OB-Kandidaten erklären, was sie in Neumarkts Innenstadt verändern wollen

Von Wolfgang Endlein · 24. September 2023 um 10:39

Wie es um die Neumarkter Altstadt steht und was sie braucht oder auch nicht, variiert je nachdem, mit wem man spricht. Wo stehen die fünf OB-Kandidaten in dieser Debatte? Insbesondere beim Verkehr gibt es große Unterschiede.

Matthias Sander (SPD) will eine Neumarkter Marktstraße ohne Verkehr

Sander will die Aufenthaltsqualität erhöhen und strebt dafür einen radikalen Schnitt an. „Ich bin für eine autofreie Innenstadt“, sagt er. Parken könnten Autos in den umliegenden Parkhäusern, von dort sei die Innenstadt fußläufig gut zu erreichen. An den Enden der Marktstraße will er Taxischleifen installieren. Die Zufahrt für Rettungsfahrzeuge sollen versenkbare Poller ermöglichen. Ohne Autos kann aus Sanders Sicht eine große Fußgängerzone barrierefrei ausgebaut und die Gastronomie ausgeweitet werden. In der Mitte böte sich zudem Platz, um Pop-Up-Stores anzusiedeln.

Markus Ochsenkühn (CSU) will Marktstraße von Verkehr entlasten

„Neumarkt hat eine schöne Altstadt, die lebendig ist, sich also verändert“, urteilt Ochsenkühn. Für mehr Aufenthaltsqualität brauche es in Zeiten des Klimawandels mehr Schatten etwa durch Bäume und Wasserspiele. Kleine Verbesserungen wie Fahrradstellplätze und Sitzplatzmöglichkeiten seien schnell möglich. Mit in seine Überlegungen bezieht er die Hallertorstraße ein. Insbesondere der Gehwegbelag müsse angegangen werden.

Die Marktstraße will Ochsenkühn vom Verkehr entlasten. Die beschränkte Durchfahrt am Rathaus müsse durch Poller klar geregelt werden. Attraktivere Parkhäuser und Pendelbusse beispielsweise zum Volksfestplatz sollen den Parksuchverkehr in der Marktstraße reduzieren. Parkplätze für Anwohner will er auf dem Gelände der alten Feuerwache nach deren Abriss errichten.

Marco Winkler (Linke): Weniger Parkplätze in Neumarkt Innenstadt sind vertretbar

Aus Winklers Sicht wurde die Innenstadtentwicklung viel zu lange aufgeschoben. Auf seiner Agenda steht zuoberst, die Barrierefreiheit insbesondere beim Belag. Er will in der Marktstraße den motorisierten Verkehr reduzieren durch eine andere Buslinien-Führung in der Stadt, er will Shuttle-Busse zu außen gelegenen Parkplätze einrichten und eine bessere Beschilderung der Parkhäuser. Zugleich sollen Fußgänger und Radler durch eine bessere Infrastruktur gefördert werden.

All dies zahlt ebenfalls auf die Aufenthaltsqualität ein, die aus Winklers Sicht erhöht werden muss. Mehr Grün, mehr (mobile) Sitzmöglichkeiten, bessere öffentliche Toiletten und dazu eine aktive Beteiligung der Bewohner sollen die Innenstadt zu einem attraktiven Treffpunkt machen. Und das über die Marktstraße hinaus. Es gelte auch die benachbarten Gassen einzubeziehen.

„Diese Veränderungen werden nicht nur die Anziehungskraft der Stadt steigern, sondern auch den örtlichen Einzelhandel unterstützen“, sagt Winkler. Der Verlust von einigen Besucher-Parkplätzen werde von niemandem bedauert werden. „Denn Menschen kaufen ein, nicht Autos.“

Ira Hörndler (FDP) hat die Idee einer Einbahnstraße für die Marktstraße in Neumarkt

Auch Hörndler beschäftigt der Konflikt: Geschäfte sollen weiter für den Verkehr erreichbar sein, gleichzeitig soll die Aufenthaltsqualität in der Altstadt erhöht werden. Ihre Idee: Oberer und Unterer Markt werden Einbahnstraßen. Der Verkehr fließt über Seitenstraßen ab. Das und schräge Parkplätze werde Platz schaffen für breitere Gehflächen, Radwege und mehr Grün. Mittelfristig will sie umliegende Parkhäuser und Plätze durch autonom fahrende Kleinbusse an die Altstadt anbinden und so dort den Verkehr reduzieren. Ihre Idee bringe mehr Verkehr für Seitenstraßen, aber auch mehr Sichtbarkeit für dortige Geschäfte, sagt sie. Die will sie zudem durch eine Semmeltaste für ganze Innenstadt fördern.

Für eine attraktive Altstadt brauche es auch Nutzung über Gastro und Geschäfte hinaus. Hörndler will das Wohnen dort weiter vorantreiben. Es gebe noch genügend Leerstand. Davon profitierten auch die Geschäfte über die Nachfrage.

Thomas Thumann (UPW): Altstadt wäre Schwerpunkt einer weiteren Amtszeit als OB

„Wir haben eine wunderschöne Altstadt“, sagt Thumann. Der Kritik, dass die große Innenstadtsanierung seit Jahren ruht, hält er entgegen: Während Corona habe die Stadt nichts machen können und danach wären langwierige Bauarbeiten schädigend für den angeschlagenen Handel gewesen. Außerdem verweist der amtierende OB darauf, dass durchaus etwas passiert sei und passiere. Er nennt die Bauarbeiten am Residenzplatz, die Pläne für die Abtsdorfer Gasse und die diversen privaten Bauvorhaben. Zudem sei ein neues Pflaster allein nicht das Allheilmittel. Auch er sieht in mehr Aufenthaltsqualität das Ziel.

Dabei wird es um das Thema Parkplätze gehen. Eine komplette Fußgängerzone ohne Autos wäre aus seiner Sicht der Todesstoß für den Handel. Allerdings kann er sich durchaus vorstellen, Parkplätze anders anzuordnen und damit etwas zu reduzieren. Dadurch erhielten andere Zwecke (Gastro, Sitzmöglichkeiten, Bäume, Radständer) mehr Raum. Es brauche zudem einen besseren Durchfluss des Verkehrs.

Bei einer Wiederwahl werde die Innenstadt ein Schwerpunkt sein, sagt Thumann. Es gelte ein Gesamtkonzept zu erarbeiten und die Bauarbeiten so umzusetzen, dass die Innenstadt davon möglichst wenig beeinträchtigt werde.