Verkehrsende statt -wende

Ein Zeitzeuge, der als Kind bei Kriegsende in Regensburg landete, erzählte mir, das Einzige, was noch funktionierte, sei die Eisenbahn gewesen. Er sei mit seiner Familie über Landshut gekommen. Selbst, wenn irgendwo Schienen zerbombt waren, ist man ein paar Kilometer gelaufen und auf der anderen Seite wartete ein anderer Zug. Kann sein, dass der Mann da was verklärt hat, sicher ist: Wenn heutzutage etwas Schlimmes passiert wie die Flutkatastrophe in diesen Tagen, funktioniert dank Tausender Ehrenamtlicher und Einsatzkräfte alles – nur die Bahn nicht. Diese leidvolle Erfahrung habe ich am Wochenende gemacht. Ich musste einmal quer durch Deutschland fahren. Schon bei der Hinfahrt verpasste ich den Anschlusszug. Der ICE, einst das Flaggschiff der Bahnflotte, hatte für zwei Stunden keinen Strom mehr.
Den Vogel schoss die Deutsche Bahn aber bei der Rückfahrt nach Regensburg ab. Der ICE endete ohne weitere Erklärungen des Schaffners in Frankfurt am Main. Dort warf man Hunderte Reisende abends aus dem Zug. Was sie nun tun sollten? Nicht das Problem der Bahn. Erst auf Nachfrage wird klar, dass nicht etwa die Flut und überschwemmte Streckenabschnitte die Malaise verursacht haben. Ich frage den netten Herren an der Info, wieso der ICE eigentlich nicht von Frankfurt über Regensburg bis Passau weiterfuhr. „Die hatten keinen Lokführer mehr“, sagt der mir. Ich frage ungläubig: „Wo ist der hin?“ Er antwortete: „Der ist heimgegangen.“
