Mega-Projekte der Bahn: So soll Regensburgs Verkehrsinfarkt verhindert werden

Von Christian Eckl · 5. Juli 2023 um 11:55

Die Mega-Planungen der Deutschen Bahn in und um Regensburg gehen in eine neue Runde. Wie das Unternehmen mitteilte, sollen in den kommenden Wochen Bürger, Verbände und Kommunen gezielt informiert werden.

Dreh- und Angelpunkt des Ausbaus sind der Neubau eines Güterterminals in Burgweinting sowie das sogenannte Vierte Gleis zwischen Burgweinting und Obertraubling, ein Nadelöhr, das den Regensburger Hauptbahnhof bisher an seine Kapazitätsgrenzen bringt. Das sind die wichtigsten Eckpunkte für den Bahnausbau in den kommenden Jahren.

Das Vierte Gleis soll den Gordischen Knoten lösen

Das vierte Gleis soll kommen. „Der Ausbau der Gleise ermöglicht eine Erhöhung der Kapazitäten und eine Verbesserung der Fahrzeiten“, sagt eine Sprecherin der Bahn zur MZ. „Dadurch können wir mehr Güter von der Straße auf die Schiene verlagern und einen attraktiven und zuverlässigen Personenverkehr mit besseren Umstiegen anbieten“, betont die Pressesprecherin der Bahn. Auf die Frage nach dem Zeitplan erklärt sie: „Die Deutsche Bahn wird die Vorplanungen bis Ende 2024 abschließen.“ Diese würden anschließend dem Bundestag vorgelegt, das Parlament muss zustimmen. Dann plant die Bahn weiter. Wie viel der Ausbau kosten würde, weiß die Bahn selbst noch nicht. „Die Kostenermittlung ist zentraler Bestandteil der Vorplanung und wird bis Ende 2024 vorgelegt“, heißt es.

Flächen sind knapp, Klagen nicht ausgeschlossen

Doch die Umsetzung von Verkehrsprojekten wird zunehmend schwieriger – in Regensburg wird beispielsweise gegen die Sallerner Regenbrücke geklagt, im Landkreis verzögerten Klagen den Bau der Umgehungsstraße R30 um Jahre. Tatsächlich könnte das der Bahn auch bei Obertraubling drohen: „Im Ballungsraum Regensburg mit seinem starken Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum sind Flächen ein knappes Gut“, sagte die Sprecherin. Den Erwerbsbedarf für den mehrgleisigen Ausbau ermittelt derzeit ein Planungsteam der Bahn.

Kombinierter Verkehr mit Terminal für weniger Lkw

Beim Bau eines sogenannten Terminals für den Kombinierten Verkehr in Burgweinting geht es darum, vor allem den Lieferverkehr auf die Schiene zu bringen. Vor allem die Nähe zu BMW sowie seinen Zulieferern ist hier entscheidend: Laut Bahn steigt der Bedarf für die Anlieferung in der Autoindustrie um zehn Prozent im Jahr. Doch nicht jeder Anwohner dürfte über mehr Züge erfreut sein. Die Bahn plant deshalb eine Schallschutzwand mit 788 Metern Länge und fünf Metern höhe. „Jederzeit nehmen wir Anregungen von Anwohnenden auf und bewerten diese“, heißt es von der Bahn. Doch befürchtet die Bahn bei dem Projekt Klagen? „Unser Ziel ist klar: Wir möchten Planungsthemen transparent vermitteln und in einen guten Dialog mit Kommunen und Anwohnenden treten. Durch diese Abstimmungen können Klagen gegen das Projekt vermieden werden“, so die Sprecherin.

Erst einmal gibt es aber Verkehrseinschränkungen

Wenn der Baustart für das Terminal erfolgt, wird das allerdings erst einmal zu Einschränkungen im Bahn, aber auch im Personenverkehr führen. „Die DB wird diese jedoch in Dauer und Auswirkung bestmöglich minimieren“, heißt es in der Konzernsprache. Doch der Terminal, aber auch das Vierte Gleis zwischen Regensburg und Obertraubling sollen das massive Verkehrsproblem der Stadt mindern: „Unser Ziel ist eine spürbare Kapazitätssteigerung für den Bahnknoten Regensburg“, heißt es in Bezug auf das Terminal. Dieser schaffe die Voraussetzungen, um mehr Güter von der Straße auf die Schiene zu bringen sowie mehr Platz auf der Schiene für einen attraktiven und zuverlässigen Personenverkehr mit besseren Umstiegen. Die Kapazitäten für Nahverkehrsanbindungen würden so erhöht. Auch der Gleisausbau soll die Anwohner in Zukunft vor Bahnlärm eher schützen: „Damit erhält die Strecke von Prüfening über Regensburg Hauptbahnhof bis Obertraubling die derzeit größtmögliche Schutzwirkung vor Lärm“, heißt es.

Start für den Terminal-Bau Ende 2024 geplant

Die ersten Maßnahmen für den Neubau des Terminals in Burgweinting werden ab Ende 2024 stattfinden. Baumaßnahmen gibt es dann vor allem, weil Straßenüberführung in der Edisonstraße und der Eisenbahnüberführung Hartinger Straße gebaut werden müssen – das soll in den Jahren 2025 und 2026 durchgeführt werden. Der bau des Terminals sei dann für die Jahre 2027 bis 2029 geplant. „Wir rechnen zum derzeitigen Stand mit Kosten in Höhe von etwa 225 Millionen Euro“, heißt es von der Bahn. Mit juristischen Schritten von Anwohnern gegen das Terminal sei nicht zu rechnen, aber: „Die Möglichkeit, dass es zu Klagen kommt, kann jedoch grundsätzlich nicht ausgeschlossen werden.“

Terminal spart 36000 Tonnen CO2 pro Jahr

Ein wenig gewunden drückt es die Bahn so aus: „Das neue KV-Terminal bietet durch seine verkehrsgünstige Lage Chancen für Neuverkehre aus der Region und in die Region Regensburg auf der umweltfreundlichen Schiene.“ Gemeint ist damit, dass der Verkehr in den kommenden Jahren eher zunehmen wird – die Straßen können das aber nicht mehr wirklich leisten. Die potenziellen Kunden des neuen Terminals befinden sich demnach im näheren Umkreis „und transportieren ihre Ladeeinheiten zu der neuen KV-Umschlaganlage oder holen sie von dort ab“, ist die Vision. Der Transport über längere Distanzen erfolge dann über die umweltfreundliche Schiene. „Dies führt auch zu einer Entlastung der Regensburger Straßen“, heißt es von der Bahn. Sie ergänzte: „Die durch das neue Terminal ermöglichte Verkehrsverlagerung der Güter von der Straße auf die Schiene führt zu einer Entlastung der Straße von rund 48,7 Millionen Lkw-Kilometern pro Jahr.“ Auch die Umwelt profitiere durch eine Einsparung von rund 15,1 Millionen Liter Diesel und 36000 Tonnen CO2 jährlich – ein wesentlicher Hebel für die Verkehrswende in Regensburg.

Dauerbrenner im Norden auf der langen Bank

Es ist ein Dauerbrenner, der auf einen Schlag täglich tausende Pendler von der Straße auf die Schiene bringen würde: Der Walhalla-Bahnhof im Stadtnorden. Für den Personenverkehr wurde der Bahnhalt, direkt am Gewerbepark gelegen, in den 80er Jahren geschlossen – wie deutschlandweit tausende Bahnhöfe, die man heute gerne wieder nutzen würde. Seit Jahren heißt es nun, der Bahnhof werde so bald wie möglich wiedereröffnet. Sogar Verkehrsminister Christian Bernreiter war schon vor Ort. Doch nun das: Das Ziel, den Bahnhof bis 2026 wiederzueröffnen, sei nicht mehr erreichbar. Man peile 2027 an.

Container-Depot bleibt weiter ein Zankapfel

Die Bahn plant nicht nur ein Terminal zur Verladung von Waren auf die Schiene. Auch ein Depot soll entstehen, nämlich im Regensburger Stadtosten. Dort sollen leere Container gewaschen und repariert werden – „mit Waschanlage und Reparaturstation für das gesamte Leergut aus dem kompletten süddeutschen Raum auf einer der letzten großen Biotopflächen im Stadtgebiet Regensburg“, wie von der Bürgerbewegung Hohes Kreuz beklagt wird.

Bürger sollen beim Ausbau mitreden können

Am 17. Juli zwischen 10 und 18 Uhr – also ausgerechnet einem Montag, wenn wohl ein Großteil der Burgweintinger arbeitet – findet ein Workshop im Hotel Includio in der Hermann-Höcherl-Straße 2 statt. Ziel ist, die Lärmschutzwände zu gestalten.