Diskussion um Tauben im Kirchturm von St. Salvator in Rötz: Taubenretterin bietet ihre Hilfe an

Auf unseren Bericht „Friedenssymbol wird zum Zankapfel“ über die Tauben im Kirchturm von St. Salvator hin hat Mirjam Schöberl von der Stadttaubenhilfe Weiden sich in einem Leserbrief an unsere Zeitung gewandt.
Wie berichtet, waren an den Kirchturmfenstern Gitter eingebaut worden. Eine Rötzer Tierschützerin kritisiert, dass dadurch mehrere Tauben und auch Küken eingesperrt worden seien und hatte eines der Gitter aufgebogen, damit die Tauben ins Freie fliegen können.
„Bei der Diskussion, wie man die Tauben aus der Rötzer Kirche befördert, darf man nicht vergessen, dass sich wahrscheinlich eine große Anzahl Küken im nicht einsehbaren Teil des Kirchturms befindet“, schreibt Mirjam Schöberl. Dass man diese nicht einfach dort unversorgt sterben lassen dürfe, „sollte selbstverständlich sein“. Dabei bezieht sie sich auch auf das Tierschutzgesetz , wo in §1 nachzulesen sei: „Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.“ Nach der EU-Vogelschutzrichtlinie dürften Vögel nicht in der Aufzucht ihrer Jungen gestört oder gehindert werden dürften. Aber: „Leider haben Stadttauben das ganze Jahr über Nachwuchs.“
Austausch gegen Attrappen
Natürlich, so Schöberl weiter, dürfe man auch die erwachsenen Tiere nicht einfach einem Todeskampf durch Verdursten aussetzen, nur um sie leichter einfangen und nach draußen setzen zu können.
Auch einen Vorschlag, wie man die Situation lösen könne, beschreibt sie. „Rund sieben Wochen lang müssen einmal in der Woche die Eier in den Nestern gegen Attrappen ausgetauscht werden. In der Zwischenzeit werden die aktuell vorhandenen Küken flugfähig. Erst danach werden alle Tiere aus dem Turm gescheucht und wenn sicher bestätigt ist, dass sich auch in den bisher nicht kontrollierten Bereichen keine Tauben mehr aufhalten, dürfen die Gitter verschlossen werden.“ Es bleibe nichts anderes übrig, als dafür einen sicheren Zugang für Menschen zu den Nistplätzen zu schaffen, auch wenn das aufwendig sei. „Wären ganz oben in der Turmspitze, der Zwiebel, Reparaturarbeiten nötig, so wäre ein Zugang für Handwerker auch machbar.“
Weiter führt Schöberl aus, dass Stadttauben allerdings standorttreu seien: „Sie werden selbst nach erfolgreichem Aussperren wieder ein Schlupfloch finden, um in die Kirche zurückzukehren und sich weiter zu vermehren – dafür reicht schon ein kleiner Spalt zwischen Dachziegeln.“
Für ein nachhaltig erfolgreiches Taubenmanagement gebe es in vielen Städten deswegen betreute Taubenschläge nach dem „Augsburger Modell“, auch als „Taubenhäuser“ bezeichnet. Dazu werde ein kleiner, auch für Menschen zugänglicher Raum mit Einflugloch geschaffen, in dem die Tiere gefüttert werden und dadurch fast den ganzen Tag darin verbringen. Der Kot sei dann leicht gesammelt zu entfernen und die verwilderten Haustiere – „Stadttauben sind keine Wildtiere“ – können ihrem angezüchteten Brutzwang nachgehen, allerdings auf Eiern aus Gips. Dafür sei sicherlich auch in einem kleinen Teil des Dachbodens der Kirche in Rötz Platz – nur so könne die Population nachhaltig reduziert und laufender Ärger mit Tauben vermieden werden, so Schöberl. Dann würden im Übrigen auch keine Tauben mehr in der Stadt herumlaufen und 80 Prozent des Kots würden in den Schlägen bleiben als anderswo. Ihre Vorschläge habe sie auch dem Rötzer Stadtpfarrer in einer E-Mail geschickt, bis dato allerdings noch keine Antwort erhalten. Auf Nachfrage gibt der Stadtpfarrer an, dass er die Nachricht zur Kenntnis genommen habe, eine Antwort allerdings noch ausstehe, auch, da er zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen habe können, wie die weitere Vorgehensweise sei.
Erst am Donnerstagabend fand eine Sitzung mit der Kirchenverwaltung statt. Kirchenpfleger Norbert Przybyla berichtet über das Ergebnis: Im Kirchturm seien die Vorschläge durch die dortige Enge und durch die Mechanik nicht zu verwirklichen. Abgesehen davon hätte man weiterhin die Tauben in der Nähe des Friedhofs und damit die Problematik des Kots auf den Grabsteinen. In seinen Augen sei ein Taubenschlag in einer Scheune beispielsweise besser umzusetzen – und zwar am Ortsrand, nicht im Innenstadtbereich. Was wegen der Standorttreue schwierig sei, sagt Schöberl.
Stadtpfarrer Dyadychenko berichtet, aus der Gemeinde habe er viel Unterstützung und Zuspruch für die bisherige Vorgehensweise bekommen. Zwar hätten viele geäußert, für Tierschutz zu sein, allerdings hätten sie kein Verständnis für das Aufbiegen des Gitters. Immer wieder hätten sich, so Dyadchenko, Menschen beschwert, dass die Gräber durch Taubenkot stark verschmutzt würden. Auch in der Salvatorkirche selbst lande der Taubenkot und beschädige so vergoldetes Kircheninventar, Heiligenbilder und oben vor allem die Kirchenglocken.
Die Tierschützerin aus Rötz, die das Gitter am Fenster aufgebogen hatte, erzählt, sie habe sich in den vergangenen Wochen eingehend mit dem Thema beschäftigt und Artikel etwa aus Hamburg oder Weiden zum Thema Taubenschläge gelesen und auch an Stadtpfarrer Dyadychenko geschickt.
Oktober vereinbart
Außerdem habe sie sich an das Veterinäramt am Landratsamt Cham gewandt. Weil das Gitter nun offen stehe und die Tauben aus- und einfliegen können, bestehe vonseiten des Veterinäramts aktuell kein Handlungsbedarf, bestätigt dessen Leiter Dr. Reinhold Schoierer die Aussagen der Tierschützerin. Er gibt ihr insofern recht, als dass es aus seiner Sicht nicht die richtige Vorgehensweise gewesen sei, die Tiere im Kirchturm einsperren und hungern zu lassen. „Wenn das Gitter im Oktober wieder geschlossen wird – nachdem man sich vergewissert hat, dass keine Tauben mehr im Kirchturm sind –, ist das in Ordnung, da die Tauben dann wahrscheinlich nicht brüten“, so die Aussage vonseiten des Veterinäramts. In der Praxis habe sich gezeigt, dass auch zu diesem Zeitpunkt oft noch Gelege oder Küken vorhanden seien, hat Mirjam Schöberl festgestellt, weil Tauben das ganze Jahr über brüten würden. Nur die Möglichkeit des Eiertauschs wäre artenschutzgerecht.
Auch Kirchenpfleger Przybyla hat sich mit dem Veterinäramt abgesprochen und etwa Mitte bis Ende Oktober für das erneute Vergittern vereinbart. Man wolle abwarten, bis die Tauben frühmorgens ausfliegen zum Futter holen und dann das Gitter erneut anbringen. Vor Oktober sei die ausführende Firma ohnehin nicht verfügbar, so Przybyla. Im Dezember seien die Arbeiten allerdings wegen der Wärmeausdehnung nicht möglich und den Arbeitern auf dem Hubsteiger auch nicht zumutbar.

