Landkreis Regensburg erreicht starken Platz beim Regionalranking

Hohe Wohnqualität, Raum für neue Unternehmen, viele Baugenehmigungen, wenig Straftaten, niedrige Gewerbesteuern: Damit punktet der Landkreis im Ranking des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft.
Beim Regionalranking 2024 des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) erreicht der Landkreis Regensburg den Rang 74. Er schneidet damit schlechter ab als die Stadt (Platz 22), befindet sich aber im obersten Fünftel der 400 deutschen Landkreise und kreisfreien Städte. Die Platzierung in diesem Niveauranking, das den derzeitigen Erfolg spiegelt, kann sich also durchaus sehen lassen. Im Dynamikranking dagegen liegt der Landkreis abgeschlagen auf Platz 296 (Stadt Regensburg 14). Hier geht es um die Entwicklung in den letzten Jahren.
Im Niveauvergleich fällt auf, dass das Gewerbesaldo des Landkreises Regensburg mit Rang 294, der Anteil der Berufstätigen in wissensintensiven Dienstleistungen (362), der Anteil der hochqualifizierten Beschäftigten (277), das Wanderungssaldo der 25- bis 30-Jährigen (343) und die Ärztedichte (Platz 241) besser sein könnten.
Ziehen genug junge Leute zu?
Der Gewerbesaldo, die Differenz zwischen der Zahl der Gewerbean- und -abmeldungen, ist zwar im Niveauranking mit 0,7 pro 1000 Einwohnern im Jahr noch positiv, aber unterdurchschnittlich. Ähnlich beim Wanderungssaldo der 25- bis 30-Jährigen. Mehr Menschen dieser Altersgruppe ziehen zu als weg. Dennoch locken andere Kreise wesentlich mehr junge Leute. Trotzdem sagt Studienautor Johannes Ewald von IW Consult: „Der Landkreis Regensburg ist mit Rang 74 im Niveau stark platziert.“ Er gehöre regelmäßig zu den besten 20 Prozent aller 400 deutschen Regionen, hat sich jedoch seit 2020 (Platz 52) verschlechtert.
Auch wenn sich der Landkreis im Regionalranking nicht so dynamisch vorwärtsbewegt wie die Stadt, beurteilt der Wirtschaftsforscher die Chancen für eine künftige positive Entwicklung als gut. Der attraktive Gewerbesteuersatz (Rang 32), die Lebensqualität (16), die wenigen Straftaten (7), eine niedrige Überschuldungsquote (11) und viele Baugenehmigungen (Rang 10) stimmen ihn positiv. „Verbunden mit der Zuwanderung, besonders von 30- bis 50-Jährigen, verdeutlicht das die Attraktivität als Wohnort.“
Der Landkreis ist aber wie die Stadt auch Arbeitsort. Autozulieferer und besonders in Neutraubling zahlreiche Industrieunternehmen produzieren vor Ort. Rund 53000 Menschen – Bewohner und Einpendler – verdienen in sozialversicherungspflichtigen Jobs im Landkreis ihr Geld.
Aber natürlich entfaltet Regensburg mit seinen Jobs, den Hochschulen und als Einkaufsziel einen starken Sog. Das zeigt der Pendleratlas der Bundesagentur für Arbeit. Im Landkreis wohnen mehr als 87100 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Rund 59000 davon pendeln aus, der Großteil – 41000 – nach Regensburg. 24000 Arbeitnehmer wiederum pendeln in den Landkreis, 8000 davon sind aus Regensburg. Ewald betrachtet Stadt und Umland mit rund 370000 Einwohnern als gemeinsamen Wirtschaftsstandort.
Die Sogwirkung habe Folgen für den Landkreis, bestätigt Claudine Tauscher, die stellvertretende Pressesprecherin des Landratsamts: Zum Beispiel bei der Ärztedichte, die die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns regelt, beim Wanderungssaldo der 25- bis 30-Jährigen, beim Anteil der Hochqualifizierten oder bei den wissensintensiven Dienstleistungen. Die Berechnung der beiden letzteren Kriterien orientiere sich am Arbeitsort. „Somit wirkt sich die bevorzugte Ansiedlung großer Unternehmen in der Stadt negativ auf Kennzahlen des Landkreises aus“, betont Tauscher. Dass eine Region bei Niveau und Dynamik vorne liege, sei schwierig „und gelingt nicht einmal dem Landkreis München“.
Das Landratsamt pocht auf die hohe Wohn- und Lebensqualität. Sie spiegle sich im schnellen Bevölkerungswachstum. Zum Jahreswechsel hat der Landkreis die 200000er-Marke überschritten. In der Vorausberechnung bis 2042 wird ein weiterer Zuwachs um rund sechs Prozent prognostiziert.
Weitere Pluspunkte: Die Arbeitslosenquote liegt konstant niedrig, im Mai bei 2,5 Prozent. Die Sicherheitslage ist im bayern- und bundesweiten Vergleich sehr gut. Dies hat die Polizei bei der Vorstellung der Kriminalstatistik für 2023 erneut bestätigt. Zwei Dinge betont Sprecherin Tauscher: Der Landkreis baut laufend die Infrastruktur aus, vor allem bei Bildung (Schulen) und Mobilität (Straßen und Radwege).
Forscher Johannes Ewald betont, in Zeiten des Umbruchs müssten sich Städte und Landkreise aktiv weiterentwickeln. Dekarbonisierung, neue Ansätze der Globalisierung, Digitalisierung und demografischer Wandel lauten die Stichworte. Der Ausbau erneuerbarer Energien wie Photovoltaik und Windkraft geht vielerorts zu langsam, werde aber ein bedeutender Standortfaktor.
Bald ein Stromexporteur
Hier könnte der Landkreis mit Flächen punkten. Mit der Genossenschaft Kommunale Energie Regensburger Land (KERL) treibt er die Energiewende voran. Geplant sind 24 Windräder bei Hemau. Das Haus Thurn und Taxis will zahlreiche Anlagen im östlichen Kreis errichten. Der Landkreis erreicht laut Energiemonitor des Bayernwerks 2023 eine Strom-Eigenversorgungsquote von 80 Prozent. Durch den Windkraftausbau will er zum Stromexporteur werden. Die Wirtschaftsförderung der Behörde unterstützt die Betriebe intensiv. Sie bietet etwa eine Beratung zu Künstlicher Intelligenz und richtet eine Willkommens-Plattform für ausländische Fachkräfte ein.
Einen wichtigen Trumpf hält der Landkreis noch in der Hand: Während Regensburg kaum mehr über Bauflächen für Wohnen und Gewerbe verfügt, gibt es diese im Umland. Das ist ein Vorteil, nicht nur, wenn sich Unternehmen ansiedeln wollen.
Erfolg und Dynamik
Regionalranking 2024: Die Beratungstochter IW Consult des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft analysiert, wie erfolgreich die 400 Landkreise und kreisfreien Städte sind (Niveauranking) und wie sie sich entwickelt haben (Dynamikranking).
Bewertung: Diese basiert auf 14 Indikatoren aus Wirtschaftsstruktur, Arbeitsmarkt und Lebensqualität. Beim Niveauranking ist der Landkreis München top, Dynamikranking Mainz.
