Eines weniger stur, eines lässiger: Letzte Ansagen für zwei Regensburger Wohnprojekte

Von Heike Haala · 5. Juli 2024 um 10:00

Bauherren, die marktgängigen Wohnraum errichten wollen, Architekten im Dilemma zwischen Baurecht und Kreativität: Während der Sitzung des Gestaltungsbeirats gab es ziemlich viel von dem zu sehen, was Städtebau in Regensburg gerade ausmacht.

Auf der Tagesordnung standen Pläne für zwei Wohnbauprojekte abseits des Stadtzentrums – beide nicht zum ersten Mal. Es ging um drei Reihenhäuser in der Nürnberger Straße in Niederwinzer und einen Geschosswohnungsbau mit zwei- bis drei Zimmerwohnungen in der Adolf-Schmetzer-Straße im Stadtosten. An dieser Stelle steht gerade noch ein ehemaliges Autohaus.

Tipp: Eingang verschieben

Kompaktere Müllbox, weniger Parkplätze, besserer Zugang zum Spielplatz: Eigentlich hatte das Gremium auf den Plänen für die Adolf-Schmetzer-Straße von Bauherren Georg Ehrenreich lediglich noch ein wenig im Hinterhof herumgeräumt. Architekturwächter Matthias Castorph hatte auch schon angekündigt, dass für das Projekt kein weiterer Termin vor dem Gremium notwendig sei. Aber dann legte seine Kollegin Gesine Weinmiller noch einmal richtig los.

Sie ging an die Struktur des geplanten Gebäudes und fragte Ehrenreich, was passieren würde, wenn er den Eingang aus der Mittelachse um ein paar Meter in Richtung Osten verschieben würde. Der Bauherr blickte daraufhin schier endlose Sekunden schweigend auf seinen Fassadenentwurf und spreizte den kleinen Finger angespannt von der Hand ab, die an seiner Wange ruhte. Dadurch avancierte Weinmillers Anregung zu einer rhetorischen Frage, die sie gleich selbst beantwortete. „Dann wäre es weniger Schloss“, legte sie nach. Als Ehrenreich sagte, dass er und vor allem sein Partner Thomas Rosenkranz allerdings große Fans von mittelachsigen Eingängen seien, argumentierte Weinmiller weiter. Das Haus würde auf diese Weise nicht nur insgesamt lässiger dastehen, so würden sich auch einige der Details, für die sie und ihre Kollegen zuvor noch Anregungen hatten, von selbst lösen. Die nickten. Technisch gebe er Weinmiller Recht, sagte Ehrenreich schließlich. „Und architektonisch können Sie sich auf uns verlassen“, machte die Gestaltungsbeirätin ihren Punkt, womit sie ihm die Zusage abrang, diesen Vorschlag zu prüfen. „Aber versprechen kann ich nichts“, kündigte Ehrenreich noch an. Einig waren sich die Mitglieder des Gestaltungsbeirats und Ehrenreich aber darin, dass die Entwürfe für das Haus seit der vergangenen Sitzung Ende April um eine große Portion eleganter wurden. „Es wird immer schöner, je länger ich hinschaue“, schloss der Bauherr die Debatte.

Zuvor bekamen die Architekturwächter, Bauherr Karl Kotz sowie seine Architekten Ralf Muthsam und Ferdinand Weber zu spüren, wie diffizil es ist, drei Reihenhäuser auf einem Grundstück zu bauen, das auf dem schmalen Korridor zwischen dem Straßenzug von Niederwinzer und der B8 liegt: Im Norden gilt wegen des historisch gewachsenen Straßendorfs Ensembleschutz, im Süden wegen der viel befahrenen Straße eine Bauverbotszone. Dazwischen trainieren gerade noch Karateka. In Zukunft könnten dort, einmal drei Parteien wohnen.

Muthsam kündigte an, den Winzerer Hang auf dem aufgeschütteten Gelände wieder sichtbar zu machen und dafür Aufschüttungen abzutragen, die gerade noch eine Plattform für den Parkplatz und das Gebäude mit der Kampfsportschule bilden. Dadurch würden die Gebäude ein Gartengeschoss bekommen. Er präsentierte den Architekturwächtern drei Häuser, von denen zwei mit der Traufe zur Straße stehen und eines mit dem Giebel. Ihre Fassaden hatte er versetzt in den Straßenzug gepflanzt, in der Hoffnung, damit sowohl das Gefüge Niederwinzers als auch die benachbarten Dachhöhen aufzunehmen.

Einheitlich, aber anders

Das reichte den Architekturwächtern aber nicht. In ihren Augen könnte der Entwurf die Eigenständigkeit der drei Häuser durchaus noch mehr herausarbeiten – das aber bitte in der gleichen architektonischen Sprache. Sie hatten auch eine Lösung für das Bauteam parat: Das mittlere Haus könne einen halben Meter weiter im Grundstück stehen als die anderen beiden – das Straßenbauamt habe da Gesprächsbereitschaft signalisiert. Die beiden flankierenden Häuser könnten einen seitlichen Eingang bekommen.

Die Dachterrassen, die sich Weber im Sinne der Marktgängigkeit für den Bauherren erbat, weil den Bewohnern draußen sonst lediglich „der Garten im Loch“ bleibe, könnten kommen, wenn sie variieren. „Eine Öffnung, ein Fenster zur Seite und eine Gaube“, schlug Castorph vor.

An dieser Stelle in der Nürnberger Straße könnten Reihenhäuser entstehen.