Vollsperrung der Bahnstrecken Passau-Regensburg-Nürnberg: Viel zu wenig Ertrag?

Nur zwei Brücken auf den Strecken Passau, Regensburg und Nürnberg werden erneuert, dafür müssen die beiden Strecken monatelang gesperrt werden. Das geht aus einer Antwort aus dem Bundesverkehrsministerium hervor, die der Mediengruppe Bayern vorliegt. Kritik kommt nun aus der Opposition: Tut die Bahn zu wenig?
Die Bahn-Infrastruktur ist marode, daran gibt es keinen Zweifel. Verspätungen und Zugausfälle resultieren auch aus der Überlastung von 40 sogenannten Hochleistungs-Korridoren in Deutschland, die saniert werden sollen. Sieben davon werden in Bayern saniert, sie sollen bis 2030 in Angriff genommen werden. Für die Region wird es herausfordernd: Bereits 2026 startet die Bahn in Bayern mit der Sanierung der Strecke Nürnberg-Regensburg, gefolgt von der Strecke Regensburg-Passau – verbunden mit Streckensperrungen. Jetzt kommt harsche Kritik aus dem Bund: Ein Unionspolitiker hinterfragt, ob die Sanierung der beiden Strecken tatsächlich eine Steigerung der Leistungsfähigkeit der Bahn bewirkt.
Der Unionspolitiker und stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag für Verkehr, Ulrich Lange, hat im Bundesverkehrsministerium nachgefragt, welche Verbesserungen es auf den beiden für die Region wichtigen Bahnstrecken geben wird. Die Ergebnisse sind ernüchternd.
Nach der Riedbahn entpuppt sich auch die so genannte Generalsanierung der Strecken Nürnberg-Regensburg und Obertraubling-Passau als Mogelpackung“, so Lange. Und weiter: „Wenn die Zustandsnote der Strecken von einer glatten Drei nur auf eine Zwei Minus kommen soll, hat das nichts mit einer grundlegenden Verbesserung zu tun.“ Die Riedbahn ist jene Strecke zwischen Frankfurt und Mannheim, mit der die Bahn die Sanierung startete und die derzeit gesperrt ist.
Das Bundesverkehrsministerium erläutert in der Antwort (liegt der Mediengruppe Bayern vor) auf die sogenannte Kleine Anfrage, welche Verbesserungen nach der Streckensperrung für die Bahn zu erwarten sind. Die Strecke Nürnberg-Regensburg wird demnach zwischen Februar und Juli 2026 vollgesperrt. Der Netzzustand verbessert sich durch die Sanierung von 3,2 auf 2,4. Die DB InfraGO AG, die das Schienennetz in Deutschland betreibt, hat diese Netzzustandsnote entwickelt. Sie liegt beim deutschen Schienennetz bei einem Durchschnitt von 3,03. Wie das Bundesverkehrsministerium weiter mitteilt, wird bei der Sanierung lediglich eine von insgesamt 83 Brücken erneuert. Und auch die Einführung des digitalen „European Train Control Systems“ (ETCS) werde lediglich vorbereitet, aber nicht umgesetzt. Sie wird verschoben auf einen ungewissen Zeitpunkt bis zum Jahr 2030.
Ähnlich sieht es bei der Sanierung der Strecke Regensburg beziehungsweise Obertraubling und Passau aus. Hier wird zwischen Juni und Juli 2026 sowie nochmal zwischen September und Dezember 2026 gesperrt.
Von den insgesamt 99 Brücken wird lediglich eine erneuert, auch hier wird das ETCS lediglich vorbereitet und nicht eingeführt.
Die Netzzustandsnote soll sich auch in diesem Streckenbereich von derzeit 3,3 auf dann 2,4 verbessern. „Von einer echten Generalsanierung ich mindestens eine Eins Minus erwarten“, sagt dann auch CDU-Politiker Lange. Im Hinblick auf die weitgehend ausbleibenden Brückensanierungen sagt der Unionspolitiker: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Brücken alle intakt sind.“ Die Deutsche Bahn wolle seiner Ansicht nach „nur die nötigen, zeitaufwendigen Planfeststellungsverfahren umgehen und den Anschein erwecken, schnell mit den Projekten fertig zu werden“.
Der Unionspolitiker kritisiert auch Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP). Der lasse sich „auch bei diesen Sanierungsprojekten von der DB auf der Nase herumtanzen. Er denkt wahrscheinlich, dass er sich für die Sanierung der Strecken nach 2025 aus der Verantwortung stehlen kann“. Ganz anders sieht die Bahn die Planungen. Sie nennt die geplante Sanierung eine „gebündelte Erneuerung von Infrastruktur und Bahnhöfen für mehr Qualität und Kapazität“.