Neue Gleise, Brücken und Haltepunkte: Das kommt auf die Stadt Regensburg zu

Aus Sicht der Deutschen Bahn ist Regensburg bisher ein „Flaschenhals“. Jetzt plant sie neue Gleise, Brücken und Haltepunkte. Was bedeutet das für die Stadt?
Die Infrastrukturtochter der Bahn plant derzeit den mehrgleisigen Ausbau der Strecke zwischen Regensburg und Obertraubling sowie die Elektrifizierung der Strecke zwischen Marktredwitz und Regensburg. Und das Stadtgebiet ist stark betroffen von den Großprojekten, wie sich am Dienstagabend im Planungsausschuss des Stadtrats zeigte. Schließlich gibt es allein auf der Strecke zwischen Regensburg und Obertraubling vier Bahnhöfe, 20 Bahnbrücken und fünf Straßenbrücken.
Norman Wilke, Gesamtprojektleiter für den Ausbau des Ostkorridors Süd bei der Deutschen Bahn, erklärte dazu: Regensburg sei derzeit ein „Flaschenhals“, weil zwei Streckengleise aus mehreren Richtungen genutzt würden. Das führe immer wieder zu Verspätungen und „Zwangspunkten“. „Das wollen wir auflösen, diesen Flaschenhals mit zwei zusätzlichen Gleisen aufweiten.“ Das soll auch den S-Bahn-ähnlichen Verkehr in der Region erleichtern.
Basis des Ausbaus ist der bundesweite „Deutschlandtakt“
Grundlage des Ausbaus sei der bundesweit angestrebte „Deutschlandtakt“, erklärte Wilke. Die Elektrifizierung sei „ein ganz wesentlicher Teil“ der erforderlichen Infrastrukturmaßnahmen. Sie soll die unmittelbare Anbindung der Region an den Fernverkehr ermöglichen.
Patrick Rupp, Projektleiter für die Elektrifizierung zwischen Regensburg und Schwandorf, zählte „einige Maßnahmen“ auf: Neben die bestehende eingleisige Eisenbahnüberführung über die Straubinger Straße will die Bahn eine neue setzen. Die großen Donaubrücken in der Hafeneinfahrt (60 Meter geplante Spannweite) und bei Schwabelweis (121 Meter Spannweite) will sie neu bauen, weil sie breiter werden müssen. Auf Wunsch der Stadt soll der parallel dazu verlaufende Geh- und Radweg neu errichtet werden, das soll circa 9,5 Millionen Euro kosten, zuzüglich Planungskosten. Die Eisenbahnüberführung Donaustaufer Straße wird ebenfalls durch eine größere ersetzt. Der Bau soll 9,9 Millionen Euro kosten, der Anteil der Stadt sei noch nicht bezifferbar. In der Nähe entsteht der Haltepunkt Walhallastraße. Danach soll ein Haltepunkt Wutzlhofen kommen. „Ziel ist es hier, dass wir Mitte, Ende Juli den Fachplaner für das Vorhaben gefunden haben“, erklärte Rupp.
Der mehrgleisige Ausbau zwischen Regensburg und Obertraubling bringt auch Prüfening große Veränderungen, wie Projektleiter Thomas Sulzer ausführte. „Die Prüfeninger Schlossstraße muss verlegt werden, weil wir an der Stelle noch mal ein weiteres Gleis bauen werden, das sogenannte Südgleis“, kündigte Rupp an. Auf Höhe des Schlosses Prüfening sollen Abstellgleise entstehen, für die auch Kleingärten weichen müssen. Den Bahnübergang Waldvereinsweg will die Bahn schließen. Die Verbindung zwischen Prüfeninger Schlossstraße und Prüfeninger Straße will sie umlegen auf eine Bahnhofsunterführung. Die Bahnstationen in Prüfening und auch Obertraubling sollen barrierefrei ausgebaut werden. Die Dechbettener Brücke über die Gleise soll neu gebaut werden und am Hauptbahnhof soll ein neuer Bahnsteig entstehen, wie Sulzer berichtete. In Burgweinting werde die Bahntrasse beiderseits je um ein Gleis erweitert. Prinzipiell gelte: „Wir werden Schutzmaßnahmen für den Schall und die Erschütterung treffen.“
Bahn will Projekte in den 30er Jahren realisieren
Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) bat die Vertreter der Bahn um „Zeiträume, in denen das passieren soll“. Wilke antwortete: „Wir reden von einer Bauzeit in den 2030er-Jahren.“ Mehrere Stadträte riefen dazu auf, dass die Stadt den Ausbau für ihre Zwecke nutzen solle. So sagte Michael Achmann (Grüne): „Die Chance bietet sich, dass wir durch den Neubau von Brücken und Stegen auch gute Chancen haben, hier in Richtung unserer Stadtentwicklung und Verkehrswende weiterzuarbeiten.“ Für den geplanten Radweg westlich der Gleise in Burgweinting allerdings fehlt durch den Ausbau der Platz, wie deutlich wurde.
Neben Achmann fragten auch Benedikt Suttner (ÖDP) und Irmgard Freihoffer (BSW) nach einem möglichen Haltepunkt an der Klenzebrücke. Der sei noch „unterwegs“, es gebe aber keinen Planungsauftrag, sagte Wilke. CSU-Stadtrat Josef Zimmermann wünschte sich auch einen Haltepunkt für den Osten. Freihoffer und Hans Teufl (Grüne) regten an, dass die neue Dechbettener Brücke eine Fuß- und Radbrücke wird, da es nebenan die neue Klenzebrücke gibt. Bei der OB fanden sie damit Gehör. Sie versicherte, das müsse man sich „noch mal ganz genau anschauen“.

