings sei auch ein Generalunternehmen keine Garantie dafür, dass die Kosten eingehalten würden.
Man müsse sich Gedanken darüber machen, was mit dem alten Schulgebäude passieren solle – ebenso wie mit der alten Hauptfeuerwache, die ja ebenfalls ersetzt werde, merkte Eva Borke-Thoma von den Grünen an.
Daten und Fakten zur Woffenbacher Grundschule:
Neuer Standort: Das Grundstück liegt direkt gegenüber der Fußballplätze des BSC Woffenbach an der Hochstraße. Dort befindet sich derzeit noch ein Feld. Die Straße könnte mit einem Wendehammer in Richtung Münchner Ring abgeschlossen werden.
Kosten Fibelstraße: Die Sanierung der Grundschule in der Fibelstraße samt der Einfachturnhalle würde laut ersten Schützungen rund 15,45 Millionen Euro kosten. Ein Ersatzneubau an selber Stelle mit einer Zweifachturnhalle käme auf etwa 21,29 Millionen Euro.
Kosten Hochstraße: Ein Neubau am Ortsrand mit einer Zweifachturnhalle schlüge nach aktuellen Berechnungen mit circa 21,74 Millionen Euro zu Buche, mit einer Dreifachturnhalle mit 25,45 Millionen.
Warnung: Die finanziellen Ansätze beruhen auf der Grundlage der Kosten aus dem dritten Quartal 2023. Deshalb können sie bis zu einem möglichen Baubeginn des Projekts noch deutlich höher liegen, gab Architekt Andreas Schmid zu bedenken.

