Sanierung: Wird das zu viel für das Velodrom? Regensburger Architekt fürchtet um das Denkmal

Von Heike Haala · 6. November 2023 um 05:00

Einen Schnürboden, Platz für die Stadtgesellschaft, ein Theater für die Zukunft und nicht mehr den Standard einer Interimsbühne: Das erwartet Intendant Sebastian Ritschel vom sanierten Velodrom. Jetzt warnt der Regensburger Architekt Albert Payer: Das überfrachte den Bau.

Payer ist der Mann, auf dessen Reißbrett in den 1990er-Jahren große Teile der Pläne für die vergangene Sanierung des Denkmals entstanden. Damals musste das große Haus am Bismarckplatz saniert werden. Das Velodrom sollte sich deswegen in eine Ausweichspielstätte verwandeln. Die Regensburger aber verliebten sich derart in diese Bühne, dass sie nicht mehr stillgelegt wurde – bis 2021. Wieder steht eine Sanierung an.

Bedenken nach dem Termin

Und bei dem, was bisher von der bekannt ist, kommen Payer die größten Bedenken: „Das ist keine Sanierung, sondern eine Vergewaltigung des denkmalgeschützten Bestandes“, sagt er. Die Veränderungen und Anforderungen überfordern das Bauwerk in seinen Augen. Bei der vergangenen Sitzung des Gestaltungsbeirats hatte Planer Nikolai Reich aus dem von der Stadt beauftragten Büro Gerkan, Marg und Partner (GMP) seine Pläne vorgestellt, was Payer sich anhörte.

Um den für den Brandschutz geforderten eisernen Vorhang einbauen zu können, hatte Planer Reich sich dazu entschlossen, die im Moment durchwegs niedrigeren Dachflanken im Bereich über der Bühne auf die Höhe des Mittelteils anzuheben. In Payers Augen aber sprengt das den Baukörper.

Auch an den Plänen für die vorgestellte Unterdecke im Innenraum, in der die Belüftung und die Bühnentechnik verschwinden könnten, hat Payer etwas auszusetzen. Reich hatte angekündigt, einen der Dachträger versetzen zu müssen, was aber statisch kein Problem sei, weil das neue Dach die Last ohnehin nicht mehr tragen könne, weswegen eine neue Tragstruktur eingezogen werden soll. Dass diese historischen Eisenbinder verdeckt werden sollen, geht für Payer aber überhaupt nicht. „Das degradiert die Eisenbinder zum nutzlosen Accessoire“, sagt er. Tobias Wulf, Vorsitzender des Gestaltungsbeirats, hatte sich ähnlich geäußert und Bedarf an Alternativen angemeldet.

Dass im Moment auch das schwarze Vordach vor dem Foyer im Feuer steht und damit der an der Fassade markanteste Teil von Payers Entwurf, damit könne der Architekt leben. Er frage sich aber schon, was das Publikum dazu sagen wird.

„Das Velodrom als Ersatzspielstätte war deshalb so beliebt, weil es mit sparsamsten Mitteln den ursprünglichen Charakter und den Charme zum Ausdruck brachte“, erinnert Payer an die vergangene Sanierung. Drei Jahre und 4,5 Millionen DM seien damals für die Interimsbühne notwendig gewesen, beziffert er dies. Aber auch schon als Erbauer Simon Oberdorfer diese Eisenbinder unter dem Dach am Ende des vorletzten Jahrhunderts aufspannen ließ, sei dies laut Payer geschehen, weil die seriell hergestellten Bauteile als wirtschaftlich galten.

Payer hat viele Fragen

Der Architekt stellt Fragen: Muss es eine Vollbühne sein? Könnte da nicht auch im Sinne der Wirtschaftlichkeit abgespeckt werden? Und woher sollen die 75 Prozent an Fördergeldern kommen, die die Stadt im Moment für diese Investition erwartet?

Katrin Butz von der städtischen Pressestelle sagt dazu, dass alle bisherigen Planungen mit den Fachbehörden, auch mit der Denkmalpflege und dem Gestaltungsbeirat, abgestimmt worden seien. Ziel sei es, die Spielstätte auf den aktuellen technischen Stand zu bringen, damit das Theater sie weiterhin nutzen kann – und dies nicht als Ausweichspielstätte, sondern als Bühne der Zukunft. Zudem gebe es laut Butz einen breiten Konsens in der Stadtpolitik, dass das Velodrom auch künftig als Großbühne bespielt wird, weil das Theater die Spielstätte in dieser Form brauche. Das neue Tragwerk bezeichnet sie als eine statische Notwendigkeit. Alle Maßnahmen seien auf die technischen Notwendigkeiten abgestimmt worden und sollen möglichst wirtschaftlich umgesetzt werden, kündigt sie an.

Aber auch andere Experten haben das Thema im Blick – wenn sie auch sagen, über nicht genügend Informationen zu verfügen, um die aktuellen Planungen beurteilen zu können. Davon abgesehen bringen Peter Morsbach, Vorsitzender der Altstadtfreunde, und Andreas Eckl, Vorsitzender des Architekturkreises, die Bedeutung des Gebäudes ins Spiel. Eckl will deswegen nun Informationen zu den Plänen erbeten.

Morsbach fordert extrem sensiblen Umgang und dass es zu keinen Eingriffen in die historische Bausubstanz kommt. Das Velodrom habe in seinen Augen genug gelitten. Deswegen ist das Dach aus dem späten 19. Jahrhundert für ihn ebenso tabu wie der Untergrund, worin er von römischen Überresten weiß. „Das Gebäude sagt uns, was zu tun ist, nicht umgekehrt. Dem haben sich alle zu unterwerfen. Auch die Planer und das Theater“, verdeutlicht Morsbach. Immerhin habe es im Inneren einmal Radrennen und Varieté gegeben. „Das ist doch eine Steilvorlage“, sagt er.

Im Jahr 1996: das Velodrom von innen Foto: Stadt Regensburg/Ferstl