Rollrasen und Pickleball: Ab 1. Juli wird der Rathausplatz in Neumarkt ganz anders aussehen

Von Wolfgang Endlein · 21. Juni 2024 um 05:00

Von Anfang Juli bis Ende September wird sich die Neumarkter Altstadt rund um das Rathaus optisch erheblich verändern. Was genau die Neumarkter im Zeitraum bis 30. September erwartet und was daraus langfristig entstehen soll, erklären Stadt und Aktives Neumarkt.

„Eigentlich ist es ja eine Fußgängerzone“, sagt Christian Eisner, Geschäftsführer von Aktives Neumarkt. Er steht inmitten der Marktstraße unweit des Rathauses und zeigt auf die entsprechenden Verkehrsschilder. Aber als Fußgängerzone fühle sie sich nicht wirklich an, sagt Eisner. Die Menschen benutzen hauptsächlich die Gehsteige. Denn vor allem der Busverkehr rollt weiterhin an dieser Stelle durch die Straße.

Das wird auch das Projekt Altstadtsommer nicht ändern. Aber er will den Passanten die Gelegenheit geben, die Fußgängerzone neu für sich zu entdecken. „Wir haben hier ein Areal, das schreit nach Ideen“, sagt Eisner. Aufenthaltsqualität ist dabei das Stichwort.

An der Stelle, wo unweit des Rathauses die Schulbusse halten, ist eine rund 40 Meter lange und acht Meter breite ungenutzte Fläche. Rollrasen wird hier ab 1. Juli das Kopfsteinpflaster vorübergehend überdecken und zum Verweilen einladen. Dafür stellt Aktives Neumarkt Sitzgelegenheiten auf. Die Stadt schafft mobile Bäume heran. Sonnensegel und Pavillons werden Schatten spenden.

Rasen rund um Brunnen in der Neumarkter Marktstraße

Das Rasenstück wird einen in die Marktstraße hineinragenden Bogen bilden und damit eine Schikane für den Verkehr. Die Botschaft an Fahrer und Fußgänger: Hier ist eine geschützter Bereich, in dem man sich aufhalten kann.

Gerne aufhalten können sollen sich die Menschen auch beim Brunnen gegenüber, den ebenfalls Gras umgeben wird. Ein Pavillon spendet Schatten. In Kombination mit dem Wasserplätschern soll das an heißen Sommertagen dazu einladen, sich niederzulassen.

Schmetterlinge in Form von Aufklebern auf dem Boden werden diese und weitere Inseln aus Rollrasen rund um das Rathaus miteinander verbinden. Überhaupt wird der Schmetterling das Symbol des Altstadtsommers sein. Ein großes stehendes Exemplar soll dazu einladen, sich mit ihm zu fotografieren. Auf dem Platz unmittelbar vor dem Rathaus werden andere Bodenaufkleber zum Spielen anregen. Sei es in Form eines Feldes für Badminton und Pickle-Ball oder in Form von Kästchen am Boden für bekannte Kinderhüpfspiele.

Neumarkter Weinfest soll um einen Familientag verlängert werden

Rollrasen oder Möbel sind an dieser Stelle nicht vorgesehen, weil der Platz hier für Veranstaltungen frei bleiben muss. Das will Aktives Neumarkt selbst vorantreiben. Der Altstadtsommer soll das Areal nicht nur optisch verändern, er soll auch „Nutzung reinbringen“, wie Eisner sagt. Noch nicht genehmigt, aber angedacht ist, das Weinfest (6. und 7. September) um den Sonntag zu verlängern. Dann allerdings als Familientag mit Feuerwehr, Hüpfburg, etc.

Apropos Kinder: Ein Spielplatz sei während des Altstadtsommers aus Gründen des Geldes und der Sicherheit nicht möglich, sagt Oberbürgermeister Markus Ochsenkühn. Aber, wenn sich herausstelle, dass die Altstadt als Ort zum Spielen angenommen werde, sei das langfristig eine Option.

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Denn darum geht es beim Altstadtsommer vor allem: Testen, was funktioniert, bevor die Stadt viel Geld für dauerhafte Veränderungen investiert. Die temporäre Veranstaltung will auch nachdem Rollrasen, Pavillons und Sitzgelegenheiten wieder abgebaut sind, Spuren hinterlassen. „Sie sind Mittel zum Zweck, damit die Menschen ins Denken kommen“, sagt Eisner, der sich hunderte Vorschläge von Bürgern erhofft, was im Rathausumfeld geschehen könnte.

Dazu sollen die Menschen die Möglichkeit haben, vor Ort ihre Ideen zu hinterlegen. Aber auch online werde das möglich sein, sagt Eisner. Diese Ideen und die gewonnenen Erfahrungen gehen dann in den Arbeitskreis Innenstadt. Der weitere Plan: Die Ideen werden geprüft, auf jene, die sinnvoll und umsetzbar scheinen. Der Stadtrat hat dann das letzte Wort, bevor langfristige Veränderungen umgesetzt werden.

Was ist mit dem Kopfsteinpflaster in der Neumarkter Altstadt?

Dazu gehöre sicher auch das Pflaster, sagt Ochsenkühn, der überzeugt ist: „In ein paar Jahren wird es hier anders aussehen“. Die Neumarkter werden sich weiter gedulden müssen, bis sich bei einem der Hauptkritikpunkte in der Innenstadt etwas tut. „Es ist es mir wert, die dafür nötige Zeit zu nehmen“, sagt der OB, der auf die zu erwartenden hohen Kosten verweist. „Aber mir ist es wichtig, dass wir jetzt starten.“

Mit dem Altstadtsommer nur das Rathausumfeld in den Blick zu nehmen, war eine bewusste Entscheidung. Die Verantwortlichen wollen vermeiden, woran schon frühere Versuche scheiterten. Je größer der Umgriff desto komplexer wird es und desto heftiger die Diskussionen. Die Gefahr zu scheitern, steigt damit. Das soll diesmal nicht der Fall sein. Der Rathausplatz bietet aus Eisners Sicht das größte Potenzial, um etwas gewinnbringend und verhältnismäßig zügig umzusetzen.

Viel leeres Pflaster: Das wird sich an dieser Stelle der Marktstraße ändern. Hier wird es ab Juli sehr grün, wie Christian Eisner von Aktives Neumarkt berichtet. Foto: Endlein
Ludwigsburg machte es vor: Rollrasen wird auch beim Altstadtsommer in Neumarkt verlegt. Foto: Stollenberg
Der Schmetterling wird das Symbol für den Altstadtsommer in Neumarkt. Unter anderem wird auch ein großes Exemplar aufgestellt, mit dem man sich fotografieren kann. Foto: Blachere Illumination GmbH
Pavillons ähnlich wie dieser (sie können aber teils auch anders aussehen) werden beim Altstadtsommer in Neumarkt Schatten spenden. Foto: Eleo GmbH