Armin, der Gipfelsammler – Olaf Unverzart aus Waldmünchen und sein ungewöhnliches Buch

Von Diana Binder · 12. Juli 2024 um 15:15

Armin mit Tobias Haberl (r.) und Olaf Unverzart (li.) in den rumänischen Karpaten Foto: Olaf Unverzart

Man kann vieles sammeln. Armin Glas sammelt Kronkorken, Nägel und vor allem: Gipfel. Sein Lebensziel ist es, in jedem Land den höchsten Berg zu besteigen. Vor fast 25 Jahren begann er diese Reise und im November 2023 hat er mit dem „Mont Richard Molard“ in der Elfenbeinküste Gipfel Nummer 100 erreicht.

„Dabei ist Armin gar kein typischer Bergsteiger – er würde auch mit dem Auto hinauffahren, wenn das möglich wäre. Ihm geht es viel mehr um die Zahlen und um sein ganz persönliches Vorhaben“, erklärt Olaf Unverzart.

Der Künstler und Fotograf aus Waldmünchen hat die Gipfelmission und den Menschen dahinter in einem Buch porträtiert. Der Titel lautet schlicht: „Armin“.

Im Jahr 2009 bestieg Olaf Unverzart mit seinem Freund, dem Autor Tobias Haberl, den Kilimandscharo in Afrika und lernte im Basislager Armin Glas kennen. Schon beim ersten Gespräch wurde klar: Sie teilen die Leidenschaft fürs Bergsteigen, aber da war noch mehr. Es war etwas Besonderes an diesem Mann, der sich zum Ziel gesetzt hat, den höchsten Gipfel jedes Landes zu besteigen.

„Armin ist anders. Er ist kein geschäftiger Gipfelstürmer, aber auch kein unbedarfter Tourist. Und er verfolgt sein Ziel mit einer stoischen Konsequenz, die mich von Anfang an fasziniert hat“, erzählt Olaf Unverzart. Armin habe dem Bergsteigen sein Leben gewidmet, mit 48 Jahren seinen Job gekündigt und alles andere untergeordnet. Dabei gehe es ihm gar nicht um die sportliche Leistung oder darum, jemandem etwas zu beweisen. Er sei einfach, man könnte sagen, ein „Gipfel-Nerd“.

Akribisch dokumentiert Armin seine Besteigungen nach dem gleichen Muster. Er notiert sämtliche Zahlen der Reise von der Sitzplatznummer im Flugzeug bis zum Preis fürs Taxi, knipst eine Serie von Bildern als Beweis und hält all seine Erlebnisse handschriftlich in einer DIN A 5-Kladde fest. Zuhause transkribiert er den Text, beschriftet und archiviert seine Bilder und lässt seine Bekannten in einem E-Mail-Verteiler an seiner Gipfel-Serie teilhaben.

In Swasiland und Österreich

Glas berichtete so über Besteigungen in Paraguay und Vietnam, Swasiland und Österreich. Die Höhe der Berge reichte von nur ein paar hundert Metern bis zu Fünf- und Sechstausendern. Es waren abenteuerliche Geschichten dabei und einfache Wanderungen ohne Nervenkitzel. Manche Touren schaffte er leicht, andere erst nach mehreren Anläufen. Stetig aber sammelte er Land um Land, Gipfel um Gipfel. So blieb auch Olaf Unverzart in all den Jahren mit Armin in Kontakt und verfolgte dessen Projekt interessiert.

„Und so reifte auch die Idee, aus Armins Geschichte ein Buch zu machen“, berichtet der Fotograf und Künstler. Als Glas sich der 100. Gipfelbesteigung näherte, schien der Zeitpunkt passend. Danach dauerte es noch etwa ein Jahr, bis das Buch fertig war. Zu den Originaltexten gibt es obligatorische Gipfelbilder von Glas und Fotografien von Olaf Unverzart, die das Leben in Armins Heimatdorf Deutenhausen einfangen. Sie zeigen einen Menschen, der viel von der Welt gesehen hat und noch immer in seinem Elternhaus wohnt. Sie lassen in das zufriedene Gesicht eines Mannes blicken, der die ganze Welt bereist und trotzdem am liebsten seine bayerische Ruhe hat. Sie zeigen eine Serie startender Flugzeuge aus Hallbergmoos und ein Motiv mit kleinen Fläschchen, in denen der Sand der Welt die Erinnerungen bewahrt.

Die Reiseberichte sind chronologisch angeordnet und geben den Anreise- und den Gipfeltag wieder. Eine vollständige Gipfelliste enthält wichtige Angaben. Und die detaillierten Texte schildern auch Besonderheiten des jeweiligen Landes. Dennoch soll „Armin“ sicher nicht als Reiseführer verstanden werden.

Lesen und Mit-Reisen

Schon allein Unverzarts gestalterische Handschrift, das Konzept und die Aufmachung machen das Buch zu einem Kunstwerk, das episodenartig immer wieder zum Lesen und Mit-Reisen anregen möchte. „Ich würde mich freuen, wenn Armins Vorhaben etwas Aufmerksamkeit gewinnt“, sagt Unverzart. „Es ist spannend, zu verfolgen, dass jemand gar nicht viel braucht, um auf den Berg und wieder runter zu kommen. Es geht schon, wenn man will. Und man braucht dazu auch nicht immer die neueste Ausrüstung oder die modernste Funktionsjacke.“

Und wie soll es nun weitergehen nach mittlerweile 102 Gipfeln? Armin Glas ist jetzt Mitte 50. In einem ausführlichen Interview am Anfang des Buches fragt Tobias Haberl nach seinem Ziel. Armin antwortet: „Es gibt 197 Länder (Anm. Redaktion: laut Unesco 193). Hundert habe ich jetzt. Alle kann ich nicht schaffen, aber so viele wie möglich.“

Eines der unzähligen Reisetagebücher, in denen Armin seine Erlebnisse festhält Foto: Olaf Unverzart
Der Waldmünchener Künstler Olaf Unverzart mit dem druckfrischen Buch